Friedhof Blankenese

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Charitas Bischoff, geb. Dietrich
7.3.1848 Siebenlehn/ Sachsen-24.2.1925 Blankenese
Schriftstellerin
Grablage: Grabstein steht im Grabsteinmuseum des Blankeneser Friedhofes
Charitas-Bischoff-Treppe, Blankenese, seit 1928
Charitas Bischoff war die Tochter der Botanikerin und Forschungsreisenden Amalie Dietrich. Sie erlebte in ihrer Kindheit viel Strenge. Während ihre Eltern auf Forschungsreisen gingen, blieb Charitas bei Verwandten oder auch Fremden und litt unsäglich unter der Trennung von ihrer Mutter, der die häufigen Trennungen ebenso schwerfielen. Kehrten die Eltern nach Hause zurück, musste Charitas beim Präparieren von Pflanzen und Insekten helfen. Dazu schreibt Charitas Bischoff in ihren Lebenserinnerungen: "Wenn ich mein Leben mit dem Leben anderer Kinder verglich, so sah ich schon früh,
daß ich andere Pflichten, aber auch andere Freuden und Genüsse hatte als meine Gefährtinnen. Äußerlich und innerlich war ein großer Unterschied. Fast alle waren besser gekleidet als ich. Wenn die anderen die Schule und die Schularbeiten hinter sich hatten, so waren sie frei (…) und konnten nach Herzenslust herumspielen. Sie brauchten nicht wie ich zu anderen Leuten, sie durften Kinder mit in ihr Heim bringen, sie bekamen gelegentlich kleine Geldgeschenke, die sie in Lakritzen oder Süßholz anlegten. Bei mir kam das nicht vor. Kinder durfte ich nur mit nach Hause bringen, wenn wir alle Gefäße voller Pflanzen hatten und viele Hände brauchten, die das Gesammelte in Papier legten. Zu dieser eigentümlichen Art ‚Kindergesellschaft" drängten sich meine Gefährtinnen, obgleich sie still sitzen und stundenlang unter der strengen Aufsicht des Vaters arbeiten mußten. Die Bewirtung fiel nur mager aus, denn sie bekamen nach der Arbeit eine Sirupsbemme von der Mutter. Was lockte sie? Vielleicht das Außergewöhnliche, was ihnen durch die Eltern und die ganze Umgebung geboten wurde, vielleicht aber auch mehr das Erzähltalent des Vaters. Um die Kinder willig zu machen, erzählte der Vater an solchen Tagen Märchen aus dem Tier- und Pflanzenleben, und er erzählte so spannend, so lebendig, daß wir jede Störung wie einen häßlichen Mißton empfanden, und doch musste dann und wann neues Arbeitsmaterial und Anweisungen gegeben werden. Wie gern hörte ich es, und wie stolz war ich, wenn die Kinder beim Nachhausegehen zu mir sagten: ‚O du, aber die Vater kann scheen derzählen!"" 1)
Der Vater stellte höchste Ansprüche an das Können seiner Tochter und wenn sie ihm nicht gut genug arbeitete, wurde er zornig. "Wie lange saß ich da oft an einer einzigen Pflanze. Ich beschwerte die einzelnen Zweige mit rechteckigen Eisenstücken, bis ich der ganzen Pflanze die Form gab, die sie im frischen Zustand hatte. Wenn sie am nächsten Tage aus der ersten Presse kamen und sie trugen Spuren oberflächlichen Einlegens, so nahm der Vater die betreffende Pflanze, riß sie mitten durch und warf sie mir zornig vor die Füße. ‚Untersteh dich und bring mir solche schlampige Arbeit unter die Augen", rief er entrüstet. O, wie ich unter seinen Worten zitterte, was für Angst ich hatte, wie ich mich nach solchem Zornausbruch bemühte, die Pflanzen gut einzulegen! Diese Strenge ließ keine Vertraulichkeit meinerseits aufkommen. Ich konnte ihn bewundern, ich konnte stolz auf ihn sein, aber ich konnte mich nicht unbefangen hingeben. Meine kindlichen Angelegenheiten waren seiner Beachtung nicht wichtig genug, ich wagte mich ihm gegenüber gar nicht damit hervor." 2)
Mit ihrer Mutter Amalie Dietrich ging Charitas oft zum Pflanzensammeln und Insektenfangen in die Natur. "Den wohltuendsten Gegensatz zu den Stunden stiller Arbeit bildeten die botanischen Wanderungen mit der Mutter. Meine Ausrüstung war ebenso vollständig wie die ihrige. Ich hatte eine Botanikerkapsel, ein Schmetterlingsnetz, ein Käferglas mit Spiritus und eine Schachtel mit durchlöchertem Deckel für Raupen. So ausgerüstet wanderte ich an der Seite der Mutter weit herum im sächsischen Lande. Wie reich und glücklich fühlte ich mich an solchen Tagen! Mir war zumute, als würde mir durch die Mutter die ganze Welt mit ihren Schätzen und Freuden erschlossen. Daß auch sie herb und streng sein konnte, das vergaß ich an solchen Tagen, da entfaltete sie eine Fülle reichen, sonnigen Innenlebens. Sie ging auf alles ein, was mich beschäftigte, sie ermunterte mich zum Singen, sie lobte mein tapferes Wandern, sie rezitierte lange Balladen, die sich der Stimmung der Gegend einfügten, sie hatte Bewunderung für Wolkenbildung und den feurigen Sonnenuntergang. Mit wie vielerlei Menschen kamen wir zusammen, und mit allen wußte die Mutter den rechten Ton zu treffen. Mir prägte sie ein, mich von niemand und vor nichts zu fürchten. Wo sich nur Gelegenheit bot, sollte ich hilfreich zufassen." 3)
Als die Mutter einmal sehr lange auf Reisen war, kein Geld schickte und sich auch nicht meldete - sie lag schwer erkrankt in einem holländischen Krankenhaus -, schickte der Vater, der zu Hause geblieben war, seine Tochter zu fremden Menschen und nahm eine Hauslehrerstelle in einem anderen Ort an. Charitas lebte nun bei einem fremden Ehepaar und musste nach der Schule für dieses arbeiten. Da sie nicht gut behandelt wurde, wechselte sie die Stelle.
Als ihre Mutter zurückkehrte, fand sie in ihrem Haus fremde Menschen vor. Sie kannte weder den Aufenthaltsort ihrer Tochter noch den des Ehemannes. Nachdem sie ihre Tochter dennoch wiedergefunden hatte, kam Charitas abermals zu fremden Leuten, denn die Mutter musste Geld verdienen. Ihre Arbeit ließ es nicht zu, ihre Tochter bei sich zu haben.
Als Amalie Dietrich nach Hamburg fuhr, um dort Geld mit ihren Pflanzen zu verdienen, konnte sie vorerst ihre Tochter nicht mitnehmen. Erst als sie dort einen neuen Arbeitgeber fand - den Kaufmann Cäsar Godeffroy - und der Elfenbeinimporteur/kaufmann Heinrich Adolph Meyer, der Godeffroy Amalie Dietrich empfohlen hatte, sich bereit erklärte, gemeinsam mit seiner Ehefrau Marie die Aufsicht über die damals 15-jährige Charitas zu übernehmen, wenn Amalie Dietrich für zehn Jahre nach Australien ginge, konnte Amalie Dietrich ihre Tochter nach Hamburg nachholen. Nun lebte Charitas bei dem kinderlosen Ehepaar Meyer, das in einem hochherrschaftlichen Haus in der Straße "An der Alster" 24a wohnte.
Als Amalie Dietrich ihre Tochter zu den Meyers brachte und ihr mitteilte, dass sie einen Vertrag mit Cäsar Godeffroy hätte, wonach sie sich verpflichtet habe, zehn Jahre lang als Botanikerin nach Australien zu gehen, fragte Charitas ihre Mutter, ob sie mitkönne. Darauf Amalie Dietrich: "Nein, ich nehme dich nicht mit! (…) jede Reise hast du mir durch dein Jammern extra schwer gemacht! Glaubst du etwa, daß nur du leidest? Du bist ja noch zu jung, als daß du einen Begriff haben könntest von Kämpfen, die mir auferlegt sind. Ich konnte ja nicht zu Hause bleiben, und das was mich immer so niederdrückte, das war, daß ich trotz der größten Anstrengung nichts für deine Erziehung tun konnte. Das ist von nun an anders! Ich bin fest angestellt, habe eine bestimmte Einnahme, und das kommt in erster Linie jetzt dir zugute. Du hast immer den Wunsch gehabt, etwas zu lernen, ich biete dir jetzt die Möglichkeit! Leichter wäre es mir, dich mitzunehmen, richtiger ist es auf alle Fälle, daß du hier bleibst." 4)
Charitas, die von Kind an weder eine äußere noch eine innere Heimat hatte, wohnte nun bei den Meyers und verbrachte die Sommer mit ihnen in deren Villa "Haus Forsteck" am Kieler Fördeufer. Später wurde sie von den Meyers zur Ausbildung nach Eisenach und Wolfenbüttel geschickt.
In Wolfenbüttel arbeitete Charitas einige Jahre als Lehrerin, ging dann für zwei Jahre nach London und kehrte im Alter von 23 Jahren nach Deutschland zu den Meyers, die in der Zwischenzeit nach Kiel gezogen waren, zurück.
Charitas lernte den Kandidaten der Theologie, Christian Bischoff, kennen. Als ihre Mutter aus Australien zurückkehrte, war Charitas bereits verlobt. Die Mutter war sehr enttäuscht darüber, hatte sie sich doch vorgestellt, dass ihre Tochter ihr nun wieder beim Präparieren der Pflanzen und Insekten helfen würde. Doch Charitas heiratete ihren Pastor (Hochzeit 1873), zog mit ihm nach Roagger in Nordschleswig und bekam drei Kinder (1874, 1876, 1886).
Aber auch in der Ehe fand Charitas keine Heimat, die ihr das Gefühl gab, sich aufgehoben und zugehörig zu fühlen; Charitas litt an Vereinsamung.
Als verheiratete Frau begann Charitas schriftstellerisch zu wirken. Durch ihre 1886 in den Kieler Nachrichten veröffentlichten Skizzen aus Nordschleswig wurde sie so bekannt, dass von nun an selbstständige Veröffentlichungen möglich waren. Charitas Bischoff arbeitete als Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin aus dem Dänischen.
1890 zog das Ehepaar Bischoff mit seinen Kindern nach Rendsburg. Ein Jahr später starb Amalie Dietrich, die ihre Tochter in den letzten Jahren immer mal wieder für längere Zeit besucht hatte. 1884 verunglückte Charitas" Mann tödlich.
Charitas Bischoff begab sich wieder auf die Suche nach Heimat und reiste eine Zeitlang mit ihren Kindern durch Sachsen, die Heimat ihrer Kindheit, kehrte aber schließlich in die Großstadt Hamburg zurück, wo sie mit ihrem jüngsten Kind - das Älteste, eine Tochter, hatte geheiratet, die Mittlere hatte eine Stelle in einem Landpastorat angenommen - in einem Etagenhaus lebte. Aber auch dort fühlte sich Charitas Bischoff einsam und verlassen. "Es waren soviel Menschen, daß der eine sich vor dem andern wehrte, daß er sich abschloss. Man legte die eiserne Kette vor die Tür - vielleicht auch ums Herz!" 5)
Charitas Bischoffs bekanntesten Bücher sind ihre Biographie über ihre Mutter "Amalie Dietrich" und ihre Autobiographie "Bilder aus meinem Leben" (1914).
Text: Rita Bake
Quellen:
1) Charitas Bischoff: Bilder aus meinem Leben. Berlin 1922, Kapitel 8. http://gutenberg-spiegel.de/buch/bilder-aus-meinem-leben-2298/8
2) Ebenda.
3) Ebenda.
4) Ebenda.
5) Ebenda.
Sabine Boehlich
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28.4.1950 Hamburg - 8.8.2016 Hamburg
Bürgerschaftsabgeordnete (GAL) und Jiddistin
Grablage: C 318 BC
Sabine Boehlich trat 1985 der GAL (Grüne) ein. Ein Jahr lang, von 1986 bis 1987, fungierte sie als Fraktionsvorsitzende der GAL in der Bezirksversammlung Hamburg-Altona. Von 1991 bis 1993 war sie Mitglied des Landesvorstandes der GAL und von 1992 bis 1993 Landesschatzmeisterin ihrer Partei, sowie von 1991 bis 1994 Mitglied des "Grünen Länderrats" (kleiner Parteitag). 1993 wurde sie als Abgeordnete in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, der sie sie 1997 angehörte.
Ihre politischen Schwerpunkte während ihrer Zeit in der Bürgerschaft lagen im Bereich Kultur. So war sie Mitglied des bürgerschaftlichen Kulturausschusses. Als sie Abgeordnete war, lebte sie getrennt von ihrem Mann und ihre beiden Kinder waren damals
zwischen fünfzehn und siebzehn Jahre alt. Befragt nach Vereinbarkeit von Privatleben und Bürgerschaftsarbeit antwortete sie, dass Privatleben und Bürgerschaftsarbeit befriedigend unter einen Hut zu bekommen schwierig sei und manchmal sogar fast unmöglich. "Dann muß der eine bzw. andere Bereich einfach durchgezogen werden". 1)
Sabine Boehlich hatte Jüdische Studien, Religions- und Literaturwissenschaften in Potsdam studiert. Ihre Magisterarbeit "Nay-Gayst" : Mystische Traditionen in einer symbolistischen Erzählung des jiddischen Autors " Der Nister" (Pinkhas Kahanovitsh) erschien 2008 im Harrassowitz Verlag.
Ihre Urgroßmutter war die Schriftstellerin Sophie Jansen (1862-Freitod 1942), die sich sozial stark engagierte und - wie auch Sabine Boehlich - in Hamburg-Blankenese gelebt hat. In der NS-Zeit wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft drangsaliert. Als sie 1942 den Deportationsbefehl für das KZ Theresienstadt erhielt, nahm sie sich das Leben. 2)
Sabine Boehlich lebte später mit dem ehemaligen GAL-Bürgerschaftsabgeordneten Martin Schmidt (1933-20011) zusammen. Ihr Onkel, der Literaturkritiker, Herausgeber, Übersetzer und Lektor Walther Boehlich (1921-2006), lebte in seinen letzten Lebensjahren in ihrem Haus. 3)
Quelle:
1) Inge Grolle, Rita Bake: "Ich habe Jonglieren mit drei Bällen geübt". Frauen in der Hamburgischen Bürgerschaft 1946 bis 1993. Hamburg 1995, S. 324.
2) Vgl.: Wikipedia: Sabine Boehlich, abgerufen 15.6.2018.
3) Siehe mehr zu Sophie Jansen unter www.stolpersteine-hamburg.de

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Photo: Parlamentarischer Informationsdienst der Hamburgischen Bürgerschaft
Betty Gosau, geb. Kiemer
16.2.1909 Blankenese - 29.12.1999 Hamburg
Verkäuferin, Hausfrau, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (CDU) in der Zeit der Ernannten Bürgerschaft: Februar 1946-Oktober 1946
Grablage: A 296
Betty Gosau war in der Zeit des Nationalsozialismus von Ende 1944 bis Ende April 1945 wegen "Wehrkraftzersetzung" inhaftiert.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus stellte der englische Stadtkommandant Brigadier Armytage sie für die von Februar bis Oktober 1946 amtierende Ernannte Bürgerschaft auf. Betty Gosau vertrat in der Bürgerschaft zunächst als Parteilose, später als CDU-Mitglied, die Interessen der berufstätigen Frauen in den Zeiten des Wiederaufbaus. Betty Gosau war zur Zeit ihrer Bürgerschaftstätigkeit verheiratet und kinderlos. Text: Rita Bake
Emilie Kalbitzer
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Photo: privat
17.2.1912 Obernkirchen - 16.12.1999
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (SPD) von 1965 bis 1970
Grablage: Quartier K Nr. 106-107
"Jeder Erwachsene wisse über die Möglichkeit von Verhütung Bescheid, vielen fehle es nur an Disziplin", ließ in den 1960-er Jahren der damalige Gesundheitssenator Emmi Kalbitzer wissen, die damals Deputierte der Schulbehörde war und sich für die Einrichtung des Sexualkundeunterrichts in den Schulen einsetzte. "Im Jahre 1963 hatte die Frauenzeitschrift ‚Constanze" auf Intitiative von zwei Journalistinnen eine Beratungsstelle für Geburtenregelung gegründet, die der Herausgeber finanzierte. Als ihm nach einiger Zeit zuviel Schwierigkeiten gemacht wurden - z. B. verbot die Gesundheitsbehörde den Ärzten, dort mitzuarbeiten; außerdem wurden die Journalistinnen verdächtigt, die Namen der Patientinnen für sensationelle Berichte zu benutzen -, gab er die Beratungsstelle auf. Daraufhin übernahm das Referat ‚Frau und Familie" in der Jugendbehörde diese Beratungsstelle. Marta Damkowski [bestatte auf dem Ohlsdorfer Friedhof, grabfläche Geschwister-Scholl-Stiftung], die diese Abteilung leitete, setzte sich tatkräftig für die Finanzierung durch die Stadt ein", schrieb Emmi Kalbitzer 1989 in der Grünen Reihe 21 "Lebensbilder von Frauen in Hamburg nach 1945" des Deutschen Frauenrings.
Tochter eines Glasbläsers und Sozialdemokraten trat auch Emilie Kalbitzer, die mit ihren Eltern und Geschwistern in Bochum lebte, mit achtzehn Jahren der Sozialdemokratie bei und wurde Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbunds (ISK). Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging die Sekretärin in die Illegalität. 1933 folgte sie dem Hamburger Gerd Kumleben nach Paris, der dort als Korrespondent für den "Funken", die Tageszeitung des ISK, tätig war. Sie wollte für ihn arbeiten, doch daraus wurde nichts, denn alle linken Zeitungen wurden in Deutschland verboten. Zurück in Hamburg, half sie, die Vegetarische Gaststätte an der Börsenbrücke 4 mitaufzubauen - eine Anlaufstelle für politische Flüchtlinge und konspirativer Treffpunkt des ISK. Zwischen 1938 und 1940 war sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat im Berliner Frauengefängnis inhaftiert, davon ein Jahr in Einzelhaft. 1940 heiratete sie ihren Kameraden Hellmut Kalbitzer und bekam drei Kinder. 1945 trat sie der SPD bei und wurde für die Frauenarbeit im Ortsverein verantwortlich. 1949 avancierte ihr Mann Hellmut zum Bundestagsabgeordneten. Emmi Kalbitzer wurde Mitte der 1960-er Jahre Deputierte der Schulbehörde, gehörte der Hamburgischen Bürgerschaft vom 9.4.1965 bis 1970 an und war im Schulausschuss tätig. In den 1970-er Jahren war sie Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Rissen-Sülldorf.
Text: Rita Bake

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Annemarie Klutmann, geb. Heß
27.1.1898 Hamburg - 14.12.1993 Hamburg
Geigerin, Geigenlehrerin
Grablage: C 457
Annemarie Heß bekam privaten Geigenunterricht und besuchte das Krüss-Färber-Konservatorium. Auch nahm sie Gesangsunterricht. Daneben absolvierte sie eine Ausbildung als Hilfsschwester in einem Krankenhaus in Blankenese.
Vor ihrer Heirat 1926 mit dem Schriftsteller Rudolf Klutmann, der auch Libretti für zwei Opern von Arnold Winternitz (siehe: Eintrag Martha Winternitz-Dorda, Erinnerungsstein für sie im Garten der Frauen) geschrieben hatte, hatte Annemarie Heß Geigenstunden gegeben und an der Stormarnschule in Ahrensburg Chorgesang unterrichtet.
Nach der Heirat unterrichtete sie nicht mehr, weil sie die vier Kinder aus der ersten Ehe ihres Mannes betreuen musste. 1928 gebar sie dann selbst ein Kind.
Nachdem die Kinder ein wenig größer waren, gab Annemarie Klutmann wieder Geigenunterricht und trat als Geigerin in Musikvereinen und in Kirchen auf.
"Nach dem Machtantritt der Nazis 1933 wurde sie, obwohl sie väterlicherseits jüdischer Herkunft war, zunächst als Mitglied in die Reichsmusikkammer aufgenommen (…).Im Zuge der Massenausschlüsse von Musikern jüdischer Herkunft wurde sie 1935 allerdings wieder ausgeschlossen und verlor aufgrund dieses Berufsverbots jegliche Möglichkeit zu unterrichten und zu konzertieren. (…) In den folgenden Jahren erhielten die Klutmanns vermutlich auch von Freunden Unterstützung. Außerdem veranstalteten sie in ihrem Haus in der Mörikestraße Vortragsabende, für die sie auch Eintritt nahmen. (…)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gelang es Klutmann nicht, wieder als Geigerin tätig zu werden, und auch ihre Unterrichtstätigkeit konnte sie nur in beschränktem Maße wieder aufnehmen." 1)
Quelle:
1) Sophie Fetthauer: Annemarie Klutmann, in: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, Claudia Maurer Zenck, Peter Petersen (Hg.), Hamburg: Universität Hamburg, 2012 (https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00004011). Abgerufen 3.6.2018
Felicitas Kukuck, geb. Cohnheim, seit 1917 Kestner
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Photo aus: Hamburg. Schule unterm Hakenkreuz. Hrsg. von Ursel Hochmuth und Hans-Peter de Lorent. 2. Aufl. Hamburg 1986, S. 252
2.11.1914 Hamburg - 4.6.2001 Hamburg
Komponistin, Trägerin der Biermann-Ratjen-Medaille und der Johannes-Brahms-Medaille der Freien und Hansestadt Hamburg
Grablage: A 1, 718
Namensgeberin für Felicitas-Kuckuck-Straße, benannt 2016 in Altona-Nord
Margret Johannsen hat eine Biografie über Felicitas Kukuck verfasst. Sie schreibt: "Als Komponistin eines umfangreichen Werkes geistlicher und weltlicher Musik leistete Felicitas Kukuck in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag zum hamburgischen Musikleben." [1]
Felicitas Kukuck stammte, so Magret Johannsen " aus einem Elternhaus namens Cohnheim und wurde im ‚Dritten Reich" als ‚Vierteljüdin" eingestuft, weil ihr Vater trotz seiner drei jüdischen Großeltern Benjamin Cohnheim, Dorothea Cohnheim, geb. Salomon und des zum Protestantismus konvertierten Otto Lewald offiziell als ‚Halbjude" galt - wahrscheinlich auf Betreiben seines Sohnes Theodor Lewald, Gründer des Nationalen Olympischen Komitees und bis 1938 dessen Präsident. 1917 erhielt sie auf Grund einer elterlichen Namensänderung den Nachnamen Kestner Erst nach der ‚Machtergreifung" 1933 erfuhr die Neunzehnjährige von ihrer jüdischen Herkunft. Dass es möglicherweise von lebenswichtiger Bedeutung sein könne, über den dritten jüdischen Vorfahren Otto Lewald Stillschweigen zu bewahren, war ihr wie allen anderen Familienmitgliedern bewusst."
Ihr Vater war von Beruf Physiologe und ihre Mutter Sängerin. Sie "förderten die künstlerische Entwicklung ihrer Tochter von Kindheit an und ermöglichten ihr den Besuch von Schulen, in deren Curriculum Musik einen hohen Stellenwert hatte, insbesondere der reformpädagogischen Lichtwark-Schule und - nach der ‚Machtergreifung" bzw. der Ersetzung des Schulleiters Heinrich Landahl durch das NSDAP-Mitglied Erwin Zindler im März 1933 - der Schule am Meer auf Juist unter Leitung von Martin Luserke. Zu ihren Lehrern gehörten (…) [auch], Edith Weiß-Mann [ihr Grabstein steht im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof] (Klavier) (…). Als Mitglied der Kommunistischen Jugend textete und komponierte sie Agit-Prop-Lieder, die sie zusammen mit ihren Genossen und Genossinnen in Hamburg-Eimsbüttel auf einem Lastwagen stehend und in Hamburg-Hoheluft in einem Kino aufführte.
1935 legte sie ihr Abitur an der Odenwaldschule ab. Ihr Vorhaben, an der Staatlichen Hochschule für Musikerziehung und Kirchenmusik in Berlin zu studieren, um Schulmusikerin zu werden, musste sie wegen ihrer ‚nicht-arischen" Herkunft aufgeben. Sie nahm stattdessen das Musikstudium an der Staatlichen Akademischen Hochschule für Musik in Berlin auf. Von Oktober 1935 bis März 1937 studierte sie Klavier bei Carl-Adolf Martienssen, dann bis Juli 1939 Flöte bei Gustav Scheck und Klavier bei Rudolf Schmidt. Bei Paul Hindemith (…) studierte sie Komposition. (…) Im März 1937 bestand sie die Staatliche Privatmusiklehrerprüfung mit der Lehrbefähigung für Klavier, erhielt aber als ‚Nicht-Arierin" keinen Unterrichtserlaubnisschein. Sie gab dennoch Klavierstunden und Blockflötenkurse in der Jutta-Klamt-Schule für Tanz in Berlin. Am 30. Juni 1939 bestand sie an der Musikhochschule die Abschlussprüfung in Klavier bei Rudolf Schmid und erhielt das Zeugnis der Reife. (…)
Am 3. Juli 1939 heiratete sie ihren Freund Dietrich Kukuck, den sie aus der Lichtwark-Schule kannte und mit dem sie in Berlin seit 1936 zusammenlebte. Sie trat im Herbst 1939 mit einer Sondergenehmigung als Komponistin in die Reichsmusikkammer ein, nachdem das mehrfach befragte Gau-Personalamt der NSDAP keine politischen Bedenken erhoben hatte, ‚sofern sie bei Veranstaltungen der NSDAP sowie deren Organisationen nicht auftritt und auch nicht im schöpferischen Sinne tätig wird." 1940 kam ihr erster Sohn zur Welt. Im Winter 1940/1941 gab sie einen Kompositionsabend, der sehr positive Kritiken erhielt. 1942 wirkte sie als Blockflötistin in der ‚Spielgemeinschaft Emil Seiler" für dessen Radio-Sendung ‚Schatzkästlein" mit und bestritt Hausmusikabende in den Tanzschulen von Jutta Klamt und Ingeborg Pröhl. (…) Während des Krieges bot sie einer untergetauchten Jüdin namens Elisabeth (Jakobus) Feilchenfeld, vormalig Lehrerin an der Hamburger Talmud-Tora-Schule, Zuflucht und Hilfe bei der Lebensmittelbeschaffung.
(…) Im November 1945 kehrte sie mit einem Flüchtlingstreck nach Hamburg zurück. 1946 kamen ihre Zwillingstöchter und 1948 ihr zweiter Sohn zur Welt. 1947 machte sie die Bekanntschaft von Gottfried Wolters, Lektor des Möseler-Verlages. Unter seinem Einfluss wandte Kukuck sich verstärkt der Vokalmusik zu. (…). Mit seinem Norddeutschen Singkreis führte Wolters eine Reihe ihrer Werke auf, darunter die Motette ‚Mariae Verkündigung" (…).
Kukuck engagierte sich seit den 1950er Jahren stark in der Laienmusik. Sie machte Schulfunksendungen für Radio Bremen, (…), spielte in einem Fidelquartett und gab beim Möseler-Verlag die Reihe ‚Der Fidelbogen" heraus. Sie führte Musikwochen mit Laien durch und leitete 1960-1965 einen Volkshochschulchor. (…) Einem Ruf an die 1958 gegründete Musische Bildungsstätte in Remscheid (seit 1968 Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung e. V.) für das Referat Musik folgte sie nicht, weil sich dies nicht mit ihrer Rolle als Mutter von vier Kindern vereinbaren ließ.
1967 wurde ihre Ehe geschieden. Sie gründete im gleichen Jahr den Kammerchor Blankenese, mit dem sie viele ihrer Kompositionen (ur)aufführte. 1971-1981 unterrichtete sie an der Lola-Rogge-Schule [Lola Rogges Grab befindet sich im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof] für Tanz und tänzerische Gymnastik. (…) In den 1980er Jahren war sie in einer Friedensgruppe aktiv. 1982-1991 regte die Zusammenarbeit mit dem Pastor der Kirchengemeinde Blankenese sie zu Kompositionen wie der Kantate ‚Klagelieder Jeremias", dem ‚Worpsweder Hirtenspiel" nach Manfred Hausmann sowie kleiner Stücke für den Gottesdienstgebrauch an. 1983-1997 arbeitete sie mit ihrer Tochter Margret Johannsen zusammen, die für sie Texte schrieb, unter anderem für die Kirchenoper ‚Der Mann Mose" und das Oratorium ‚Ecce Homo", für die Kantaten ‚Und es ward: Hiroshima", (…).
Felicitas Kukuck war bis zu ihrem Lebensende eine ungewöhnlich produktive Komponistin, deren Œuvre neben Instrumentalstücken zahlreiche Werke geistlicher und weltlicher Vokalmusik enthält, vom Kanon bis zum Oratorium. Sie blieb zeitlebens der Tonalität verpflichtet, aber sie war offen für Erweiterungen des Tonalitätsbegriffs und entwickelte einen als ‚freimodal" bezeichneten Kompositionsstil. Neuere Kompositionstechniken setzte sie stets als Mittel zur Intensivierung der Textaussage ein. Intervallstrukturen schrieb sie eine symbolische Bedeutung zu; zuweilen setzte sie in semantischer Absicht bei der Verwendung von Zwölftonreihen das Verfahren der Zahlensymbolik ein. Oft waren Sprechrhythmus und Sprachmelodie Ausgangspunkt ihrer Kompositionen. Sie berücksichtigte beim Komponieren zudem äußere Bedingungen, vor allem den Zweck der Komposition und das Können der Musizierenden. Für einige ihrer Kompositionen schrieb sie auch die Texte und verfasste überdies einige dramatische Werke. Ihre jüdische Herkunft hinderte sie daran, Schulmusikerin zu werden, was ihr die Chance eröffnete, als Komponistin schöpferisch tätig zu sein. (…)
Am 4. Juni 2001 starb Kukuck in Hamburg. Ihr Nachlass wird vom Archiv Frau und Musik in Frankfurt verwaltet. Einige ihrer Werke sind auf Schallplatten erschienen. Nach ihrem Tod erschienen die CD ‚Felicitas Kukuck.Von den Anfängen bis zum Spätwerk" und die CD ‚Gespräche mit Felicitas Kukuck über die Musik" als Privateditionen sowie die Website www.felicitaskukuck.de.." [2]
Quellen:
1 Margret Johannsen: Felicitas Kukuck, in: Hamburgische Biografie: Personenlexikon. Hrsg. von Franklin Kopitzsch und Dirk Brietzke. Bd. 4. Hamburg 2008, S. 203ff.
2 Margret Johannsen über Felicitas Kukuck unter www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00001443

Photo aus: Traute Hoffmann: Der erste deutsche ZONTA-Club. Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen. Hamburg 2002, S. 88.
Vilma Mönckeberg-Kollmar, geb. Pratl
29.7.1892 Wien - 4.4.1985 Hamburg
Gründerin der W.O.M.A.N., Schauspielerin, Rezitatorin
Grabstelle aufgelöst
Vilma Mönckeberg-Kollmar war die Tochter eines österreichischen Beamten. Ihre schulische Ausbildung erhielt sie in Deutschland, wo sie von 1909 bis 1910 in Berlin die Schauspielschule besuchte. Zwischen 1910 bis 1913 hatte sie Engagements in Lüneburg und am Hamburger Schauspielhaus. Doch ihr wurde kein Talent bescheinigt. So heiratete sie 1913 den Juristen Dr. Dr. Adolf Mönckeberg, den Sohn des Bürgermeisters Johann Georg
Mönckeberg, und entdeckte das Märchenerzählen. Wie sie dazu kam, beschrieb sie im Schlusskapitel ihres Buches "Das Märchen und unsere Zeit": "Auch ich hatte keine Beziehung zum Märchen. Aber da erschien im Eugen-Diederichs-Verlag die große Märchensammlung "Märchen der Weltliteratur", und mein Mann, der viel gebildeter als ich war, machte mir klar, daß Märchen nicht Kindergeschichten sondern Menschheitsgeschichte seien, wohl wert, sich dahinein zu vertiefen. Darum schenkte ich ihm zu unserem ersten Weihnachten die ersten beiden Bände der Diederichschen Sammlung. Es war unser erstes und auch letztes Weihnachtsfest, denn dann kam der Krieg, und die Männer fielen - auch mein Mann fiel. Ihm zum Gedenken sammelte ich die Märchen weiter. Ihm zum Gedenken las ich sie - immer wieder. Eines Tages bekam ich Lust, eines der Märchen - es war die ‚Jungfrau Marleen" - laut zu lesen. Das klang wie Musik, und darum las ich es immer wieder laut bis ich das Buch nicht mehr brauchte. Da bekam ich Lust, das Märchen jemandem zu erzählen, aber da war niemand. Ich ging vor einen Spiegel und erzählte es mir selber. Dabei bemerkte ich, daß das Märchen nicht nur die Stimme, sondern auch die Gestik und Mimik des Erzählers brauchte - also die ganze Person. Und noch mehr Personen: die Zuhörer." 1)
Sieben Monate nach dem Tod ihres Ehemannes kam der Sohn Jasper Adolf auf die Welt. Von 1917 bis 1919 studierte Vilma Mönckeberg-Kollmar an den Universitäten Berlin und Hamburg Phonetik, Sprecherziehung und Literatur. 1918 heiratete sie den holsteinischen Kaufmann Kollmar. Ein Jahr später erhielt sie an der Universität Hamburg eine Anstellung als Lektorin für Sprecherziehung und Vortragskunst. Im selben Jahr begannen ihre Vortragsabende mit Volksmärchen der Weltliteratur, die sie in viele europäische Länder führten. Ab 1923 rezitierte sie auch Hölderlin und Rilke und war von 1921 bis 1934 in der Sprechchorarbeit und im Laienspiel tätig. Zwischen 1923 und 1924 arbeitete sie mit Rudolf von Laban in dessen Sprech- und Bewegungschören mit und von 1924 bis 1932 in der Jugendmusikbewegung, führte in dieser Zeit Lehrgänge am Zentral-Institut für Erziehung und Unterricht in Berlin mit Junglehrerinnen und -lehrern und Erzieherinnen durch, war von 1925 bis 1933 für verschiedene Rundfunksender tätig, führte von 1925 bis 1927 die Meisterklasse für Sprechgestaltung an der Schule für Bewegung, Sprache und Musik in Münster, arbeitete von 1924 bis 1932 mit der freideutschen, sozialistischen, christlichen Jugendbewegung, führte von 1929 bis 1932 Lehrgänge am Hamburger Institut für Lehrerfortbildung und von 1930 bis 1933 an der pädagogischen Akademie in Altona durch und war von 1930 bis 1933 Dozentin an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin und Fachberaterin für Sprechbildungsfragen am Berliner Zentralinstitut für Erziehung.
1927 kam ihre Tochter (1927-1964) auf die Welt.
1933 wurde ihr an der Hamburger Universität gekündigt. "Ich galt den neuen Herren als radikales Frauenzimmer. Radikal war ich, aber nur beruflich, das wußte die neue Obrigkeit nicht. Doch die Studenten wußten es, und sie setzten sich für mich ein, sowohl die Bürgerlichen wie die Roten (...) - aber auch die Braunen. Die letzteren waren Liebkind bei den neuen Herren, sie setzten es durch, daß meine Kündigung wieder zurückgenommen wurde." Vilma Mönckeberg-Kollmar verlor auch ihre Ämter in Berlin. 1939 erfolgte die entgültige Kündigung. Im selben Jahr zog sie zu ihrem in der Niederlausitz tätigen Mann und widmete sich der Schriftstellerei. Dank des Feuilletonchefs des "gleichgeschalteten" "Hamburger Anzeigers", Hugo Sieker, konnten Vilma Mönckeberg-Kollmar und andere, die bereits auf der Goebbelschen Schwarzen Liste standen, auch während der NS-Zeit für die Zeitung veröffentlichen, denn Hugo Sieker ließ sie unter einem Pseudonym schreiben.
Über das mutige Auftreten Vilma Mönckeberg-Kollmars in dieser Zeit äußerte Hugo Sieker: "In dem Netz, das in den ‚zwölf Jahren" immer feinmaschiger von eifrigen Mitläufern, Spitzeln und NS-Sektierern gesponnen wurde, erwies sich manchmal das offene Bekenntnis zu den gefährdeten alten Kulturgütern als sehr nützlich. Oftmals waren es Frauen, die den Mut zum freimütigen Bekenntnis aufbrachten - zu ihnen gehörte besonders Vilma Mönckeberg. Von ihr erhielten gelegentlich auch wir Artikel oder Briefe von einer Unverblümtheit, dass dem Redakteur der Atem stocken konnte." 2)
Vilma Mönckeberg-Kollmars Sohn wurde im Zweiten Weltkrieg als Soldat getötet. 1945 flüchtete sie nach Hamburg zurück. Ihren Besitz musste sie zurücklassen. Sie erhielt 1946 einen Lehrauftrag für Sprecherziehung an der Universität Hamburg, jedoch ohne Vergütung. Zwei Jahre später widmete sie all ihre Kraft dem Aufbau der Deutschen Sektion der W.O.M.A.N. (Weltorganisation der Mütter aller Nationen, Landesverband Hamburg e.V.), deren Bundesvorsitzende sie von 1948 bis 1958 war. Die W.O.M.A.N. hatte ihren Sitz in der ABC-Straße 46/47. Ihr Ziel war, alle Frauen und Mütter für den Friedensgedanken zu motivieren, um einen Dritten Weltkrieg verhindern zu helfen. Auch wollte die W.O.M.A.N. die Frauen zur größeren politischen und sozialen Mitverantwortung erziehen und die Begegnung mit Frauen und Müttern aller Länder unterstützen. Die W.O.M.A.N. initiierte den "Frauen-Dank" (Dank der Mütter für die Hilfstätigkeit des Auslandes) und an der Universität Hamburg den "Appell der Mütter an das Weltgewissen" mit vielen ausländischen Teilnehmerinnen zum Thema "Ehrfurcht vor dem Leben". Unter dem Motto "Frauen helfen Frauen" wurden amerikanische Patenschaften für Kinder deutscher Familien vermittelt, aus Schweden kamen in der unmittelbaren Nachkriegszeit die "begehrten" Hilfspakete.
Doch bereits einige Jahre nach ihrer Gründung war die W.O.M.A.N. starken Repressalien ausgesetzt. Im Zeichen des Kalten Krieges und des Antikommunismus" der 1950-er Jahre wurde die W.O.M.A.N. als kommunistisch unterwandert diffamiert.
Nach ihrem Rücktritt als Vorsitzende wurde Vilma Mönckeberg-Kollmar in den internationalen Mütterrat der W.O.M.A.N. gewählt und übernahm 1961 als Bundesvorsitzende erneut die Deutschlandzentrale der W.O.M.A.N. "Dann resignierte ich, denn ich mußte einsehen, daß die Mütter in der Welt durchaus nicht bereit waren, ihre Kräfte für eine friedliche Zukunft voll einzusetzen. Sie überließen wieder alles den Männern, und so kehrte ich reumütig von den Müttern der Welt zu den Märchen der Welt zurück."
Insgesamt dürfte sie in den folgenden Jahren in siebzehn Ländern Erwachsene und Kinder mit ihrer außergewöhnlichen Rezitationskunst für das Märchen fasziniert haben. Vilma Mönckeberg-Kollmar veröffentlichte mehrere Bücher, u. a. "Die Märchentruhe I und II"; "Der Klangleib der Dichtung" und "Kunst und Technik: Sprache und Technik". 1972 verlieh ihr der Hamburger Senat den Titel "Professor".
Text: Dr. Rita Bake
Zitate:
1) Vilma Mönckeberg-Kollmar: Das Märchen und unsere Zeit (Manuskript)
2) Hugo Sieker: Kulturarbeit im Widerstandsgeist, hrsg. von der Lichtwark-Stiftung zu Ehren des siebzigjährigen Hugo Sieker, Hamburg 1973.
Friedhof Groß Flottbek
Liselotte Lenz, geb. Lindau
© kulturkarte.de/schirmer
4.8.1918 Hamburg - 5.2.2006 Hamburg
Malerin und Zeichnerin
Grablage: Quartier AA, Reihe 15, Nummer 4, Gemeinschaftsgrab der Eheleute Siegfried und Liselotte Lenz
Ihre erste Begegnung umrankt eine paradiesische Legende: "Lilo", wie Liselotte Lenz von ihrem Mann und den Freunden genannt wurde, war für ihn nicht nur die Lebensgefährtin. Sie war zugleich seine unentbehrliche Ratgeberin und, im unmittelbaren Wortsinn, seine erste Leserin, denn sie diskutierte die Manuskripte mit ihm, und sie tippte seine mit der Hand geschriebenen Texte, "und zwar in eine Schreibmaschine, die aus den Beständen der untergegangenen deutschen Kriegsmarine stammte"1). "Das tat sie, die Hamburgerin
und Malerin, schon in den ersten Nachkriegsjahren als Redaktionssekretärin bei der WELT. Damals, 1948, begegnete ihr ein junger Volontär mit Namen Siegfried Lenz, dem es zeitbedingt nicht gut ging. Er hatte den Krieg als blutjunger Marinesoldat nur knapp überlebt, er hatte im Katastrophenwinter 1946/47 ein Gastspiel beim Nordwestdeutschen Rundfunk gegeben, und nun wollte er eine ordentliche journalistische Ausbildung in dieser Zeitung absolvieren. Aber, wie gesagt, es ging ihm nicht gut, und so fiel der Volontär Lenz eines Tages um. Die Redaktionssekretärin Lilo sorgte dafür, dass er auf eine Liege gebracht wurde, und gab ihm einen Apfel. So begann diese Partnerschaft, aus der im Jahr darauf eine Ehe wurde, die länger als ein halbes Jahrhundert gehalten hat" 2). In anderen Versionen sei Siegfried Lenz seiner Muse zuerst begegnet, habe dann sein Studium abgebrochen und sich bei der WELT um ein Volontariat bemüht.
Sie schrieb alle Manuskripte und Korrekturen ihres Mannes, des Nobelpreisträgers Siegfried Lenz, auf der manuellen Schreibmaschine eigenhändig ab: "Das - wie gewöhnlich und bis zum Schluss - handschriftliche Manuskript wird von Lilo Lenz mit mehreren Durchschlägen getippt" 3). Sie führte auch große Teile seiner (offiziellen) Korrespondenz. Somit liegt der unschätzbare Ertrag ihres Lebenswerkes, die Roman-Typoskripte - neben den von ihrem Gatten säuberlich und Papier-ökonomisch von Hand geschriebenen Heften als Vorlage - heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach (Bericht unter LINK: zeit.de/2017/21/siegfried-lenz-literaturarchiv-marbach: "Er benutzte liniertes Papier, das er ausfüllte, ohne auch nur den kleinsten Rand zu lassen").
So bescheiden das Ehepaar lebte, so ist nur spärlich Verstreutes zu finden von den Spuren der Frau, die 56 Ehejahre an der Seite von Siegfried Lenz gewiss auch mitverantwortlich war für seinen Erfolg, schriftstellerisch wie als Managerin. Über ihr Leben vor der Begegnung mit ihrem Gatten erfahren wir: "Liselotte Lenz hätte gern eine Kunstschule besucht, doch die Verhältnisse erlaubten es nicht, und so begann sie auf Geheiß des Vaters, der in Hamburg mit Tabakwaren handelte, eine kaufmännische Ausbildung. Nebenher hat sie stets gezeichnet und gemalt (...) und während Siegfried Lenz über die unauffälligen Dinge der Welt schrieb, hielt seine Frau mit dem Zeichenstift fest, was sie mit gesenktem Blick an Unscheinbarem am Strand und am Waldboden entdeckte: Vertrocknete Blätter, eine zerbrochene Flasche, Reste einer Fahrradkette, einen toten Vogel" 4). Und was die künstlerische Symbiose von "Philemon und Baucis" anbetrifft: Die Geschichte der von Liselotte Lenz gemalten Fundstücke, etwa die Reste einer Reuse, sind beispielsweise in den Roman "Arnes Nachlass" (1999) eingeflossen.
Charakteristisches über ihre Mentalität skizzierte eine Art sentimentaler Nachruf, in dem Dr. Reinhard Tschapke, Leiter der Kulturredaktion der Nordwestzeitung, unter dem harmlosen Titel "Kaffeeklatsch mit Siegfried Lenz" seine Begegnung mit dem Künstler-Ehepaar nachvollzog. Dort taucht auch das Motiv "Apfel" wieder auf. Die Episode erinnert an Lenz" berühmte Schilderung der "Jütländischen Kaffeetafel". Redakteur Reinhard Tschapke war im Begriff, "seinen alten Bekannten Siegfried Lenz in Hamburg nur zu einer Lesung nach Oldenburg" abzuholen: ""Wir müssen noch Kaffee trinken!" Lenz winkte mit der Pfeife ins Wohnzimmer. Seine Frau (...) lächelte herzlich. Widerspruch war zwecklos. Wenn einer der größten Dichter einlädt, einer, der in seinen Romanen und Erzählungen immer ein Herz für die Zarten, Freundlichen hatte, lehnt man nicht ab. Der Tisch bog sich unter gekauften Tortenstücken der größten Art. Eingeschenkt wurde dem Besucher, einem passionierten Teetrinker, der schwärzeste Kaffee, den es je gab.
Lenz und Frau qualmten ohne Unterlass. Schmeckt"s? Beide lächelten (...) Schwarzer Kaffee wurde in riesige Tassen nachgeschenkt. Wir waren extra beim Bäcker, sagte Liselotte Lenz, die eine wunderbare Zeichnerin und Künstlerin war und sich selbst in den Schatten immer zugunsten ihres Mannes zurücknahm. Es gibt einen Band, der Zeichnungen von ihr sammelt, und zu dem Lenz einen wunderbaren Text geschrieben hat.
Aber dieses Wissen half jetzt nicht im wunderschönen Altbau der Familie Lenz in Hamburg. Ein zweites Teil war fällig. Kuchen ohne Ende. Es versteht sich fast von selbst, dass Herr und Frau Lenz keinen Kuchen nahmen. Wir haben schon gegessen. Der ist extra für Sie gekauft! Wir haben extra für Sie Kuchen gekauft, betonte Frau Lenz noch einmal, wie man etwas so betont, das Folgen haben muss. Die Folge war ein weiteres, dickes großes Stück auf dem Teller. (...) Und der Kaffee wurde schwarz und schwärzer.
Die Szene löste sich absurderweise erst bei der Debatte um Regenwürmer auf. Da könnte man en passant den Aufbruch einleiten, noch einmal viel zu ausführlich durch den großen Garten gehen (ich schäle Ihnen schnell noch einen Apfel von unserem Baum - was dann gar nicht schnell war) und schließlich und endlich völlig befreit losfahren - um gleich um die Ecke in Othmarschen schon bei der Auffahrt auf die Autobahn in einen Megastau zu gelangen. Lenz lächelte, Frau Lenz saß ruhig da. Sie waren das liebste Ehepaar der Welt" 5).
Auf dem rückwärtigen Klappentext einer ihrer raren Veröffentlichungen "Waldboden" mit sechsunddreißig Farbstiftzeichnungen zum Text von Siegfried Lenz (Albrecht Knaus, Hamburg 1979) lesen wir: "Liselotte Lenz lebt in Hamburg. Sie ist seit 1949 mit Siegfried Lenz verheiratet. 1958 wurde sie auf der "Ausstellung Hamburger Laienkünstler" mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Soweit Familie und Arbeit es zulassen, pflegt sie ihr Hobby, Zeichnen und Malen". Das war Ende der 1970er Jahre.
Acht Jahre später, 1986 (im Jahr des 60. Geburtstags von S. Lenz) legte der Verlag Hoffmann & Campe nach mit einem größerformatigen Künstlerbuch "Kleines Strandgut": 48 Farbstiftzeichnungen von Liselotte Lenz, umrahmt mit Betrachtungen aus der Feder ihres Schriftstellergatten. Die Motive für diese Veröffentlichungen fanden die beiden auf ihren Feriensitzen, die sie zu Sommer-Aufenthalten nutzten, einem Bungalow in Tetenhusen zwischen Rendsburg und Schleswig sowie auf der Ostsee-Insel Als(en) im Süden Dänemarks. Der fehlende Text über die Künstlerin findet sich auf dem Internetportal des Hoffmann & Campe Verlages unter einem Porträt-Ausschnitt der älteren Dame: "Liselotte Lenz war Malerin und Illustratorin und mehr als ein halbes Jahrhundert mit Siegfried Lenz verheiratet. Sie war seine Ratgeberin und erste Leserin. Ihre Zeichnungen entstanden bei gemeinsamen Aufenthalten in ihrem Strandhaus am Meer. Liselotte Lenz starb 2006 in Hamburg. (hoffmann-und-campe.de/autoren-info/liselotte-lenz)
Nach zwei Schlaganfällen verstarb Liselotte Lenz 2014. Sie hinterließ viele Zeichnungen, ein Großteil dieses Oevres ist im Besitz der Siegfried-Lenz-Stiftung 6). Die bescheidene schöne Grabstätte des Ehepaares Liselotte und Siegfried Lenz liegt nicht etwa auf dem Friedhof Nienstedten, sondern auf dem volkstümlicheren Friedhof Groß Flottbek. Ihr Name Lilo Lenz ist auf dem glatt polierten, unbehauenen herzförmigen Granit mit Geburts- und Sterbejahr über dem Namen ihres Mannes eingraviert.
Text: Dr. Cornelia Göksu
Quellen:
1) Michael Jürgs: Hausbesuch bei einem zeitlosen Erzähler. Zum Tod von Siegfried Lenz. In: Cicero,. Magazin für politische Kultur, Berlin, 8.10. 2014 = Jürgs 2014; Online-Version unter LINK: cicero.de/kultur/tod-von-schriftsteller-meine-erinnerung-siegfried-lenz/58322
2) Zitat aus: "Liselotte Lenz stirbt im Alter von 87 Jahren". Nachruf in DIE WELT unter Autorenkürzel U.B., v. 11.2.2006, online unter LINK: cicero.de/kultur/tod-von-schriftsteller-meine-erinnerung-siegfried-lenz/58322; abgerufen 30.11.2017 CG
3) Berg 2016, S. 342
4) Erich Maletzke: Siegfried Lenz. Eine autobiographische Annäherung. Springe 2006; kleinen Text-Ausschnitt gefunden online unter books.google.de, nach Eingabe Stichwort "1958 Ausstellung Hamburger Laienkünstler" in der Volltextsuche, November 2017 CG.
5) Reinhard Tschapke: Nachruf. Auf einen Kaffeeklatsch mit Siegfried Lenz. In: Nordwest Zeitung, 8.10.2014, online unter LINK: nwzonline.de/kultur/auf-einen-kaffeeklatsch-mit-siegfried-lenz_a_19,0,1409489692
6) Freundliche tel. Info durch Frau Katharina Muders, Büro Siegfried Lenz, Mittelweg 117, 22./23.3.2017, die auch Geburtsdaten und Geburtsnamen mitteilte, an CG.).

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Dr. Erika Mühlbauer, geb. Schneider
23.2.1937 Frankfurt a. M. - 22.5.2017 Hamburg
Langjährige Vorsitzende des Vorstands des Sozialdienstes katholischer Frauen Hamburg-Altona
Grablage: LM-4A
Erika Mühlbauer wurde als drittes von vier Kindern des Ehepaares Elisabeth und Dr. Carl Schneider geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Graz Staatswissenschaften und promovierte zum Dr. rer pol. Beruflich arbeitete sie dann in einer Sanitärtechnikfirma.
1961 heiratete sie den Diplom-Kaufmann Ernst Mühlbauer und lebte seitdem in Hamburg. 1962 wurde das erste, 1963 das zweite und 1964 das dritte Kind geboren. In dieser Zeit arbeitete Erika Mühlbauer von 1963 bis 1968 in der neu gegründeten Firma DMG und EMKA ihres Mannes in Teilzeit mit.
Später widmete sie sich der Erziehung der Kinder und hielt ihrem Mann den "Rücken frei".
1980 wurde Erika Mühlbauer Mitglied im Verein "Sozialdienst katholischer Frauen Hamburg-Altona" (SkF Hamburg-Altona). Zu ihrer Motivation, sich in diesem Bereich zu engagieren, sagt ihre Tochter Petra: " Meine Mutter wollte mit ihrer Mitgliedschaft im SkF, Menschen Gutes tun, die in unserer Gesellschaft mehr Hilfe und Unterstützung benötigen als staatliche Stellen alleine leisten können. Sie selber war sich der Tatsache bewusst, dass es ihr und der Familie durch glückliche Umstände und viel Fleiß meines Vaters gesundheitlich und materiell nach den ersten mühevollen Jahren immer gut ging. Auf diesem Weg konnte sie etwas "zurückgeben".
Katholisch sozialisiert, brachte sich meine Mutter gerne mit ihren Fähigkeiten bei SkF ein, knüpfte zahlreiche neue Kontakte und freute sich, mit kleinen aber beständigen Schritten die Projekte voranzubringen."
Der Sozialdienst katholischer Frauen ist, so die Selbstdarstellung des Verbandes: "ein Frauen- und Fachverband der sozialen Arbeit in der Caritas, wurde 1899 von Agnes Neuhaus in Dortmund als ‚Verein zum guten Hirten" gegründet. Agnes Neuhaus war geprägt von ihrem starken sozialen Engagement. Sie war Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und Reichstagsabgeordnete.
Ihre heute noch aktuelle Gründungsidee war, dass es Not- und Konfliktsituationen gibt, die Frauen in besonderer Weise erleben und in denen Frauen anderen Frauen, Kindern und Familien wirksam helfen können.
Der SkF arbeitet auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes. Er setzt sich, unabhängig von Nationalität und Konfession, für sozial benachteiligte Menschen ein." 1)
Der Ortsverein des Verbandes in Hamburg-Altona, in dem Erika Mühlbauer aktiv war, bietet u. a. neben Beratung für Frauen, Familien und Schwangere, Hilfe bei Wohnungslosigkeit und einen Wohngruppenbereich für junge Mädchen und Frauen im Alter von 16 bis 27 Jahren nach einer psychischen Erkrankung an. Er wendet sich politisch zum Beispiel gegen Frauenarmut und Frauenwohnungsnot sowie gegen Gewalt gegen Frauen.
Der Sozialdienst katholischer Frauen Hamburg-Altona hatte sich 1924 in Altona gegründet und damals das "Marienheim" eröffnet. "(1994 umbenannt in ‚Wohnhaus für Frauen"). Betreuung lediger Mütter und ihrer Kinder durch Ordensschwestern und Ehrenamtliche." 1959 folgte die "Einrichtung der Sozialen Beratungsstelle, heute Beratungsstelle für Frauen, Familien und Schwangere in der Schomburgstraße. 1986, als Erika Mühlbauer bereits Mitglied des Vereins war, wurde die "Beratungsstelle für wohnungslose Frauen und Männer in Kooperation mit Herz As Hamburg" gegründet. 1996 begann der Verein mit der "Ambulanten und Flexiblen
Betreuung" für Frauen in schwierigen Lebenssituationen. 2002 eröffnete die "Kleiderkiste", bei der es kostenlose Kleidung gibt und 2014, zwei Jahre vor Erika Mühlbauer Tod, wurde die Erweiterung des Wohnhauses für Frauen eröffnet, das seitdem JOHANNA heißt und seit 2014 auch Mädchen ab 16 Jahren aufnimmt. 2) Diese Einrichtung unterstützt junge Frauen ab 16 Jahren sowie Mütter und ihre Kinder mit einer psychischen Erkrankung oder Belastung durch unterschiedliche Angebote.
Erika Mühlbauer hatte 22 Jahre von 1984 bis 2006 den Vorsitz des Vorstandes dieses Vereins. Außerdem war sie von 1995 bis 1999 Vorsitzende der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der SkF-Ortsvereine im Erzbistum Hamburg und solange sie Vorsitzende des SkF Hamburg-Altona war, auch geschäftsführende Ansprechpartnerin im Vorstand für die jetzige Einrichtung "JOHANNA - psychosoziale Unterstützung für Frauen und Kinder". Als Mitglied des Zentralvorstandes des SkF Gesamtvereins wirkte sie von 1993 bis 2001 über die Bistumsgrenzen hinaus. So knüpfte sie in dieser Zeit für das Projekt Auslandsadoptionen Kontakte in Bolivien. Als Zentralvorstandsmitglied führte Erika Mühlbauer 1994 eine SkF-Delegation nach Bolivien an. Diese Reise hatte das Ziel, die Auslandsadoptionsarbeit des SkF weiter zu etablieren, indem sich der Verband dort durch persönliche Begegnungen und Veranstaltungen bekannt machte. Die verbandliche Arbeit und insbesondere die fachliche Arbeit im Bereich der Auslandsadoption wurden über Gespräche mit zuständigen Behörden, Fachveranstaltungen mit Fachkräften, Besuchen von Heimen sowie Hilfsprojekten und insbesondere in Gesprächen mit Vertretern und Vertreterinnen der Kirche wie der Caritas präsentiert.
Erika Mühlbauer war in der gesamten Zeit ihrer Tätigkeit im Zentralvorstand für den Fachbereich Auslandsadoption eine wichtige Ansprechpartnerin.
Sie erhielt für ihr langjähriges Engagement die höchste Auszeichnung des SkFs: die goldene Ehrennadel. Darüber hinaus wurde ihr 2004 die Ansgar-Medaille des Erzsbistums Hamburg verliehen.
Quellen:
1) http://www.skf-altona.de/index.php/geschichte
2) Ebenda und siehe auch: http://www.psag-hamburg.de/unsere_mitglieder/details/johanna_psychosoziale_ unterst%C3%BCtzung_f%C3%BCr_frauen_und_kinder_-des_skf_e.v._hh-altona.html
Ursula Randt, geb. Klebe
© kulturkarte.de/schirmer
25.5.1929 Hamburg - 20.5.2007 Hamburg
Sprachheilpädagogin, Autorin z. B. des Buches über die Schulgeschichte der Israelitischen Töchterschule Karolinestraße 35, Erforscherin der jüdischen Schulgeschichte und der Schicksale der Schülerinnen, hatte großen Anteil an der Entstehung und Gestaltung der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule Karlonenstraße 35
Grablage: LQ Reihe 1, Nr. 13
Ursula Randt war eine Tochter des jüdischen Arztes Egon Klebe und dessen nichtjüdischer Frau Johanna. "Von 1935 bis 1939 besuchte sie eine Volksschule am Voßberg, ab 1940 die Heilwig-Oberschule für Mädchen. Randt, deren Vater 1939 ohne die Familie in die USA emigrieren musste, [die Familie konnte aus finanziellen Gründen nicht mitkommen] galt während der Zeit des
Nationalsozialismus als "Jüdischer Mischling""1), so heißt es in dem Wikipedia Eintrag zu Ursula Randt. Aus gesundheitlichen Gründen war sie von 1939 bis 1940 vom Schulbesuch freigestellt. Danach besuchte sie von 1940 bis 1944 die Heilwig Oberschule für Mädchen, wurde aber 1944 vom Unterricht ausgeschlossen und durfte erst nach der Befreiung vom Nationalsozialismus wieder den Schulunterricht besuchen. 1949 machte sie an der Heilwig Oberschule ihr Abitur.
Zwischen 1950 und 1952 studierte sie an der Universität Hamburg auf Lehramt, welches sie 1953 mit dem Ersten Staatsexamen abschloss und Referendarin an der Schule am Vossberg wurde. In selben Jahr heiratete sie und bekam ein Jahr später einen Sohn. 1957 absolvierte sie ihr Zweites Staatsexamen. 1958 wurde sie verbeamtet und ging zwei Jahre später in "Familienzeit". In dieser Zeit wurde 1963 ihr zweiter Sohn geboren. 1969 war es dann soweit, dass Ursula Randt wieder in den Beruf einsteigen wollte. Damals suchte die Stadt Hamburg dringend Logopäden, deshalb wurden Studierende dieser Studiengänge auch von der Stadt Hamburg unterstützt. Ursula Randt begann nun wieder an der Hamburger Universität zu studieren und zwar Sprachheilpädagogik und Hörgeschädigtenpädagogik für das Lehramt an Sonderschulen. Nach dem Abschluss dieses Studiums im Jahre 1971 arbeitete sie als Sprachheilpädagogin an der Sprachheilschule in der Karolinenstraße 35.
"Im November 1977 wurde sie bei einem Schulfest in der Schule Carolinenstraße durch eine ehemalige Schülerin darauf aufmerksam gemacht, dass es sich hier um eine ehemals jüdische Mädchenschule handelte. Die Trauer der Gesprächspartnerin darüber, dass auf die Vergangenheit der Schule nirgends hingewiesen wurde, wurde zum Ausgangspunkt für Ursula Randts Forschungsarbeiten zu jüdischen Schulen in Hamburg. 1984 wurde ihr erstes Buch "Carolinenstraße 35" vom Verein für Hamburgische Geschichte veröffentlicht. Im Mai 1989 eröffnete die "Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule" mit der Ausstellung "Ehemals in Hamburg zu Hause. Jüdisches Leben am Grindel im Gebäude Carolinenstr. 35". 1989 verlieh der Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg Ursula Randt die Ehrendoktorwürde." 2)
1994 trat Ursula Randt in den "Ruhestand" und forschte weiter zu den Schicksalen von ehemaligen jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern Hamburgs sowie zur jüdischen Schulgeschichte.
"Da sie über weltweite Kontakte zu ehemaligen Hamburgern verfügte und wichtige historische Materialien sammelte, wurde sie von vielen Forschern konsultiert. Sie entwickelte sich zu einer Vertrauensperson für Personen, die aus der Hansestadt vertrieben worden waren." 3)
Ursula Randt, die zahlreiche Publikationen und Aufsätze verfasste, wurde wenige Tage vor ihrem Tod durch den Verein für Hamburgische Geschichte mit der Lappenberg-Medaille ausgezeichnet.
Quellen:
1) Wikipedia: Ursula Randt, aberufen 7.1.2018.
2) http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/UrsulaRandt/UrsulaRandt_Biographie.pdf
3) Wikipedia: Ursula Randt, aberufen 7.1.2018.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Karin_Stilke
Karin Stilke, geb. Lahl
1.3.1914 Bremen - 2.5.2013 Hamburg
Deutschlands erstes Fotomodell; Stifterin
Grablage: GW-12
"Lernt erst mal was Anständiges, macht einen Schulabschluss. Modeln ist ein Spaß, das sollte man so nebenbei machen. Euren Beruf könnt Ihr erst an den Nagel hängen, wenn ihr soviel verdient wie die Schiffer", riet sie Anfängerinnen im Modeljob. Karin Stilke war früher einmal in Deutschland das, was sich heute Topmodel nennt - als an Magersucht- und High-Heel-Zirkus aber noch nicht zu denken war. "Man zog sich an, trug noch etwas Lippenstift auf und machte viele Bilder. Vormittags Dolmetscherschule, nachmittags drei bis vier Kleider - fertig". So lakonisch beschrieb die 97-Jährige in einem Interview rückblickend ihren Tagesablauf.
In den 1930/40er und 1950er Jahren wurde sie zur Stilikone. Statuarisch posierte sie in strengen grauen Kostümen, präsentierte "Straßenanzüge" mit dreiviertellangen (Hosen-)Röcken aus englischem Tuch mit tiefen Kellerfalten, im Jackett mit raffiniertem Pelzbesatz, darunter Schalkragenbluse aus Seidenbrokat. In den frühen fünfziger Jahren strahlte sie der jungen Bundesrepublik von Litfaßsäulen entgegen und warb in Badeeinteilern für die "schlanke Linie", wurde mit Hamburger Kosmetikmarken und amerikanischen Zigarettensorten zum stilbildenden Frauentyp der Nachkriegsära.
Entdeckt wurde die Schülerin 1936 in Berlin: "Ich spazierte auf dem Kurfürstendamm, als mich die Fotografin Yva ansprach und fragte, ob sie Aufnahmen von mir machen könne", erzählte sie in einem Interview. "Zwei Tage später wurden die Fotos gemacht, das
Geld gab es hinterher gleich auf die Hand ... Ich schminkte mich selbst, wobei es damals nur Theaterschminke und Nivea gab". (Mode und Fotografie fanden sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts; der bürgerliche Name der Mode- und Aktfotografin Yva lautete Else Ernestine Neuländer-Simon, 1990 Berlin - 1942 Vernichtungslager Sobibor. Helmut Neutädter, später als Helmut Newton weltberühmt, begann 1936 in ihrem Atelier seine Fotografenlehre). 1937 folgten Karins erste Bademoden-Shootings, "danach stand mein Telefon nicht mehr still". Ihre Bilder zierten die Titel und Modestrecken in den stilbildenden Modeblättern wie "Elegante Welt" oder "Die Dame" aus dem Ullstein Verlag. Der Zeitschrift "Film und Frau" verlieh sie in den 1950er Jahren ihr Gepräge zwischen Etuikleid, Wasserfall-Robe und Trenchlook.
In scherenschnittartiger Körpersilhouette und natürlich-anmutigem Mienenspiel eine inszenierte Geschichte zur sprechenden Momentaufnahme zu machen: Das wurde ihre Spezialität! Mit ihren Bildern lässt Karin Stilke uns eintauchen in versunkene Modeepochen und Layout-Stile: Puristisch, naturalistisch, à l"oriental, die Kulissen als Zitate von Kunstgeschichte bis film noir; isolierte Szenen aus Modesport und Zeitgeschehen, gefroren zu abstraktem Kammerspiel und nature morte - perfekt komponiert in der unendlichen Dramaturgie von Schwarz-Weiss.
Ganz anders die Welt der gedruckten Anzeigen-Kampagnen: Sie bewarb, ja verkörperte Kosmetik wie Kaloderma, Stora - Sonnenschutz ohne Fett und Öl oder elegante Damenblusen von JORA; verhalf per Exklusivvertrag der Synthetikfaser "Ninoflex" zur Alltagspopularität. Nach ihrer Entdeckerin Yva machten so berühmte FotokünsterlerInnen wie Imre v. Santho, Sonja Georgi, Ilse Flöter, Elisabeth von Stengel, Martin Munkàcsi (für Harper"s Bazaar), Charlotte Rohrbach (bewarb mit ihr den Karman Ghia von VW) oder der Hamburger Modefotograf und Sammler F.C. Gundlach sie zu einer Marke.
1938 lernte das schon berühmte Mannequin ihren Gatten, den Buchhändler Georg Stilke, auf einer Party in Berlin kennen. Stilkes Großvater hatte die glänzende Idee gehabt, in Bahnhöfen Buchhandlungen einzurichten. An seiner Seite erlebte sie zwischen 1941 bis 1978 die mondäne Welt. Aus der Berliner Intellektuellenszene war sie mit Künstlern wie Erich Kästner, Josef von Sternberg oder Vladimir Nabokov vertraut. In Venedig kochte und posierte Marlene Dietrich mit ihr. Erich Maria Remarque war ein langjähriger Weggefährte. Als prominente Gattin eines ebenso gesellschaftsbekannten "Vierteljuden" in Berlin erinnert sich Karin Stilke: "Das Dritte Reich war eine fürchterliche Zeit. Man wusste nie, wem man vertrauen kann, was die Nazis sich als nächstes ausdenken. Ich hatte zuvor Leni Riefenstahl kennengelernt und an ihr gesehen, wie schwer es ist, wieder rauszukommen, wenn man den Nazi-Größen einmal nahe ist". (SZ v. 15.9.2008).
Anfang der 1950er Jahre ließ sich das Ehepaar Stilke in Hamburg nieder. 1991 gründete Karin Stilke die "Georg und Karin Stilke Stiftung für Kunst und Senioren", aus deren Mitteln auch das historische Schloss Ringelsdorf, bei Genthien/Magdeburg (aus dem Besitz der Familie Stilke) in der damaligen DDR erhalten wurde. Mit diesem "Märchenschloss" verbanden sie schicksalhafte Erinnerungen. Das von Architekt Christian Pütz entworfene Stilke Haus in der Heimhuder Straße 92 beherbergt die Diakonie- und Sozialstation der Kirchengemeinde St. Johannes.
Im Mai 2013 verstarb die mittlerweile erblindete Karin Stilke mit 99 Jahren. 100 duftende Rosen schickte Karl Lagerfeld als langjähriger Bewunderer der Grande Dame als letzten Gruß.
Eine bildschöne ausführliche Autobiografie im Plauderton hatte sie für ihre 2008/2009 im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe gezeigte Retrospektive verfasst. Getreu dem Titel "Ich bin ein Sonntagskind" steht ihr Werdegang exemplarisch für ein Jahrhundert und die Anfänge ihres Berufes.
Text: Dr. Cornelia Göksu
Hauptsächlich benutzte Quellen:
- Karin Stilke. Fotomodell. Katalog zur Retrospektive Hamburg. Hamburg 2007.
- Silke Lode: Lernt erst mal was Anständiges. In: Süddeutsche Zeitung vom 18.9.2008 = sueddeutsche.de vom 17. Mai 2010
Prof Dr. Hedwig Wallis, geb. von Häfen
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Photo: Parlamentarischer Informationsdienst der Hamburgischen Bürgerschaft
20.5.1921 Hamburg - 21.10. 1997
Kinderärztin, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (CDU) von 1970 bis 1974
Grablage: LC 3
1941 begann Hedwig Wallis in Hamburg mit ihrem Medizinstudium. Über ihre Ersteinschreibung im Januar 1941 äußerte sie: "Wir standen in Schlagen (…), vor der Quästur. Bevor wir den Schalter erreichten, wurden wir zwangsweise an einigen Tischen vorbeigelenkt. Am ersten musste man nachweisen, welchen Gliederungen der NSDAP man angehörte. Am zweiten wurde uns ein Eintrittsgesuch in den Nationalsozialistischen Studentenbund unter die Nase gehalten: ‚Ohne Beitritt keine Einschreibung", hieß es. Am dritten Tisch wurde man in gleicher Weise gezwungen, eine nazistische Studentenzeitschrift zu abonnieren. (…) Erst dann durfte man sich einschreiben. Ob diese Verfahren in irgendeiner Weise rechtens waren, (…) fragten wir nicht. Zu viele Leute in den typischen Ledermänteln der geheimen Staatspolizei standen in der Vorhalle herum, als daß man sich zu widersetzen wagte. Ich bin allerdings mit Hilfe konsequenter Lügerei und Bummelei über den erzwungenen Anwärterstatus im Studentenbund nicht hinausgekommen." 1) Im dritten Semester heiratete sie einen Kommilitonen und bekam eine Tochter. Zwei Jahre später, 1944, ließ sie sich scheiden und "beendete ihr Studium als alleinerziehende Mutter und legte 1946 das Staatsexamen ab". 2)
Nach ihrem Medizinstudium, der Fachausbildung in Psychiatrie und der anschließenden Fachausbildung in Kinderheilkunde wurde Dr. Hedwig Wallis an der Universitäts- Kinder- und Poliklinik Hamburg Eppendorf tätig. 1959 habilitierte sie sich (als zweite Frau in der Medizinischen Fakultät) und wurde 1965 zum apl. Professor ernannt. Sie arbeitete nun als Abteilungsdirektorin und Professorin an der Universität Hamburg.
Hedwig Wallis unterstützte auch Eltern mit autistischen Kindern. So gewann Anfang der 1970er Jahre die Selbsthilfeinitiative betroffener Eltern - später wurde daraus der Autismus Landesverband Hamburg e.V. - Hedwig Wallis, die damals Leiterin der psychosomatischen Abteilung der Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf war, als Unterstützerin und Beraterin. Sie stellte der Elterngruppe für ihre Treffen einen kleinen Hörsaal zur Verfügung.
1987 wurde Hedwig Wallis pensioniert.
Zu Ihrem 65. Geburtstag schrieb Manfred Müller-Küppers: "(…)Ihre Mitarbeit in den verschiedensten wissenschaftlichen und berufspolitischen Gremien hat Maßstäbe gesetzt und ist unvergessen. Mit der Ihnen eigenen - als Hamburger wage ich zu sagen norddeutschen Unbekümmertheit - haben Sie Tabus
unterlaufen, heiße Eisen angepackt und auch gewagt, sich unbeliebt zu machen,
wie man dies nicht von allen ‚gestandenen Mannsbildern" sagen kann.
Es gibt aber auch noch eine andere Seite der Hedwig Wallis, die in den letzten
Jahren persönliches Leid erfahren mußte: Sie haben Ihre Tochter verloren und
damit Ihre Enkel ihre Mutter. (…)
Sie haben sich um die Entwicklung der deutschen Kinder- und Jugendpsychiatrie
verdient gemacht und dafür sei Ihnen (…) ausdrücklich gedankt (…)." 3)
"Ihr zu Ehren gab der Freundes- und Förderkreis des UKE e. V. einem jährlich zu vergebenden Stipendium den Namen Hedwig Wallis-Promotionspreis für Psychosoziale Medizin. Der Preis wurde erstmals im Jahr 2008 ausgelobt und wird an Studenten und junge Ärzte für die beste Dissertation des Jahres vergeben." 4)
Neben ihrer Erwerbsarbeit betätigte sich Hedwig Wallis auch parteipolitisch. Von 1970 bis 1974 war sie CDU-Bürgerschaftsabgeordnete.
Sie wohnte in der Parkstraße 22.
Text: Dr. Rita Bake
Quellen:
1) Petra Umlauf: Die Studentinnen an der Universität München 1926 bis 1945. München 2015.
2) Doris Fischer-Radizi: Gruppenbild mit Ärztin, In: http://www.aerztekammer-hamburg.org/funktionen/aebonline/haeb_08_2014/page39.html
3) http://psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/1784/1/ 35.19864_6_31644.pdf_new.pdf
4) Wikipedia: Hedwig Wallis (abgerufen: 21.7.2017)