DER HISTORISCHE WASSERTURM:

EIN POINT DE VUE ZUM EINGANG DES GARTENS DER FRAUEN
Zur Geschichte des Wasserturms
Als die Witwe Cornelia v. B. 1899 für die gärtnerisch kunstvoll gestaltete Grabstätte ihres verstorbenen Mannes Wasser brauchte, hatte sie wie viele andere Grabbesitzerinnen und -besitzer keine Vorstellungen davon, welch technischer Aufwand hierfür notwendig war: Vom Nordteich des Friedhofs Ohlsdorf und von den friedhofseigenen Brunnen wurde das Wasser über ein weitverzweigtes Rohrnetz mittels Wind-, Gas-, Petroleum- und Benzinmotoren in ein 100 m³ großes Niederdruckbassin gepumpt, das sich in diesem Wasserturm befand. Das Bassin speiste einen 12 m³ fassenden Hochdruckspeicher, der die Wasserzapfstellen und die Schöpfbrunnen auf dem Friedhofsgelände mit Trinkwasser versorgte - so auch den Schöpfbrunnen in der Nähe der Grabstätte des Herrn v. B., dessen Witwe Cornelia für die Vollendung ihrer gärtnerischen Bemühungen das Wasser so sehr brauchte.
  • 1898 hatte der Friedhofsdirektor und Architekt Wilhelm Cordes (1840-1917) den Wassertum am Ende der Hauptallee - die heute Cordesallee heißt - errichten lassen.
  • Der 34 Meter hohe Wasserturm wurde im neugotischen Stil erbaut.
  • Er wurde auch als "point de vue" - als Aussichtsturm - genutzt.
  • Außerdem diente er als Grenzmarkierung für den alten, von Wilhelm Cordes angelegten Friedhofsteil.
  • Und er ist nach wie vor ein Orientierungspunkt auf diesem größten Friedhof der Welt.
  • 1919 verlor der Wasserturm seine Funktion als Wasserspeicher, weil der Friedhof an das städtische Wasserversorgungsnetz angeschlossen wurde.
  • Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Wasserturm zu einem Luftschutzraum ausgebaut.
  • 1941 stürzte als Folge des mittlerweile morschen Gebälks die Wetterfahne herab. Daraufhin wurde der obere Teil des Turmes abgetragen und mit einem provisorischen Dach versehen. Der Luftschutzraum im Erdgeschoss blieb erhalten.
  • Bis 1989 stand der Wasserturm als Ruine, in dem sich Greifvögel, Fledermäuse und Eulen einnisteten.
  • Von 1989 bis 1992 wurde der Wasserturm nach Originalplänen von Wilhelm Cordes in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der "Arbeit und Lernen Hamburg GmbH" restauriert.
Der Wasserturm: Point de vue zum Garten der Frauen
  • Seit Juli 2001 liegt der Garten der Frauen in der Nähe des Wasserturms.
  • Deshalb wird seit April 2003 der Wasserturm wieder als point de vue - auch zum Garten der Frauen genutzt.
  • Der Verein "Garten der Frauen e.V." öffnet den Turm in den Sommermonaten von Mai bis September, an Sonntagen von 14.00 - 17.00 Uhr und zeigt wechselnde Ausstellungen von Frauen, deren Grabsteine im Garten der Frauen aufgestellt sind. Außerdem gibt es eine Info-Tafel der besonderen Art. Sie können an dieser Tafel Platz nehmen, sich informieren und Mitgliedsfrauen treffen, die Ausstellung ansehen, den Turm besteigen und die herrliche Aussicht genießen. Wer noch mehr wissen möchte, ist eingeladen, an den sonntäglichen Führungen durch den Garten der Frauen teilzunehmen.

Wasserturm-Broschüre 2016 zum Download.