Niendorfer Friedhof

© kulturkarte.de/schirmer

Photo: Parlamentarischer Informationsdienst der Hamburgischen Bürgerschaft
Friedrike (Friedel) Büscher, geb. Bade
geb. 13.3.1913 Hamburg, gest. 27.1.2004
Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
Grablage: Abt. 6, Teihe 54, Nr. 5, Alter Friedhof
Bis zu ihrer Heirat im Jahre 1939 mit dem Sozialdemokraten und Maurer Karl Büscher war Friedel Büscher Bilanzbuchhalterin, dann Hausfrau. Ab 1925 aktiv bei den "Kinderfreunden". 1927 Eintritt in die "Sozialistische Arbeiterjugend" (SAJ), 1931 Mitglied der SPD bis zu ihrem Verbot.
Als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, wurde Friedel Büschers damals noch Freund Karl als "staatspolitisch unzuverlässig" eingestuft. Dies bedeutete für ihn, dass er vielfach arbeitslos wurde. Seine zukünftigen Schwiegereltern - auch Mitglieder der SPD - nahmen in in ihrem Haus in Niendorf auf.
Ein Jahr nach der Hochzeit wurde Karl Büscher 1933 im Alter von 33 Jahren zur Wehrmacht eingezogen. 1943 wurde er verwundet. Während dieser Zeit bekam er zweimal Urlaub: Das erste Mal, als sein Bruder Hans als Soldat getötet wurde und gleichzeitig die Tochter von Karl und Friedel Büscher geboren wurde. Das zweite Mal, nach dem Bombenangriff auf Hamburg im Juli 1943.
Nach der Zeit des Nationalsozialismus trat Friedel Büscher 1945 wieder der SPD bei..Im selben Jahr wurde sie Mitbegründerin der SPD in Hamburg-Niendorf. Ihr Mann Karl bekam eine Anstellung im Arbeitsamt (Abteilung Bau) in der Kieler Straße und wurde in der Gewerkschaft Fachgruppenobmann der Maurer Hamburgs, außerdem saß er im Verwaltungsrat der IG Bau-Steine-Erden. Darüber hinaus war Karl Büscher von 1948 bis 1970 Distriktvorsitzender der SPD Niendorf.
Friedel Büscher war von 1949 bis 1970 Mitglied der Bezirksversammlung Hamburg-Eimsbüttel, außerdem Mitglied im Ortsauschuss Hamburg-Lokstedt - von seiner Gründung bis zum Jahre 1966. Weiterhin agierte sie im Landesfrauenausschuss und im Elternrat.
Kommunalpolitisch setzte sie sich ein für die Kleingärtner, die der Flughafenerweiterung weichen mussten, und für den Schulbau.
Als 1966 Hamburg-Niendorfs Einwohnerinnen- und Einwohnerzahl das Limit erreicht hatte, um eine(n) Bürgerschaftsabgeordnete(n) zu stellen, zog sie als erste Niendorferin ins Parlament. Friedel Büscher war von 1966 bis 1978 Bürgerschaftsmitglied. Sie legte im Alter von 55 Jahren ihr Mandat nieder, um ihr Enkelkind zu betreuen: "Wer für die Emanzipation der Frau streitet, muss auch etwas dafür tun". Ihre Tochter eröffnete in dieser Zeit eine Facharztpraxis.
Frau Büschers Arbeitsschwerpunkte während ihrer Abgeordnetenzeit waren: Mitglied der Bodenordnungskommission, stellvertretende Vorsitzende im Bauausschuss, Mitglied des Haushaltsausschusses der Finanzbehörde und des Rechungshofes.
Zu ihren Erfolgserlebnissen zählte sie ihr gutes Ansehen in der Fraktion. Es gelang ihr, sich Gehör zu verschaffen, und dadurch vielen Menschen helfen zu können. Sie hätte es gern erreicht, dass die Häuser in der Hafenstraße zu Anfang der einsetzenden Auseinandersetzungen abgerissen worden wären -"das hätte viel erspart", sagte sie.
Ihre 34 Jahre aktive Kommunalpolitik - davon zwölf Jahre Bürgerschaftsarbeit - konnte sie mit ihrem Privatleben gut vereinbaren, da sie von ihrem Mann und ihrer Mutter unterstützt wurde. Nach ihrer Abgeordnetenzeit war sie Deputierte der Baubehörde, später Mitglied im Bezirkssenioren- und Landesseniorenbeirat und im Alter von 81 Jahren noch in einer Frauengruppe aktiv. 1979 erhielt sie das Verdienstkreuz am Bande. Sie hatte lange gezögert, diesen Orden entgegenzunehmen: "Hamburger und Hamburgerinnen schmücken sich nicht mit Orden". Aber ihrer Tochter zuliebe und für das Enkelkind nahm sie die Ehrung an.
Text: Dr. Rita Bake
Louise Besser
© kulturkarte.de/schirmer
(12.4.1889 -6.9.1982 Hamburg)
Leiterin des Fröbelseminars
Bundesstraße Nr.41: Ehemals hier das Fröbel-Seminar. Ausbildung junger Kindergärtnerinnen und Sozialpädagoginnen. (Inschrift noch vorhanden) (Wirkungsstätte)
Osterstraße 13 (Wohnadresse von Louise Besser)
Grablage: Alter Friedhof Niendorf, Abt. V, Reihe 48, Stelle 18
1947 war Louise Besser nach Hamburg gekommen und übernahm dort den Posten einer Studienleiterin für junge Abiturientinnen am Fröbel-Seminar in der Bundesstraße. Das Seminar bildete nach der Fröbel-Methode Kindergärtnerinnen aus.1948 wurde sie dann Direktorin des Fröbel-Seminars und war dies bis 1954.
Ebenfalls 1948 gründete sie, die in Göttingen mit anderen Männern den 1938 aufgelösten Fröbelverband unter dem neuen Namen "Pestalozzi-Fröbel-Verband" neugegründet hatte, mit weiteren Frauen in Hamburg eine Zweigstelle des Fachverbandes. 10 Jahre war Louise Besser Vorsitzende des Pestalozzi-Fröbel-Verbandes. 1954 wurde sie Vorsitzende des neugegründeten Vereins "Aktion Kinderparadies" zur Errichtung und Förderung von Kinderspielplätzen. Außerdem war sie ehrenamtlich noch im Verein Nachbarschaftsheim St. Pauli tätig, wirkte in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit und auch in der Erziehungsberatung. 1954 trat sie als Direktorin des Hamburger Fröbelseminars in den Ruhestand. Louise Besser lebte mit ihrer Freundin, der Ärztin Dr. Erika Schädrich zusammen. Sie wohnten in der Osterstraße 13. 1959, im Alter von 70 Jahren erhielt Louise Besser das Große Bundesverdienstkreuz.
Text: Rita Bake

© kulturkarte.de/schirmer
Alma de L'Aigle
18.2.1889 Hamburg - 14.3.1959
Schriftstellerin, Reformpädagogin, Rosenspezialistin
Appener Weg 3 (Wohnadresse; Teil des Gartens öffentlich zugänglich)
Grablage: Alter Niendorfer Friedhof in Abteilung VI, Reihe 19, Lage 10
Alma de I'Aigle wurde 1889, hundert Jahre nach der französischen Revolution, vor der ihre hugenottischen Vorfahren ins damals dänische Schleswig Holstein geflohen waren, als älteste Tochter des Juristen und Staatsaktoir Alexander und seiner Frau Christine, geb. Wokters in Hamburg geboren. Dass der Vater sich aufgrund einer Justizreform mit halben Gehalt aus seinem Amt zurückziehen und seinen gärtnerischen Neigungen folgen konnte, führte für Alma und ihre jüngeren Schwestern Claudine und Anita zu einer ungewöhnlichen Sozialisation, die ihr Leben bestimmte. Die drei Schwestern wuchsen in
einem Garten auf, der heute inmitten der Großstadt liegt, damals jedoch jenseits der Tore Hamburgs, ein Garten, dessen Früchte die Familie ernährte, durch unmittelbaren Genuss ebenso wie durch Verkauf der besten Früchte an das Feinkostgeschäft Heimerdinger am Neuen Wall.
Dieses Grundstück hatte Almas Vater ein Jahr vor ihrer Geburt gekauft. Es war 8000 qm groß und befand sich im heutigen Hamburg Eppendorf am heutigen Appener Weg. Es wurde mit einem Wohnhaus bebaut. Im hinteren Teil des Grundstückes legte er einen Garten an. In ihm wurden Apfelbäume und viele Rosen gepflanzt.
Auch wenn das Leben dort materiell eher bescheiden war, der Zusammenhang mit der lebendigen Natur, mit Pflanzen und Tieren, machte das Leben reich. "Im stillen Garten lernte ich das stille Beobachten; später lernte ich sprechen. Ich war ganz Augenmensch. Gern wollte ich Malerin werden, aber die eigenen Berufswünsche mußten zurückstehen vor den praktischen Erwägungen der Eltern. So kam ich ins Lehrerinnenseminar und wanderte täglich hin und zurück den 1 ¼ stündigen Weg zum Holzdamm in der Hamburger Innenstadt im bodenlangen Kleid, die schwere Büchermappe in der Hand. Damit erwarb ich jedes Mal zehn Pfennig, die ich als Fahrgeld für einen Teil des Weges bekam", schreibt Alma de I'Aigle in ihren autobiographischen Notizen. Sie wurde eine engagierte Reformpädagogin, die sich weit über ihre Pflichten hinaus insbesondere für die armen und zurückgebliebenen Kinder einsetzte. Nach dem Lehrerinnenexamen für mittlere und höhere Mädchenschulen 1909 wollte sie sich zunächst nicht in ein geregeltes Schulleben einzwängen lassen und lebte von Privatstunden. 1912 landete sie dann doch in einer staatlichen Hilfsschule für Schwachsinnige und ab 1927, nach einem Ausbildungsjahr als technische Lehrerin, unterrichtete sie in der Volksschule Bei der Hauptfeuerwache 1 in St. Georg und leitete dort auch eine Nähwerkstatt - für Kinder und Mütter. Über den häuslichen Hintergrund ihrer Schülerinnen schreibt sie; "Die Stadtteile St. Georg und Hammerbrook hatten diese Kinder geschickt. Traurige Stadtteile. Zwar hatte St. Georg immer noch etwas von der alten Geruhsamkeit der Sechzigerjahre an sich, in denen es entstanden war; das waren breit hingelagerte Stifte, niedrige Häuser, da entdeckte man plötzlich grüne Terrassen hinter einem Torweg, aber das alles war überwuchert von der Entwicklung der letzten Jahrzehnte, denn dieser Stadtteil war Hinterland zum Hauptbahnhof und ein Fremdenverkehr ziemlich übler Art hatte sich dort entwickelt. Der Stadtteil Hammerbrook war bis auf die breiten Durchgangsstraßen von vornherein als Zinsquelle für die Grundbesitzer angelegt worden. Da standen hohe billige Mietkasernen aneinander gedrängt in den baumlosen Straßen; sie zeugten von dem ?Aufblühen' der Industrie und dem Sog, den die Großstadt auf das weit umliegende Land ausgeübt hatte, kinderreiche Arbeiterfamilien bildeten den Grundbestand der Bewohner von Hammerbrook, hier war nichts von Fremdenverkehr und "Hotels": Armut und Sorge waren hier zu Hause, aber doch selten völlige Verelendung, denn selbst in den Jahren der furchtbaren Arbeitslosigkeit hatten diese Menschen festgehalten an etwas, das man eigentlich Wohnkultur nennen müsste." Aus der tiefen Überzeugung, dass lebendige Anschauung und Erfahrung, Sehvermögen und Wissen um die Dinge und menschliche Verhältnisse wichtiger ist als alle Theorie unterrichtete sie in einer höchst eigenwilligen Weise, von der ihre Schülerinnen noch heute mit großer Verehrung erzählen. So vertauschte sie den theoretischen Unterricht im dunklen Klassenzimmer häufig mit praktischem Unterricht in den nahe gelegenen Gartenanlagen des St. Georg Krankenhauses, die sich fast die ganze Lohmühlenstraße entlangzogen, machte mit ihren Schülerinnen, die Hamburg größtenteils nie verlassen hatten, jährlich Klassenfahrten und ging mit ihnen "an den Ladentisch", um sie zu selbständig urteilenden Verbrauchern zu erziehen. Um den Kindern einen Begriff von Zeit und Geschichte zu vermitteln, ging sie mit ihnen auf den Friedhof und ins Museum. Den Wert der Freundschaft wusste sie ihren Schülerinnen so innig zu vermitteln, dass die Schülerinnen ihrer letzten Klasse noch heute miteinander in Verbindung stehen.
Das Besondere und Unverwechselbare, das die Erzieherin Alma de I'Aigle ausstrahlt, zeigt auch die Schriftstellerin, die aufschrieb, was sie aus persönlichem Erleben und Forschen im Laufe ihres Lebens erfuhr und lernte. Aus diesem Zugang zum Schreiben erklärt sich auch die Disparatheit ihrer Themen.
"Beschaffenheitsmarken: für alle Waren als Grundlage für die freiwillige Rückkehr zur Qualitätsware", hieß ihr erstes Büchlein, das durch die schlechte Qualität der Waren während der Inflationszeit veranlasst war. Als Alma de I'Aigle 1944 aus gesundheitlichen Gründen als Hilfskraft an die Bibliothek des Pädagogischen Instituts versetzt worden war, entstand, quasi als Summe ihrer Erfahrungen und, wie sie selbst schreibt, aus Opposition gegen den "Nationalsozialismus, der immer mehr die Erziehung "ausgerichtet" hatte, bis in die Familie hinein" das umfangreiche Werk "Die ewigen Ordnungen in der Erziehung. Gespräche mit Müttern", dem der Verlag bei der zweiten Auflage den Titel "Elternfibel" voranstellte. Sie wendet sich in diesem ungewöhnlichen Buch, das auch heikelste Erziehungsprobleme mit größter Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit behandelt, insbesondere an die Arbeiterfrauen und appelliert an deren Mutterinstinkt. "Es ist darin nicht nur von Spielzeug, Kinderreimen, Märchen, Lesenlernen, Naschen, Elternlügen, Kost, Textilhygiene, Prügeln, Basteln, Jugendgruppen, Natur, Kunst, neugesellschaftlichen Problemen, Menschheitsfragen, äußerlichen, innerlichen und höchsten Gütern die Rede", schreibt der Schriftsteller und Freund Hans Leip, "sondern auch von Vergnügen am Unheimlichen und am Unanständigen, von Schwarzer Magie und von öffentlichen Mädchen, von Gespenstern und Perversitäten, von Selbstbefleckung, gepflegter Erotik und vom Kinderkriegen. Das ist so unerwartet wie die wundersame Gesprächslenkung mit ihren Zöglingen über solche meist im Geheimen wuchernden Alltagsprobleme. Es ist geradezu ungewöhnlich. Hier könnte die selten mehr als penetrant unglückliche behördliche "Aufklärung" gründlich lernen, soweit Klugheit, Charm (!) und Behutsamkeit erlernbar sind. Das virtuos Praktische dieses Buches und das erschreckend Einsichtige wird so leichthin, so delikat, so angenehm lesbar vorgetragen. Es ruht auf breiter pädagogischer Erfahrung; es würzt sich mit dem Gruseln, den Ängsten, Irrungen, Visionen und Freuden der eigenen Kindheit ... Sollte der Menschheit erzieherisch noch zu helfen sein, müsste der Absatz der Elternfibel jene Millionenziffern erreichen, zu denen man Hitlers "Mein Kampf" hochputsche." Aus pädagogischem Antrieb und Erfahrung entstanden auch zwei Kinderbücher: "Die Kinder in ihrer Echtheit zu bewahren, das war mein stärkstes Anliegen. Was den Kleinen, die eben mühsam lesen gelernt hatten, an Literatur geboten werden konnte, war meistens in der Sprache der Erwachsenen oder in unecht-kindlicher Weise abgefaßt, während die Umgangssprache der Kinder immer primitiver wurde. Aus dieser Not heraus und aus den vielen Erlebnissen mit kleineren Kindern formten sich mir im Laufe vieler Jahre "Ganz kleine Geschichten" und "Alles wird wieder gut". In Bayern, wohin ihre Schülerinnen während des Zeiten Weltkrieges verschickt worden waren, schrieb sie für eine Weihnachtsfeier das "Tirschenreuther Krippenspiel" - "aus Opposition gegen die christentum-feindliche Einstellung". Trotz alledem schrieb sie in dieser Zeit Kinderbücher, die später als Lesefibeln im Grundschulunterricht eingesetzt wurden.
Aber nicht erst der Nationalsozialismus bewog Alma de I'Aigle zu einer politischen Haltung. "Im ersten Weltkrieg habe ich neben der Schule einen Kriegsmittagstisch eingerichtet und geleitet, durch die Zeit der ersten Inflation hindurch. Die Frauen hatten das Stimmrecht bekommen, eine große Mitverantwortung wurde auf sie gelegt. Die alte Staatsform war zerbrochen, eine neue im Werden. In mir erwachte plötzlich der Sinn für Staatsrecht und Verfassung." Bei der ersten Zusammenkunft der Jungsozialisten in Hofgeismar hielt Alma de I'Aigle einen Vortrag über "Volk und Staat" und formulierte Thesenpapiere zum Thema "konservativ - revolutionär". In dieser Zeit begann ihre Freundschaft mit dem später als Angehöriger der Widerstandsbewegung hingerichteten Theo Haubach, durch den sie Berührung mit den Mitgliedern des Kreisauer Kreises bekam. Die Briefe des Freundes veröffentlichte sie 1947.
Alma de I'Aigle gehörte zu den aktiven Mitgliedern des Freideutschen Kreises in Hamburg und wurde zu verschiedenen Entnazifizierungsaktionen herangezogen, wobei sie sich stets bemühte zu differenzieren und lediglich mit dem Nationalsozialismus Getarntes von nationalsozialistischem Geist zu trennen. Ihre eigene Mitarbeit am sozialdemokratischen Aktionsprogramm für den Weimarer Parteitag in den Jahren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte zur Verbrennung ihrer Bücher und zu zeitweisem Berufsverbot geführt. Gedenksteine im Niendorfer Gehege und am Kaiser-Friedrich-Ufer zum 50. Jahrestag der Bücherverbrennung 1988 sind sichtbare Zeichen der Erinnerung an diesen Teil ihres Lebens und Werks.
Unter dem Eindruck der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der sich verändernden Großstadtlandschaft entstand ein Werk ganz anderer Art mit dem schlichten Titel "Ein Garten". In diesem Roman eines Gartens erzählt Alma de I'Aigle von ihren Erfahrungen mit Blumen und Nutzpflanzen im elterlichen Garten mit einer so hinreißenden Leichtigkeit und Natürlichkeit, dass man glaubt, die Düfte zu riechen und die Gemüse und Früchte zu schmecken. "Teilzuhaben daran, wie jemand so innig, so achtungsvoll mit dem Werden und Vergehen der Blüten und Früchte und Bäume leben kann, ist wie ein kleiner Rausch und bleibt uns Heutigen, die wir ganz vergessen haben, wie es ist, nach innen zu horchen, vielleicht für immer ein Rätsel. ... Dieses Buch legt wunderbares Zeugnis davon ab, welche - ja, wenn man das sagen darf - Glückseligkeit die Hingabe an einen Garten bedeuten kann und dass es offensichtlich eine tiefe Beziehung ist, die man da eingeht. Abgesehen davon, dass dieses Buch sehr kundig macht, tut es auf seltsame Art wohl (Katrin Stender, NDR 4). Aus der Welt dieses Gartens heraus entstanden auch die Kinderbücher "Häsi und anderes geliebtes Getier", das fünfstellige Auflagen erreichte, und das "Starentagebuch".
Alma de L'Aigle war nach der Befreiung vom Nationalsozialismus auch Gründungsmitglied des Deutschen Kinderschutzbundes und Mitglied der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften.
Als Alma de I'Aigle 1952 beim Besuch einer Gartenbauausstellung in Hannover die neuesten Rosenzüchtungen sah, war sie tief enttäuscht von den "flattrigen, nicht duftenden und sogar schlecht riechenden modernen Züchtungen. Mit Wehmut dachte ich an die schönen duftenden Rosen im Garten meines Vaters. Ich begriff, daß hier eine Entwicklung sich anbahnte, die ihre Richtlinien vom technischen Zeitalter nahm und nicht mehr aus dem Zentrum des Menschlichen. Ich fand zurück zur Gartenliebe unseres Vaters und unserer Kindheit, beobachtete verschiedene Arten, Tausende von Rosen an verschiedenen Orten, prüfte ihren Duft, versuchte ihn durch Worte auszudrücken." Aus diesem Material entstand das Buch "Begegnung mit Rosen", in dem Alma de I'Aigle erstmals ein Duftvokabular erarbeitet. "Ein universaler Geist ist bis in die unscheinbarsten Nebenbemerkungen ständig spürbar ... Kenner und Nichtkenner kommen aus der Überraschung nicht heraus ... Baldige internationale Verbreitung des Werkes ist für mich eine feste Erwartung", schrieb der berühmte Pflanzenzüchter Karl Foerster in der "Zeit".
Ende der 50er Jahre wurde eine Rose nach ihr benannt.
Aus Alma de I'Aigles Teilwohnung in der Johnsallee 67, 2. Stock (heute Hotel Vorbach), in der sie über 25 Jahre wohnte, sah man den ca. tausend Quadratmeter großen verwilderten Garten des damaligen Geographischen Institutes der Universität Hamburg. Als man diesen zu ordnen begann, "ließ sie nicht locker, bis sie daraus einen Rosengarten machen durfte. Dort entstand die Krönung ihres Daseins, der hanseatische Rosengarten , der seinesgleichen nicht hat in der Welt. In ihrem Rosenbuch hat sie ihn ausführlich noch beschreiben können. Möge er als ihr Vermächtnis der Vaterstadt teuer sein und des Fortbestandes und kundigster Pflege sicher." Dieser Wunsch Hans Leips hat sich nicht erfüllt. Auch der Satz des Malers Kokoschka "Ihre Malmaison bricht mir das Herz", ist angesichts des heutigen Zustandes des Gartens nicht nachvollziehbar. Das Areal ist eine gepflegte Rasenfläche, aufgelockert durch Büsche und wenige Rosen. Auch das zweite von ihr gestaltete öffentliche Rosarium, der Innenhof des Curiohauses, ist nicht erhalten.
Zu Alma de I'Aigle eigener Wohnung gehörte kein Garten, aber eine Veranda voller verschiedenster Pflanzen. Und hier unterrichtete sie die 14 von 44 Schülerinnen, die sich nach dem Bombenangriffen 1943 in tagelangen Wanderungen durch Hamburg zusammengesammelt hatte, um sie auf den Abschluss vorzubereiten. Am 21. Dezember jeden Jahres schmückte sie zusammen mit ihren Schülerinnen eine Tanne. Sommerliche Kinderfeste fanden dagegen regelmäßig im elterlichen Garten statt. Eine Schülerin erinnert sich an das Narzissenmeer unter den Obstbäumen, deren Früchte sie im Herbst nach Hause tragen durften. "Ja, Gärten und Kinder sind es, um die es sich lohnt zu leben. Ihnen den Bezug zur Mitte, den Duft der Seele, die Echtheit zu erhalten, war und bleibt mein Lebensziel." Geheiratet hat Alma de I'Aigle nie: "Ehe? Für mich wäre das eine dauernde Todeszelle der Liebe."
Als nach dem Tod der jüngsten Schwester der elterliche Garten bebaut werden sollte, bildete sich eine Initiative, um den Garten zu retten. Dank dieser Initiative, die in Begleitung des Denkmalschutzamtes agierte, konnte 1988 ein Drittel des Gartens als Naturdenkmal erhalten bleiben und gehört heute zum St. Anschar-Stift. In ihm blühen immer noch einige sehr selten gewordenen Apfelsorten.
Text: Britta Reimers

Literarische Werke:
  • Häsi und anderes geliebtes Getier. Stuttgart 1930. 10. Aufl. Stuttgart 1957.
  • Starentagebuch. Stuttgart 1939.
  • Ein Garten. Hamburg 1948, 1996.
  • Tirschenreuther Krippenspiel. Kassel 1948.
  • Scherben, Silber und Zement. Kindererlebnisse aus unseren Tagen Hamburg-Wohldorf 1949.
  • Ganz kleine Geschichten. Zum Vorlesen, zum Selbstlesen für Knaben und Mädchen von 4-8 Jahren,. Hamburg 1951, 6. Aufl. 1962.
  • Alles wird wieder gut. Freiburg 1955. 4. Aufl. 1963.
  • Begegnung mit Rosen. Stuttgart 1958. Moos, Bodensee 1977.

Pädagogische Schriften:
  • Das sexuelle Problem in der Erziehung, Lauenburg 1920 oder 1927.
  • Die ewigen Ordnungen in der Erziehung. Gespräche mit Müttern. Hamburg 1948, bearb. u. erw. Auflagen unter dem Obertitel Elternfibel. Hamburg 1950, 4. Aufl. 1959.
  • Zusammen mit Helga Prollius. Du und deine Kinder - 54 kleine Abschnitte über Erziehungsfragen des Alltags,.Delmenhorst 1953.
  • Das Schulreifeproblem in der Schulpolitik, Material- und Nachrichten-Dienst (MUND) der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Lehrerverbände, Nr. 55/5. Jg. 1. Juni 1954.
  • Die Sprache der Kinder und der Erwachsenen. In: Der Schriftsteller.
  • Zeitschrift des Schutzverbandes Deutscher Autoren. 4.3.1954.
  • Was heißt sittliche Gefährdung der Jugend?. Sammlung. Sept. 1954.
  • Beiträge über Nadelarbeit, Erziehung, Hauswirtschaft. In: Neue Hauswirtschaft. Stuttgart 1930-34.
  • Beiträge über Nadelarbeit, Schneiderei im Frauenteil der "Werag" (Westdeutscher Rundfunk). Köln 1931/32.

Politische Schriften:
  • Jungdeutsche Stimmen, Rundbriefe für den Aufbau einer wahrhaften Volksgemeinschaft. Ein Jahr Schriftleitung. Eigene Aufsätze wie "Jungdeutsches Wollen", "Deutsches Erbrecht", "Das Gesetz als formgewordener Staatswille", Hamburg 1918-1920.
  • Zehn Vorschläge für ein Aktionsprogramm der Sozialdemokratie.
  • Flugschrift zum Weimarer Parteitag im Juni 1919.
  • Beschaffenheitsmarken: für alle Waren, als Grundlage für die freiwillige Rückkehr zur Qualitätsware. Schriftenreihe Deutsche Gemeinwirtschaft. Bd. 18. Jena 1920.
  • Mitherausgeberin: Richard von Moellendorf. Konservativer Sozialismus. Hamburg 1932.
  • Meine Briefe von Theo Haubach (1925-1944). Hamburg 1947.

Nachlass: Bundesarchiv Koblenz und Archiv der deutschen Jugendbewegung Burg Ludwigstein
Evelyn Hamann, bürgerlich Eveline Braun , geb. Hamann
© https://de.wikipedia.org/wiki/Evelyn_Hamann - Ralf Zeigermann (fotographer)

© kulturkarte.de/schirmer
6.8.1942 Hamburg - 28.10.2007 Hamburg
Schauspielerin, Synchronsprecherin
Grablage: Alter Friedhof Niendorf, Abteilung 6, Reihe 13, Nr. 36
Evelyn Hamanns Eltern waren Musiker: ihr Vater Geiger und Konzertmeister des NDR-Sinfonieorchesters und Gründer des Hamann-Quartetts, ihre Mutter Sängerin und Musikpädagogin. Ihr Großvater war Konzertmeister in Berlin gewesen, ihr Bruder Gerhard war Professor für Violoncello. Evelyn Hamann schlug nicht die Musikerinnenlaufbahn ein, sondern absolvierte eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Nach Ausbildungsschluss "übernahm Hamann kleinere Rollen am Thalia-Theater. 1964 heiratete sie Hans Walter Braun. Das Paar hatte sich am Theater in Hamburg kennengelernt.
1968 erhielt sie am Jungen Theater in Göttingen ihr erstes Engagement. 1971 ging sie an die Städtische Bühne in Heidelberg (...). Nach zwei Jahren kehrte sie nach Norddeutschland zurück und wurde Mitglied des Ensembles am Theater Bremen. Dort gab sie bis 1979 einige große Rollen, so die Marthe Schwerdtlein in Goethes Urfaust und die Alte in Ionescos Die Stühle. Außerdem arbeitete sie als Synchronsprecherin.
1976 wurde die Ehe mit Hans Walter Braun geschieden.
Der Radio-Bremen-Unterhaltungschef Jürgen Breest entdeckte Evelyn Hamann am Bremer Theater, als bei Radio Bremen eine Schauspielerin für die Loriot-Produktionen gesucht wurde.
Loriot hatte für seine Sketch-Reihe eigentlich "eine blonde, pummelige Hausfrau" gesucht und sagte zu Hamann, nachdem sie ihm vorgespielt hatte: "Liebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?" Doch Hamann, die hager und brünett war, überzeugte ihn so sehr, dass er sich trotzdem für sie entschied: "Gut, dann eben nicht pummelig." So wurde sie ab 1976 als Loriots Partnerin in zahlreichen Sketchen einem größeren Publikum bekannt. Mit unbewegter Miene und hanseatisch trockenem Humor schrieb sie Fernsehgeschichte, (...)
Hamann spielte 1988 und 1991 auch in den Loriot-Filmen Ödipussi und Pappa ante Portas jeweils die weibliche Hauptrolle. Sie selbst sagte von der Zusammenarbeit, dass sie von Loriot jene Detailversessenheit gelernt habe, die für wirkliche Komik unerlässlich sei: "Die Inszenierung von Humor erfordert Strenge, Kunstfertigkeit und Disziplin." (...)." 1)
"Die Hamann und Loriot - das war ein Komikerduett ohne Anzüglichkeit und Vulgarität, eher ein Paar, das mitten in den Siebzigern, dem deutschen Jahrzehnt ehetherapeutischer Erkundungsreisen ("Ich bin ich, Du bist du") die Steifheit und Verklemmtheit der deutschen Seelenlandschaften auf die Schippe zu nehmen verstand, ohne die Protagonisten der Lächerlichkeit preiszugeben.
Loriot und die Hamann in ihren Sketchen - das sind auch Dokumente aufbrechender Verklemmungen und Geschichten von der Mühe, immer locker zu bleiben und es nicht zu können. Im Sinne Sigmund Freuds könnte man sagen: Beide haben mit ihren Filmen schwer im Bergwerk der neuen deutschen Lockerheit gearbeitet, sie haben mehr zur Zivilisierung deutscher Lüsternheit und verschwitzter Phantasien beigetragen als die meisten Aufklärungsfilme jener Zeit. Ihr Mittel? Das befreiende Lachen, das uns Frieden finden lässt mit den Unpässlichkeiten des Lebens." 2)
"Als einfallsreiche Mutter, die bei der Postenvergabe benachteiligt wird, erscheint sie in "Wut im Bauch "(1998), in "Ehemänner und andere Lügner" (2000) spielt sie eine betrogene Ehe- und Hausfrau, die jegliche Zurückhaltung ablegt und zu großer Form aufläuft. Zu einer für sie besonders prägenden Rolle entwickelt sich der ARD-Quotenrenner "Adelheid und ihre Mörder", in der sie mit dem Satz "Ich glaube, ich kenne den Mörder" jeden Fall zu einer Lösung führt. Bei ihren Rollen kam es Evelyn Hamann nach eigenen Worten darauf an, auf glaubwürdige Weise normale Menschen darzustellen. "Für mich ist wichtig, dass sich der Zuschauer denkt: Ja, so eine Frau kenne ich wirklich."" 3)
"Nach ihrer Scheidung lebte sie in Hamburg, zuletzt mit ihrem Lebenspartner, dem Schauspieler Stefan Behrens.(...)" 4)
"In ihrem Privatleben gab sich Hamann selbst für eine Hamburgerin ungewohnt hanseatisch-zurückhaltend. Die vielen Partys der Stadt, bei denen sich die Sternchen und Stars mit warmen Mahlzeiten versorgen, mied sie, aber nicht nur das: Öffentliche Auftritte gab es bei ihr generell kaum. Journalisten gehörten nicht zu ihren Freunden. So viel ist dennoch bekannt: Sie war einmal kurz verheiratet, liebte Katzen und Wagner-Musik und wenn sie sich entspannen wollte, malte sie. Kollegen können auch von der sperrigen Grandezza Hamanns erzählen, die sich auch an den Drehorten zuweilen scheu gab. Oft übernachtete sie in anderen Hotels als das übrige Team." 5)
"Evelyn Hamann starb in der Nacht zum 28. Oktober 2007 an den Folgen eines malignen Lymphoms, das zehn Monate zuvor bei ihr diagnostiziert worden war." 6)
Anlässlich ihres Todes gab es viele Würdigungen: "Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte, Hamann habe an der Seite Loriots Fernsehgeschichte geschrieben. "Wie kaum eine andere vermochte sie es, die Gefährdungen durch Alltag und Mitmenschen in den komischsten Farben zu zeichnen." Auch wenn sie dank ihrer Wandlungsfähigkeit ebenso in ernsten Rollen zu überzeugen vermocht habe, "werden uns besonders ihr unvergleichlicher Witz und ihr subtiler Humor fehlen."
ARD-Programmdirektor Günter Struve würdigte Hamann als "brillante Schauspielerin". Ihr Markenzeichen sei ihr "hanseatisch-trockener Humor und ihr spröder Witz" gewesen. (...)
Hamann wurde für ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet. Allein die Goldene Kamera der Illustrierten "Hörzu" erhielt sie drei Mal im Zehn-Jahres-Rhythmus: 1977, 1987 und 1997. Außerdem ehrte sie RTL 1997 mit dem Goldenen Löwen. Im gleichen Jahr bekam Hamann den Bayerischen Fernsehpreis für die beste Seriendarstellerin - als Sekretärin Möbius in "Adelheid und ihre Mörder"." 7)
Quellen:
1) Wikipedia: Evelyn Hamann, abgerufen 24.12.2017
2) Jan Feddersen: Loriot und Evelyn Hamann Frau Jodelschnepfe und Herr Stocksteif. Humor? Eine Frage von Strenge und Disziplin! Beides besaß Evelyn Hamann. Ohne sie wären Loriots Sketche nur halb so lustig - und abgründig. Gemeinsam nahm das Traumpaar die verklemmten Deutschen ins Visier und sorgte für mehr Aufklärung als alle Kolle-Filme zusammen, in : Spiegel online, abgerufen unter: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/loriot-und-evelyn-hamann-frau-jodelschnepfe-und-herr-stocksteif-a-782037.html
3) Jörn Lauterbach: Die wahre Evelyn Hamann kannte kaum einer. In: welt de vom 29.10.2007 unter: https://www.welt.de/kultur/article1310679/Die-wahre-Evelyn-Hamann-kannte-kaum-einer.html
4) Wikipedia: Evelyn Hamann, abgerufen 24.12.2017
5) Jörn Lauterbach, a. a. 0.
6) Wikipedia: Evelyn Hamann, abgerufen 24.12.2017
7) Jörn Lauterbach, a. a. O.



© kulturkarte.de/schirmer
Gerda Knebel
10.8.1919 Hamburg - 20.7.1992 Hamburg
Altphilologin
Grablage: Neuer Friedhof Niendorf, Abteilung 6, Reihe 119, Nr. 2, das Grab ist leider aufgelöst worden
Nach dem Abitur im Jahre 1939 studierte Gerda Knebel ab 1940 an der Universität Hamburg und schloss ihr Studium 1949 mit der Promotion ab. Ihr Dissertationsthema hieß: Untersuchungen zu den derivierten Präsentien bei Homer. Seit 1944 arbeitete sie als Hauslehrerin in Bötersheim und finanzierte so ihr Studium.
Ab 1952 war sie in der Arbeitsstelle des Thesaurus Linguae Graecae als Mitarbeiterin am Lexikon des frühgriechischen Epos (LfgrE) beschäftigt und hatte auch Lehrtätigkeiten an der Universität Hamburg. So war sie ab 1954 als Lehrbeauftragte für griechische Sprachkurse und Stilübungen
tätig. 1963 habilitierte sie sich mit der Schrift Funktion und Bedeutung der Partikeln αν und κε in den homerischen Gedichten. Zwischen 1957 und 1964 war sie Redakteurin des LfgrE. Nach dem Ausscheiden aus der Schriftleitung des LfgrE wurde sie Wissenschaftliche Rätin an der Universität Hamburg, 1966 dann Wissenschaftliche Oberrätin und 1971 Professorin. 1984 wurde sie pensioniert, hielt aber weiterhin Vorlesungen und Seminare.
Text: Rita Bake
Friedel Hensch
© https://de.wikipedia.org/wiki/Friedel_Hensch_ und_die_Cyprys - Willy Pragher


© kulturkarte.de/schirmer
7.7.1906 Landsberg an der Warthe - 31.12.1990 Hamburg
Schlagersängerin: Friedel Hensch und die Cyprys
Grablage: Neuer Friedhof Niendorf, Abteilung 6, Reihe 2f, Nr. 7
Bekannt wurde Friedel Hensch in den 1950er Jahren als Sängerin mit ihrer Musikband "Friedel Hensch und die Cyprys". "Das Terzett ‚Friedel Hensch und die Cyprys' wurde 1945 auf der Bahnfahrt in einem Kohlenzug zwischen Schleswig und Hamburg ausgeheckt. Dort war die ehemalige Ballettänzerin aus Berlin mit zwei gerade dem Krieg entkommenen Soldaten Werner Cyprys (Gitarre) und Karl Geithner (Schifferklavier) unterwegs, auf der Suche nach einer Existenzmöglichkeit", 1)heißt es in einem Nachruf anlässlich des Todes von Friedel Hensch im "Spiegel" vom 7.1.1991. Friedel Hensch gründete im Okober 1945 zusammen mit ihrem späteren Ehemann Werner Cyprys (1922-2000) und dessen
Freund Karl Geithner (1922-1976) die Musikband "Friedel Hensch und die Cypris". Ihr erster Auftritt fand im Januar 1946 im Ballhaus "Trichter" (Reeperbahn) statt.
1947 heirateten Friedel Hensch und Werner Cyprys (1922-2000). Die erste Schallplatte der Band wurde 1949 herausgebracht, der Titel: Mit der Zeit lernst auch du es. "1950 erschienen zunächst einige Singles, auf denen Friedel Hensch und die Cyprys lediglich als Chor bei Aufnahmen des Sängers Heinz Woezel (1914-1981) und anderer Interpreten zu hören sind. Im gleichen Jahr trat das Ensemble mit zwei von Michael Jary komponierten Schlagern in dem Film Mädchen mit Beziehungen auf. Dieser erste von insgesamt 11 Filmauftritten bedeutete einen weiteren Karriereschub für das Quartett. Unter dem Namen Tante Fröhlich und die Hutzelmännchen nahm die Gruppe im gleichen Zeitraum etwa 20 Kinderlieder für Gnom, die Kinderserie der Plattenfirma Polydor, auf.
Ihren bis dahin größten Erfolg verbuchten die vier Musiker Ende 1950 mit dem Titel Holdrio - liebes Echo. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Gruppe immer wieder volkstümliche Schlager, die neben den modernen, oft leicht satirischen Liedern zu ihrem Markenzeichen wurden. (...)1955 erhielt das Ensemble eine Goldene Schallplatte für den Gesamtverkauf von über drei Millionen Schallplatten. (...) Bis 1970 veröffentlichten Friedel Hensch und die Cyprys rund 15 Langspielplatten und fast 90 Singles. (...) 1962 landeten Friedel Hensch und die Cyprys mit Mein Ideal, der Antwort auf Charles Aznavours Du läßt dich geh'n, und Der Mond von Wanne-Eickel (Original: Un clair de lune à Maubeuge) ihre letzten Hits. (...) Ihren letzten gemeinsamen Auftritt hatte die Gruppe im Oktober 1970 in Wim Thoelkes Fernsehshow Drei mal Neun." 2)
1992 ging Werner Cyprys eine neue Ehe ein.
Quellen:
1) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13487913.html
2) Wikipedia: Friedel Hensch, abgerufen 24.12.2017
Jüdischer Friedhof Grindel

Gedenkstein an den ehemaligen jüdischen Friedhof am Grindel, der sich an dieser Stelle befunden hatte.
Der Grindelfriedhof oder auch Jüdischer Friedhof am Grindel ist ein ehemaliger Begräbnisplatz im namensgebenden Quartier Grindel des Hamburger Stadtteils Rotherbaum, Bezirk Eimsbüttel. Der Friedhof wurde während des Nationalsozialismus zerstört und unmittelbar danach überbaut.

Der Friedhof befand sich im Grindelviertel, an der Ecke der Straßen An der Verbindungsbahn/Rentzelstraße. Ursprünglich standen auf dem Friedhof zwei Gebäude, eines für die Verwaltung und den Inspektor und eines für die Totenwaschung.
Henriette Salomon geb. Goldschmidt
9.6.1828 Hamburg - 4.10.1896 Hamburg
Gründerin vieler sozialer Vereine.
Pastorenstraße 16 (Wohnadresse)
Henriette Salomon, Frau des Arztes Dr. Salomon, war auf vielen sozialen Gebieten tätig, Mitbegründerin des Weiblichen Kranken-Vereins von 1849, der Paulsenstiftsschule, der Volksküchen von 1869 und der Hochschule für das weibliche Geschlecht. In ihrem Testament setzte sie zahlreiche Legate aus, so für die Pensionsstiftung der Lehrer der Stiftungsschule von 1816, die Speisungskommission des Wohltätigen Schulvereins, die Unterstützungskasse des Weiblichen Kranken-Vereins von 1849, die Hülfskasse des ärztlichen Vereins und für die Schule des Paulsenstiftes sowie dessen Schul-, Suppen- und Ferienstiftung.
Besonders sorgte sie sich um die Ernährung armer Kinder, aber auch um die gleichberechtigte Anerkennung der verschiedenen Konfessionen. Henriette Salomon war Vorstandsmitglied der Gesellschaft für die sozialen und politischen Interessen der Juden. Im Zuge der bürgerlichen Revolution von 1848 wurde auch die Frage der Assimilation der Juden diskutiert. Ein Thema, das für Hamburgs jüdische Oberschicht nicht von großer Bedeutung war, da sie in Hamburgs Finanz- und Wirtschaftswelt sowieso eine wichtige Rolle spielte. Doch für die vielen jüdischen Kleinhändler war diese Frage von essentieller Wichtigkeit. Solange sie sich nicht assimilierten, wurden sie von zünftiger Arbeit ausgeschlossen, was ihnen den Makel, "arbeitsscheu" zu sein, einbrachte.
Die 1845 gegründete Gesellschaft für die sozialen und politischen Interessen der Juden wehrte sich gegen die Assimilationsbestrebungen. Sie forderte die gleichberechtigte Anerkennung der konfessionellen Unterschiede und versuchte u. a. über eine Arbeitsvermittlung jüdische Mädchen als Dienstbotinnen in nicht jüdische bürgerliche Haushalte zu bringen. Mit dieser Maßnahme versuchte die Gesellschaft, Jüdinnen Zugang zu christlichen Kreisen zu verschaffen, ohne dass sie sich deshalb assimilieren mussten.
Text: Dr. Rita Bake