Anni Ahlers
Operettensängerin
21.12.1902 Hamburg - 14.3.1933 London
Anni Ahlers war Ende der 1920er-Jahre des 20. Jahrhunderts neben der Ungarin Gitta Alpar die gefeierte Operettendiva Berlins. Sie wurde in Hamburg geboren und wohnte mit ihrer Mutter Auguste, geb. Leeberg, ihrer zwei Jahre älteren Schwester Mia und ihrem Stiefvater, dem Maurermeister Cäsar Buschitzky, in der Annenstraße in St. Pauli. Ihr leiblicher Vater war Zirkusstallmeister. Dieser hatte seine Tochter im Alter von vier Jahren mit dem Bühnenmilieu vertraut gemacht. 1920 wurde Anni Ahlers als Tänzerin an die Hamburger Volksoper auf der Reeperbahn engagiert, an der sie bis zum Sommer 1924 blieb. Damit begann ihr Aufstieg von der Tänzerin zur Chor- und schließlich zur Solosängerin.
Im Juni 1923 bekam Anni Ahlers ihre erste Solo-Rolle. Sie spielte die Rote Liesy in der Operette "Der fidele Bauer" von Leo Fall.
Zu Beginn der neuen Spielzeit, im September 1924, ging Anni Ahlers nach Itzehoe, wo sie bis April 1925 als Sängerin und Tänzerin am Stadttheater engagiert war. Als die Spielzeit im Herbst wieder begann, wechselte sie ans Stadttheater nach Dortmund. Hier blieb sie wiederum nur für eine Spielzeit und ging dann im August 1926 nach Breslau. Dort hatte sie ihren ersten größeren Erfolg in der Operette "Lady Hamilton" von Eduard Künneke. Die folgenden zwei Jahre blieb Anni Ahlers in Breslau.1929 kam sie nach Berlin, wo sie schnell zu einem der Stars der Operetten- und Revuebühnen avancierte. Ihre erste größere Rolle war die der Barbarina in der Operette "Casanova" von Ralph Benatzky, eine reine Tanzrolle. Doch bereits im Jahr darauf erhielt sie ihre erste große Tanz- und Gesangsrolle, verkörperte die Victoria in "Victoria und ihr Husar" von Paul Abraham. Diese Operette schlug bei den Leipziger Operettenfestspielen im Juli 1930 sensationell ein und wurde danach mit viel Erfolg im Berliner Metropoltheater gespielt.
Jetzt meldete sich auch der Film. Im Jahre 1931 spielte Anni Ahlers in vier Streifen, ("Marquise von Pompadour", "Der wahre Jacob", "Faschingsfee" und "Liebesfiliale". 1932 wirkte sie in dem musikalischen Lustspiel "Die verliebte Firma" mit.
Im selben Jahr verließ Anni Ahlers Deutschland und ging ans His Majesty's Theatre in London, wo sie in der Rolle der Dubarry in der gleichnamigen Operette von Carl Milröcker Triumphe feierte. Diese Rolle wurde ihr möglicherweise zum Verhängnis. So jedenfalls sahen es manche Freunde und Kollegen, als Anni Ahlers infolge eines Sturzes aus dem Fenster starb. Sie meinten, Anni Ahlers habe, mondsüchtig veranlagt und überarbeitet, Rolle und Realität verwechselt. Als Madame Dubarry hatte sie durch ein Fenster über einen Balkon der Dekoration kriechen müssen. Die Kommission, die in England ungeklärte Todesfälle untersuchte, kam zu dem Ergebnis, es habe sich um einen Suizid gehandelt. Die Einäscherung von Annie Ahlers fand in London unter großer Beteiligung der Theaterwelt und im Beisein ihrer Mutter und Schwester statt, die die Urne nach Hamburg überführten.
Valerie Alport geb. Mankiewicz
Kunstsammlerin und Mäzenin
23.5.1874 Posen - 11.12.1960 Marseille
Valerie Aports Grabstein ist das Entrée zum Garten der Frauen. Von der Cordesallee kommend und dem Wegweiser zum, "Garten der Frauen" folgend, der an dem Fußweg steht, der direkt zum Garten der Frauen führt, befindet sich auf der linken Seite des Weges der Grabstein von Valerie Alport.
Valerie Alport, verheiratet mit Leo Alport, Aufsichtsratsvorsitzender der Firma Beiersdorf, hatte von ihrem Bruder Anteile der Firma geerbt. Das Ehepaar hatte zwei Kinder.
Vor dem Ersten Weltkrieg in Paris Kunstgeschichte studiert und mit der Sammlung von Kunstwerken begonnen,
veranstaltete sie mit ihrem Mann in ihrer Hamburger Villa in der Agnesstraße 1 Konzerte und Treffen kunst- und kulturinteressierter Menschen. Mit der jüdischen Malerin Anita Rée (ihre Urne befindet sich auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof des Ohlsdorfer Friedhofes) freundschaftlich verbunden, kaufte Valerie Alport ihr viele Bilder ab und schützte sie so vor Armut. Auch begleitete sie sie auf einer von ihr finanzierten Italienreise.
Nach Anita Rée`s Freitod im Jahre 1933 erbte Valerie Alport Bilder der Künstlerin. 1936 schenkte sie einen Teil der Bilder dem jüdischen Museum in Berlin und emigrierte 1937 mit Rèe-Bildern zu ihrem Sohn nach Oxford.
Nach dessen Tod kamen einige Rée-Bilder nach Hamburg zurück.
Ilona Bodden
Lyrikerin, Kinderbuchautorin und Übersetzerin
8.2.1927 Hildesheim - 16.4.1985 Hamburg
Schon ihre Kindheit muss Illusionen über die Welt erst gar keinen Platz eingeräumt haben. Sie verlief offenbar nicht nur einsam und belastet mit der Pflege ihres kränkelnden Vaters, eines Hildesheimer Buchhändlers. Wenn Ilona Bodden später äußert, dass sie ihre Kinderbücher - etwa 20 - schreiben musste, weil sie nur so die entsetzlichen Verwundungen der eigenen Kindheit überwinden könne, ist zu vermuten, dass diese Kindheit noch ganz andere Zumutungen für sie bereithielt. Doch auch später scheint sich Ilona Boddens Verhältnis zur Welt nicht wesentlich geändert zu haben. Ihre Lyrik ist oft düster und trotz der Veröffentlichung ihrer Gedichte in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften etc.,
trotz der Übersetzungen ins Italienische und Ungarische und der Verleihung mehrerer Lyrik-Preise in Italien zog Ilona Bodden, die auch als Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen und Italienischen gearbeitet hat, die erschütternde Bilanz:
"Zu früh, viel zu früh - doch die gestundete Frist ist um. Es gilt die Rechung zu begleichen. Aufrichtige Freunde, keine. Wenig Freude. Essen und Trinken karg. (Die letzten zwei Flaschen Wein waren geschenkte.) Die meisten Ausgaben für nutzlose Medikamente verschwendet. (Gegen Taubheit gibt es kein Heilmittel.) Summa summarum: Die Kosten sind ausgeglichen - Ich bleibe der Welt schuldig, was sie mir schuldig geblieben ist."
Ilona Bodden nahm sich am 16. April 1985, wenige Tage nach ihrem Mann, dem Journalisten Günter Löbering, in ihrer Wohnung in der Hoheluftchaussee das Leben.
Julie de Boor
Portraitmalerin
21.7.1848 Hamburg - 4.6.1932 Hamburg
Julie de Boor stammte aus einer angesehenen jüdischen Arztfamilie. Ihr Vater war der Arzt und Chirurg Dr. Moritz Unna, der Bruder der Dermatologe Dr. Paul Gerson Unna, nach dem der Unna-Park benannt ist. Sie besuchte Privatkurse bei Eleonore Göttsche und erhielt Zeichen- und Malunterricht bei Bernhard Mohrhagen und Herrmann Steinfurth. Es wird sich bei all dem vermutlich um die damals übliche Ausbildung für höhere Töchter gehandelt haben. 1873 heiratete sie den aus einem uralten holländischen Adelsgeschlecht stammenden Juristen und Bankier Adrian Ploos van Amstel und folgte ihm nach Heidelberg. Doch noch bevor die gemeinsame Tochter Paula am 20. November 1874 geboren war, erschoss sich Adrian Ploos van Amstel, vermutlich wegen finanzieller Schwierigkeiten.
Julie de Boor ging zunächst nach Berlin, um sich bei dem Genre- und Bildnismaler Karl Gussow ausbilden zu lassen, und später nach Paris zu dem gesuchten Portraitmaler Emile Auguste Carolus-Duran. Doch eigentlich verstand sie sich als Schülerin des spanischen Malers Diego Velásquez (1599-1660), der auch ihren Lehrer Carolus-Duran stark beeindruckt hatte. 1880 kehrte Julie de Boor nach Hamburg zurück. Mit ihrer Tochter Paula lebte sie im Hause ihres Vaters und arbeitete in Ateliergemeinschaft mit dem Schlachtenmaler Claus Herrmann de Boor in der Rothenbaumchaussee 197. 1889 heiratete das Paar und zog in das nach seinen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen gebaute einstöckige Haus mit Atelier im Dach in die Moorweidenstraße 19 (heute steht dort das Elysée-Hotel). Paula wurde in die Obhut einer französischen Pastorenfamilie in Mailand gegeben.
Das gemeinsame Leben des Künstlerehepaares war nur von kurzer Dauer. Am 30. November 1889 starb Claus Herrmann de Boor.
Unterstützt durch ihre gesellschaftlichen Beziehungen, die ihr Haus zum Sammelpunkt künstlerisch interessierter Menschen machten, insbesondere aber durch ihren Mentor, den Bürgermeister Carl Petersen, war Julie de Boor schnell zu einer beliebten Portraitmalerin mit zahlreichen Aufträgen geworden. Ca. 500 Portraits und Kniestücke in Öl auf Holz oder Leinwand und in Kreide entstanden bis zu ihrem Tod, darunter auch ein Gruppenbild der sieben Rathausbaumeister, das Julie de Boor dem Rathaus zur Eröffnung 1897 stiftete und das im "Rosenkranz" im Ratsweinkeller hängt.
Trotz aller Anerkennung und Wertschätzung starb Julie de Boor als verbitterte Frau. Sie konnte oder wollte wohl nicht begreifen, dass ihre Kunst, die akademische Portraitmalerei, bereits zu ihren Lebzeiten einer vergangenen Epoche angehörte.
Hedwig Brandt, geb. Stosch-Sarrasani
Die rechte Hand ihres Vaters, Direktor des Zirkus Sarrasani
1.3.1896 Berlin - 28.2.1957 Hamburg
Hedwig Stosch-Sarrasani war die Vertraute ihres Vaters Hans Stosch (1873-1934). Nach der Schule - anfangs besuchte sie ein Pensionat in Dresden, später ein Internat in der Schweiz - wurde Hedwig ab ihrem 14. Lebensjahr in die Arbeit des Zirkus mit einbezogen: als Kunstreiterin, Kassiererin und auch als ein Mitglied des "Putztrupps", der nach den Vorstellungen aufräumen und saubermachen musste. Doch das Verhältnis von Vater und Tochter trübte sich, als Hedwig auf einer gemeinsamen Reise mit ihrem Vater nach Hamburg, ihren zukünftigen Ehemann kennenlernte. Hans Stosch war mit seiner Tochter auf der Werft Blohm + Voss, um Verhandlungen über einen Schiffstransport seines Zirkus nach Südamerika zu
führen. Für diese Gespräche wurde ihnen "der beste Mann der Werft", der Leiter der Reparaturabteilung, vorgestellt. 1920 heiratete die 24-Jährige gegen den Willen ihres Vaters, der bereits während des Ersten Weltkrieges "einen Mann vom Fach" für sie ausgesucht hatte. Hedwig zog nach Hamburg und bekam ein Jahr nach der Hochzeit ihr erstes Kind, ein Mädchen, dem 13 Monate später ein Junge folgte. Diese Geburtenabstände glichen denen von Hedwig und ihrem Bruder und führten deshalb bei den Zirkusleuten zu abergläubischen Vermutungen; die Folge: Vater und Tochter versöhnten sich und fortan reiste Hedwig Brandt immer mal wieder für einige Monate zu ihrem Vater, um ihm bei der Zirkusarbeit zu helfen. Musste der Vater auf Reisen, war die Tochter die Generalbevollmächtigte des Zirkus. Zwischen 1920 und 1925 bekam Hedwig Brandt zwei weitere Kinder. Ein Dienstmädchen half im Haushalt, und während Hedwig Brandts Abwesenheit wurden die Kinder von der Schwägerin betreut. Nach dem Tod ihres Mannes stürzte Hedwig Brandt in eine schwere wirtschaftliche Krise: Blohm & Voss zahlte ihr nicht die (Witwen) Betriebsrente. Dies belastete sie sehr und machte sie krank. Trotzdem war sie voller Begeisterung dabei, als 1955 Fritz Mey, ein ehemaliger Mitarbeiter des 1945 in Dresden ausgebombten Zirkus Sarrasani, mit Spendengeldern versuchte, das Unternehmen wieder aufzubauen. Sofort gab sie ihr Einverständnis für den Zirkusnamen "Sarrasani" und reiste 1956 zu dessen Eröffnungsvorstellung nach Mannheim. Ein Jahr später verstarb sie.
Elisabeth Büttner
(Portrait) Malerin
4.12.1853 Hamburg - 5.4.1934 Hamburg
Elisabeth Büttners Vater, Johann Christoph Büttner, war Kaufmann und besaß das Geschäft "Büttner & Co. Commissionsgeschäft" bei der Petrikirche 3 in Hamburg. Zum Zeitpunkt der Hochzeit ihrer Eltern im Jahre 1856 waren die Töchter Elisabeth und Johanna (geb. 1855) bereits geboren. Zwei Jahre nach der Hochzeit starb der Vater und hinterließ seine schwangere Frau Catharina Margaretha Elisabeth, geb. Kröger (geb. um 1823, gest. 1899) mit den zwei Töchtern. In dieser Situation nahm die Witwe eine weibliche Verwandte in ihrem Haushalt auf und führte das Geschäft ihres verstorbenen Mannes weiter. Mit dieser Verwandten und ihrer Tochter Johanna lebte sie bis zu ihrem Tod in einem gemeinsam geführten Haushalt im Kreuzweg 11.
Die Büttner Schwestern blieben ledig. Johanna Büttner (gest. 1900) wurde Krankenpflegerin. Anna Büttner (gest. 1925) wurde Lehrerin. Diese lebte mit ihrer Schwester Elisabeth in der Brückwiesenstraße 31, wohin Elisabeth Büttner, nachdem sie zuvor in der Lübecker Straße 4 und am Schwanenwiek 29 gewohnt hatte, hingezogen war.
Elisabeth Büttner studierte an der Akademie in München und auch in Paris Malerei. Nach privaten Aufzeichnungen zufolge soll sie einen Sponsor in Pesc (Ungarn) gehabt haben. Dort in Ungarn und auch in Amerika sowie nach mündlicher Überlieferung ebenso in Russland soll sie als Lehrerin gearbeitet haben. Weitere Aufenthaltsorte waren Berlin und Rothenburg o. T. Dort in Rothenburg hatte sie Kontakt zur Malschule von Elise Mahler und Maria Ressel. Zu diesen beiden Malerinnen entwickelte sich eine über 30 Jahre währende Freundschaft.
Um die Jahrhundertwende sollten die beiden Schwestern Elisabeth und Anna Büttner in den Volksschuldienst berufen werden. Anna Büttner folgte dem Aufruf, Elisabeth fand dies erniedrigend und wurde freischaffende Künstlerin.
1904 reiste Elisabeth Büttner zum ersten Mal auf die Insel Hiddensee. Ab 1910 unternahm sie Sommeraufenthalte in Vitte auf Hiddensee. Dort erwarb sie 1914 ein "Hexenhaus", eine kleine, 1755 erbaute schilfgedeckte Fischerkate, die heute unter Denkmalschutz steht. Unter dem Dach hatte Elisabeth Büttner ihr Atelier. Elisabeth Büttner war Malgast des 1919 auf der Insel Hiddensee gegründeten "Hiddensoer Künstlerinnenbund". Auch war sie Mitglied im Künstlerinnenverein München.
1908 ließ Elisabeth Büttner an der Brückwiesenstraße 31 eine kleine Jugendstilvilla mit abgerundeten Ecken bauen, in der sie sich ein Atelier und eine Malschule einrichtete.
Im Alter von fast 66 Jahren adoptierte sie 1919 das Kind Ernst Richard, dessen ledige Mutter sie kannte, wahrscheinlich eine Malschülerin von ihr. Auch der Vater des Kindes, ein verheirateter Mann, soll Elisabeth Büttner bekannt gewesen sein, da auch er ein Künstler gewesen war. Die Kindseltern hatte Elisabeth Büttner bei ihren Inselaufenthalten auf Hiddenssee kennen gelernt.
1930 verkaufte Elisabeth Büttner, damals verarmt und krank, das Haus in Vitte auf Hiddensee für 2000,- Mark an Annemarie Pallat aus Berlin. In ihren letzten Lebensjahren lebte Elisabeth Büttner im Vorsorgungsheim Baumkamp 71.
Molly und Helene Cramer
Malerinnen
25.6.1852 Hamburg - 18.1.1936 Hamburg
13.12.1844 Hamburg - 14.4.1916 Hamburg
Die Schwestern waren die Töchter des wohlhabenden Kaufmanns Cesar Cramer. Erst nach dessen Tod 1882 begannen sie mit ihrer künstlerischen Ausbildung, da er seinen Töchtern untersagt hatte, Malerinnen zu werden. Sie ließen sich bei dem Antwerpener Maler Eugéne Joors ausbilden und malten Still-leben. Molly malte später auch Landschaften und Portraits, Helene hauptsächlich Blumenstillleben. Die Schwestern waren mit ihren Werken auf den großen deutschen Ausstellungen vertreten und unterstützten Mitglieder des Hamburger Künstlerclubs von 1897. Ihr Elternhaus in der Karlstraße 18 wurde zu einem beliebten Treffpunkt von Maler/innen- und Kunstfreundinnen und -freunden. Molly konnte sich durch Ausstellungen in Budapest, London, Moskau und Chicago internationales Ansehen verschaffen.
Minna Dittmer, geb. Heerwagen
Pseudonyme: Margot Werner u. Marie D.
Schriftstellerin
18.10.1840 Wandsbek - 17.8.1923 Hamburg
Über Minna Dittmers Herkunft und Lebensgeschichte ist leider nichts zu ermitteln. Der Eigenverlag für einige ihrer Publikationen (so für das Werk "Durch Mitteilung zum Verständnis, durch Verständnis zur Zufriedenheit. Eine philosophische Skizze." Hamburg 1888) in Harvestehude sowie Themen und Stil ihrer Veröffentlichungen legen die Vermutung nahe, dass Minna Dittmer gebildeten, wohlhabenden gesellschaftlichen Kreisen angehörte und sich in der bürgerlichen Frauenbewegung engagierte.
In ihrem unter dem Pseudonym Margot Werner erschienenen Werk "Eine Zeitfrage in 5 Bildern",
Hamburg ca. 1888, fasst sie in fünf dialogischen Szenen ihre Philosophie der bürgerlichen Frauenbewegung unter der Fragestellung zusammen: "Schafft es sittlichen Nutzen, wenn das weibliche Geschlecht gewerbliche, künstlerische, wissenschaftliche Vorbildung - unter Umständen Ausbildung - genießt zum Zweck selbständigen Schaffens?" So bessert in der zweiten Szene eine begabte Pianistin die familiäre Haushaltskasse auf, indem sie Töchtern aus dem Freundeskreis Musikunterricht erteilt. Sie überzeugt ihren Gatten, der bis dahin eine Erwerbsarbeit seiner Frau als demütigend empfunden hatte, vom Sinn eines solchen Tuns in einer wirtschaftlichen Notlage. In der dritten Szene setzt die Freundin einer gutbürgerlichen Tochter das Studium der Zahntechnik (!) durch und macht sich selbstständig. Obendrein ist sie glückliche Ehefrau und Mutter. Nachdem der eitle Vater der gutbürgerlichen Tochter als Wirtschaftsbetrüger entlarvt wird, verlässt er die Familie. Seiner Tochter ist es nicht möglich, etwas zum Unterhalt der Familie beizutragen, weil der Vater ihr ein Studium und eine Erwerbsarbeit verboten hat. In der vierten Szene bessert eine Mutter als Schneiderin diskret das schmale Lehrergehalt ihres Ehemannes auf. Sie kleidet die fünfköpfige Familie ein und sorgt für ein schönes Wohnungsinterieur. Alle ihre Kinder, auch die Mädchen, erlernen Berufe: Retuscheurin, Kalligraphin, Buchhalterin, Schriftsetzer. Zur Silberhochzeit der Eltern ermöglichen ihnen die Kinder einen dringend benötigten Kuraufenthalt. Die fünfte Szene spielt in einer antiken Republik und zeigt einen fiktiven Dialog zwischen einer "Frau Doktorin" und der Frau eines Handwerkers.
Minna Dittmers 56 Seiten umfassendes Büchlein "Maria. Eine Legende", Hamburg 1887, ist "Seiner Durchlaucht, dem Fürsten Bismarck, in Bewunderung und Ehrfurcht zugeeignet". Zitat aus dem Epos: "Kampf ist Beruf des Mannes zur Lösung der Probleme. Problem des Weibes ist: Sich selber zu erkennen und Wunden mild zu heilen, was feindlich, zu versöhnen."
Minna Dittmer verfasste auch Gedichte, so "Naturkinder. Gedichte", Verlag v. J. F. Richter, Hamburg 1887, oder das Buch "Philo-Sophia oder Weisheitsliebe, Lebensweisheit. Ein Versuch, dem weiblichen Geschlechte die Lehren und Schriften der Philosophen Sokrates und Plato durch Kürze und Einfachheit mehr zugänglich zu machen und dessen Aufmerksamkeit auf die Schriften selbst hinzulenken." Stuttgart 1889.
Eva Gaehtgens, verh. Bertels
Schriftstellerin
4.11.1872 - 31.1.1951 Hamburg
Eva Gaehtgens war die Tochter des Gutsverwalters und Kreischefs in Wenden (heute: Cesis) im Norden Lettlands, Johann Friedrich Gaehtgens, und seiner Frau Caroline, geb. Schilling. Die Familie mit ihren acht Kindern lebte in der Nähe vom legendären Schloss Stomersee im damaligen Livland bzw. Kurland.
Die romantische Seite ihrer Kindheit beschreibt die Schriftstellerin in ihren Büchern mit Erzählungen wie "Alt Livland. Heitere Bilder aus dem Baltikum" oder den Bänden "Großmutters Landgut" sowie "Winterleben". Anschaulich und idealisiert schildert sie die Innenwelt ihrer Kindheit, "als Livland dem sorglos spielenden Kinde glich, das mit jedermann gut Freund ist. Damals gab es keinen Druck von oben, keine Feindschaft nach unten. Die gute alte Zeit!"
Ihre autobiographischen Erinnerungen, in denen sie z. B. auch volkskundliche Skizzen von Festen im Jahreslauf beschreibt, beziehen sich auf die Zeit etwa zwischen 1885 und dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Bücher wurden ab 1918 in der Agentur des Rauhen Hauses, dem Verlag des Rauhen Hauses, Hamburg, verlegt. Sie erschienen in einer Reihe von Publikationen, die der Verlag im Rahmen der "Inneren Mission" als pädagogische Literatur vertrieb.
1906 heiratete Eva Gaehtgens im Alter von 35 Jahren Julius Bertels. Nach der Hochzeit soll sie ihrem Mann an seinen Wohnort Rostow am Don gefolgt sein und ihn während der Ehe auf seinen Reisen durch das damalige Südrussland und Persien begleitet haben. Das Paar soll sechs Kinder gehabt haben.
Vor dem Ersten Weltkrieg lebte die Familie Bertels wieder in Wenden. Während des Krieges hielt sich Eva Bertels bei ihrem Schwager, Pastor Max Glage, in Hamburg auf, und zwischen 1918 und 1919 wieder in Wenden, wo sie die für sie traumatischen Revolutionsereignisse erlebte, die sie in der 1925 erschienenen Schrift "Unter dem roten Grauen" verarbeitete. Ihr Mann Julius Bertels wurde 1918 auf dem Gut seines Cousins von Bolschewiki ermordet.
Nach 1919 siedelte Eva Gaehtgens endgültig nach Hamburg über. Dorthin bestanden enge verwandtschaftliche Verbindungen: So wohnte nicht nur ihr Schwager in Hamburg, sondern auch ihr Cousin, der Dramatiker und Erzähler Hermann Gaehtgens.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Eva Gaehtgens zweimal ausgebombt und lebte danach in Posen.
In ihrer hauptsächlich an Kinder gerichteten Hamburg-Literatur sparte sie den Zweiten Weltkrieg nicht aus. Sie beschrieb ihn tröstlich als soziales Ereignis, das den Vater von zu Hause wegnimmt bzw. verändert zurückkehren lässt.
In ihren Kinderbüchern beschreibt Eva Gaehtgens Eltern und Erwachsene stets als einfühlsam, verständnisvoll und nachsichtig belehrend. Ihre beispielhaften Erzählungen sollen Kinder etwa zu Fairness, Mut, Sparsamkeit und Frömmigkeit anhalten.
Eva Gaehtgens' Kinderbücher erlebten eine weite Verbreitung, worauf hohe Auflagen von 10.000 Exemplaren hindeuten.
Charlotte Hilmer
Malerin, Expressionistin
4.5.1909 Hamburg - 7.5.1958 Hamburg
Nach dem Abitur 1928 studierte Charlotte Hilmer von 1928 bis 1933 an verschiedenen Kunstschulen, so von 1928/29 an der Landeskunstschule in Hamburg; von 1929/30 an der Kunstakademie in Königsberg und von 1930 bis 1933 an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Während ihres Studiums beschäftigte sie sich hauptsächlich mit dem Aktstudium. Nach ihrer Ausbildung malte sie Personendarstellungen, Portraits und Stilleben. Nach 1941schuf sie auch Landschaften in Aquarell und Öl.
In der Zeit des Nationalsozialismus konnte sie sich künstlerisch nicht frei entfalten. Ihren eigenen auf dem Expressionismus basierenden Stil entwickelte Charlotte Hilmer erst ab 1950 bis zu ihrem Tod 1958.
Studienreisen führten sie nach Holland, Italien und Dänemark. Seit 1939 hatte sie Kollektiv- und Einzelausstellungen, so z. B. in der Hamburger Kunsthalle, in Lübeck, Darmstadt und Göttingen.
Werke von Charlotte Hilmer befinden sich in der Hamburger Kunsthalle, im Märkischen Museum Witten und in Privatsammlungen.
Verheiratet war Charlotte Hilmer mit dem Bildhauer Arnold Hilmer (1908-1993). Das Paar hatte eine Atelierwohnung in der Langen Reihe im Hamburger Stadtteil St. Georg. Später lebten beide in der Etzestraße in Hamburg Fuhlsbüttel.
Marie Hirsch - alias Adalbert Meinhardt

Schriftstellerin und Übersetzerin
12.3.1848 Hamburg - 17.11.1911 Hamburg
Marie Hirschs Bücher handeln von glücksuchenden Menschen. Es siegt immer die Besinnung auf die innere Pflicht und Würde. Häufig sind es die Frauen, denen das gelingt, die sich im Streit zwischen Liebe, Stolz und Würde auf letztere besinnen. Marie Hirsch kam aus einer großbürgerlichen Familie und veröffentlichte ihre Romane unter einem männlichen Pseudonym. "Das Pseudonym hatte ich angenommen, um möglichst unentdeckt und ungestört arbeiten zu können. Später, als es doch bekannt ward, hätte ich viel lieber meinen eigenen Namen auf den Titel meiner Bücher gesetzt, doch mußte ich mich dem Wunsche meiner Verleger fügen und den männlichen Schriftstellernamen beibehalten." In einem ihrer Romane heißt es: Vor dem kritischen Auge eines Rezensenten habe nur die männliche Autorschaft Bestand.


Irmgard Kanold
Bildhauerin
9. 2. 1915 Hamburg - 25.4.1976 Hamburg
Die Tochter der Hamburger Kaufleute Max Kanold und Johanna Kanold, geb. Hartmann, wuchs im Eilbektal auf. Ihre erste zweijährige Ausbildung erhielt sie bei dem Hamburger Bildhauer und Keramiker Jürgen Heinrich Block. Mitte der 1930er Jahre studierte sie bei Edwin Scharff an der Akademie Düsseldorf und anschließend noch einmal eineinhalb Jahre an der Münchner Akademie der bildenden Künste bei dem Bildhauer Bernhard Bleeker. Dann ließ sie sich zeitlebens in ihrer Heimatstadt Hamburg nieder.
In Hamburg hatte sie ein Atelier in der Hamburger Straße 192, unter der U-Bahnbrücke Dehnheide, wo sie zeitweilig in Kriegs- bzw. Nachkriegszeiten auch wohnte, bis sie Ende der 1950er Jahre mit ihrer Mutter nach Hamburg Groß-Flottbek zog. Die dortige Wohnung in der Waitzstr. 59 blieb auch nach dem Tod der Mutter im Jahre 1966 Irmgard Kanolds Zuhause. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod 1976. Auch ihr langjähriger Lebensgefährte, der Astrologe Eggers, wohnte dort.
Nach dem Tod des Vaters übernahmen Mutter - als Geschäftsführerin/Inhaberin - und Tochter - als Prokuristin - die im Handelsregister eingetragene Firma Max Kanold - Chemische Fabrik, die beim Tod der Mutter 1966 auf ihre Tochter als Firmeninhaberin überging. Welche Aktivitäten damals noch in der Firma entfaltet wurden, ist wie so vieles im Lebenslauf von Irmgard Kanold leider nicht bekannt.
Die zeitlebens unverheiratet gebliebene Bildhauerin war Vegetarierin und folgte ihrem Lebensgefährten als Anhängerin der von diesem vertretenen Hohlraumtheorie.
Der Verbleib ihrer Werke ist weitgehend unbekannt. Irmgard Kanold nahm zwischen 1938 und 1941 an mehreren Gemeinschaftsausstellungen Hamburger Künstlerinnen und Künstler im Kunstverein Hamburg mit Plastiken (Portraits) in Bronze, Kunststein, Holz und Gips teil. Sie unterrichtete Privatschüler und gestaltete Altar- und Krippenfiguren sowie Grabsteine; so auch ihren im Garten der Frauen aufgestellten Grabstein, einen trauernden Schwan.
Erni Kaufmann (geb. Handke)

Musikerin in Damenorchestern
3.6.1906 Witten a. d. Ruhr - 11.10.1957 Hamburg
Die musikalische Begabung der Geschwister Erni und Adolf Handke (31.12.1908-11.3.1975) zeigte sich schon früh. Ernis Bruder Adolf war von 1938 bis 1952 Erster Waldhornist im Berliner Philharmonischen Orchester, Ernis musikalische berufliche Laufbahn begann und endete in Hamburg in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Erni Handke spielte professionell Geige, Saxophon und Akkordeon. Sie trat u. a. mit dem Deutschen Damenorchester der Lissi vom Uhlenborn und mit dem Meistergeiger Ernesto Arcari aus Neapel im "Damen Attraktions-Orchester" auf. Sie gastierte mit den Damenorchestern u. a. im Haus Vaterland in Hamburg, einem "Konzertkaffee" mit Varieté und einem Tanzraum, in dem internationale Tanzkapellen auftraten. Das Repertoire der Damenorchester reichte von der U- bis zur E-Musik. Neben ihren künstlerischen Fertigkeiten hatten die Musikerinnen jung, schlank, elegant und äußerst attraktiv zu sein, um den Geschmack des zahlungskräftigen männlichen Publikums zu befriedigen. Gleichzeitig mussten die Musikerinnen, um in diesem Unterhaltungsgenre bestehen zu können, gefestigte Persönlichkeiten sein, die über selbstbewusste künstlerische Souveränität gepaart mit einem dezenten bescheidenen weiblichen Auftreten verfügten. Letzteres war von besonderer Überlebensnotwendigkeit, um sich gegen die immer wieder aufkommenden Verdächtigungen der Prostitution zu erwehren. Ihre sittsame, unschuldige
und elegante-dezente Erscheinung wurde auch durch ihre Kleidung unterstrichen. Oft traten die Musikerinnen in Trachten oder in langen weißen ohne raffinierten Schnitt geschneiderten Kleidern auf.
Männliche Musiker sahen in den Damenorchestern oft eine Konkurrenz, die sie mit unlauteren Mitteln bekämpften. So unterstellten sie den Damen sittenloses und unmoralisches Verhalten, diskriminierten ihre Tätigkeiten als minderwertige künstlerische Arbeit und traten für ein Verbot von Damenkapellen ein. Doch solche Verbote konnten nicht durchgesetzt werden, denn die Damen galten als eigenes Unterhaltungsgenre mit einer besonderen Anziehungskraft, die männliche Musiker nicht aufweisen konnten. Allerdings schlug sich dies weder in der Höhe der Gagen noch in der gesellschaftlichen Anerkennung der Musikerinnen nieder. So schrieb Erni Kaufmann am 12. März 1927 aus Köln an ihre Familie: "Wir ziehen weit umher in der Welt, spielen und singen für weniges Geld. Menschen sieht in uns keiner. Zigeuner."
Die Engagements lagen zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten. In jeder neuen Stadt, in der die Musikerinnen auftraten, mussten sie bei der Meldebehörde vorstellig werden und ihr Führungszeugnis vorweisen. Auch kam es vor, dass sie ihren sittlich-moralischen Lebenswandel zu erklären hatten.
Im April 1942 heiratete Erni Handke Schorsch Kaufmann. Er wurde 1945 als Soldat im Zweiten Weltkrieg getötet.
Katharina Klafsky, gesch. Liebermann, verw. Greve, verh. Lohse
Opernsängerin
19.9.1855 St. Johann/Ungarn - 22.9.1896 Hamburg
Geboren als Tochter eines Flickschusters, fiel sie schon als Kind durch ihre besondere stimmliche Begabung auf und sang ab dem achten Lebensjahr im Kirchenchor. Eine Gesangsausbildung konnten ihre Eltern nicht bezahlen. Nach dem Tod ihrer Mutter 1870 zog Katharina Klafsky nach Wien. Ihr Wunsch war es zu singen. Da sie weder Geld hatte noch einflussreiche Menschen kannte, arbeitete sie zunächst als Kindermädchen. Ihr Dienstherr, dem ihre Begabung aufgefallen war, schickte sie 1873 zu einem Organisten, der sie nach kurzer Ausbildung an den Direktor der
"Komischen Oper" in Wien empfahl, wo sie eine Anstellung als Choristin bekam. Später erfuhr sie eine Gesangsausbildung bei Mathilde Marchesi, der später bedeutendsten Gesangspädagogin des 19. Jhds. Die Ausbildungskosten wurden durch Spenden "hoher Persönlichkeiten" getragen. Zwei Jahre später brach Katharina Klafsky die Ausbildung ab. Freunde hatten ihr eingeredet, sie habe einen solchen "Schulzwang" nicht nötig. Doch schnell bereute sie diesen Schritt, denn sie fand kein Engagement als Solistin und musste weiterhin als Choristin arbeiten. Am Salzburger Stadttheater hatte sie erste kleine Erfolge. Doch wieder brach sie ab. Sie heiratete den Kaufmann Liebermann, zog mit ihm nach Leipzig, wo sie zwei Söhne gebar. Nach einiger Zeit trennte sich das Ehepaar, Katharina Klafsky nahm ein Engagement am Leipziger Stadttheater an. Dort sang sie im Chor und übernahm kleinere Rollen. Wieder stellten sich kleine Erfolge ein, so dass sie schließlich größere Aufgaben bekam. Im Oktober 1879 sang sie ihre erste große Wagner-Partie, die Venus in "Tannhäuser". Als ihr Chef, Operndirektor Angelo Neumann, im Sommer 1882 ein Tournee-Ensemble gründete, um Wagners "Ring der Nibelungen" in ganz Europa aufzuführen, nahm er auch Katharina Klafsky mit. Sie sang vornehmlich kleinere Rollen. Während einer Tournee durch Italien im Mai 1883 erkrankte sie an einer schweren Venenentzündung und an Malaria. Nach viermonatigem Krankenhausaufenthalt begann sie, obwohl noch schonungsbedürftig, aus finanziellen Gründen wieder zu arbeiten. Für die Spielzeit 1883/84 nahm sie ein Engagement bei Angelo Neumann an, der inzwischen Direktor am Bremer Stadttheater geworden war. Vorher war sie nach Leipzig gereist, um ihre Kinder abzuholen, die dort in Pflege waren. Auch in Bremen war sie nur für mittlere Rollen vorgesehen. Doch durch den Tod der Primadonna Hedwig Reicher-Kindermann und durch Misserfolge anderer Kolleginnen erhielt sie die Chance, große Partien zu singen. Ihre Leonore in Beethovens "Fidelio" wurde ein Riesenerfolg - der Durchbruch war geschafft. 1886 nahm Katharina Klafsky ein festes Engagement am Hamburger Stadttheater an und blieb hier mit Unterbrechungen bis zu ihrem Tod. 1887 heiratete sie ihren Kollegen, den Bariton Franz Greve, und bekam eine Tochter. Katharina Klafsky hatte nun große nationale und internationale Erfolge. Nach dem Tod ihres Mannes 1892, heiratete sie drei Jahre später den Kapellmeister am Hamburger Stadttheater, Otto Lohse. Im selben Jahr brach sie ihren Vertrag mit dem Stadttheater und verließ Hamburg für eine ausgedehnte Tournee durch die USA, wo sie in über 20 Städten erfolgreich auftrat. Nach ihrer Rückkehr vereinbarte sie mit dem Stadttheater, einen Teil der Saison in Hamburg, den anderen in den USA zu verbringen. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Am Abend des 11. Septembers 1896, als sie die Leonore im "Fidelio" gesungen hatte, bekam sie heftige Beschwerden: eine Gehirngeschwulst. Sie starb an den Folgen der Operation.
Elena Luksch Makowsky (geb. Makowsky)
Russische Malerin und Bildhauerin
14.11.1878 St. Petersburg - 15.9.1967 Hamburg
Elena wuchs zusammen mit ihren beiden Brüdern in glanzvollen aristokratischen Verhältnissen auf. Ihr Vater, Konstantin Makowsky war ein angesehener Maler, der darauf bestand, dass seine Kinder eine malerische Ausbildung bekamen. Im Herbst 1896 wurde Elena in der Kaiserlichen Akademie der Künste, St. Petersburg, dort in der Meisterklasse des kritischen Realisten Ilja Repin aufgenommen. Ihr zweiter Lehrer war der Bildhauer Wladimir Beklemischow.
Zuerst arbeitete sie mit Ilja Konjenkow an einem großen Relief, das die Schrecken des Krieges darstellt, eine Auftragsarbeit von Johann v. Bloch. Als er ihr ein Stipendium anbot, griff sie zu und ging 1898 nach München, erhielt u. a. Malunterricht im Atelier von Anton Azbè. In selben Jahr lernte sie den Wiener Bildhauer Richard Luksch (er schuf das im Garten der Frauen stehende Grabmal für Franziska Jahns. Luksch ist auf dem Ohlsdorfer Friedhof bei seiner zweiten Frau Ursula Falke bestattet) kennen. 1900 heiratete das Paar und ging nach Wien. Dort arbeitete Elena Luksch Makowsky ab 1901 als erste Frau mit Künstlern der Wiener Secession zusammen. Seit der Gründung der Wiener Werkstätten intensivierten beide ihre kunstgewerbliche Tätigkeit. Als Richard Luksch 1906 den Auftrag, Reliefs für die Fassade des Wiener Bürger-Theaters zu machen, aus Zeitgründen nicht ausführen konnte, gab er ihn an seine Frau weiter: In nur drei Monaten schuf sie eines ihrer Hauptwerke: drei große Melpomene-Reliefs, die sich heute im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe befinden.
1907 zog das Ehepaar mit seinen damals zwei Söhnen nach Hamburg, weil Richard Luksch eine Professur an der Hamburger Kunstgewerbeschule bekommen hatte. Elena Luksch Makowsky beschäftigte sich weiter mit dem volkstümlichen Leben ihrer Heimat. Es entstanden mehrere Reihen Volks-Bilderbogen. Als sie 1910 von Fritz Schumacher den Auftrag erhielt, ein Werk für den Hamburger Stadtpark zu gestalten, arbeitete sie eine Fayenceplastik, die sie "Ein Frauenschicksal" nannte: eine sitzende Frau, die den Kopf der künstlerischen Inspiration in Gestalt eines Kuckucks zuwendet, der auf ihrer Schulter sitzt, während drei Kinder - 1911 war Elenas dritter Sohn geboren - vorsichtig aus dem Schutz der herabfließenden Gewänder der Mutter herausblicken. Die Arm- und Handbewegungen der Frau gehen vom Kuckuck aus und zu ihm zurück und trennen schroff die beiden Welten voneinander. Fritz Schumacher beschrieb sehr einfühlsam: "Durch diese Kinder ist die Frau fest am Boden gebunden, sie kann nicht schreiten, wohin sie will, sie kann sich nicht bewegen, wie sie mag, (). Ihr Haupt aber kann sich frei bewegen. Oben im Geistigen ahnen wir noch eine zweite Welt. Sie lauscht dem Vogel mit einer Gebärde voll entsagungsvoller Sehnsucht."
Mit der Plastik "Frauenschicksal", das 1926 im Stadtpark aufgestellt wurde, endete 1912 ihre künstlerisch produktivste Zeit. "War es das Frauenschicksal, war es die fehlende Inspiration durch den Wiener Künstlerkreis, war es die zunehmende Entfernung von der russischen Heimat, die dazu führten, dass die künstlerische Spannkraft nachließ?" fragte Helmut Leppien in einem von ihm verfassten Beitrag über die Künstlerin. Es scheinen alle von Leppin genannten Motive Bestandteile dessen zu sein, was Elena Luksch Majowski "Frauenschicksal" nannte, und was sich auch heute noch oftmals als Frauenschicksal entpuppt. Noch immer ist es zumeist die Frau, die ihren Ort verlässt, sich den beruflichen Gegebenheiten des Mannes anpasst und für die Familie verantwortlich ist. Schon den Umzug nach Wien schloss Elena in ihr "Schicksal" ein. In Hamburg verschärften sich die Bedingungen nur noch. Die Familie war größer geworden - und erforderte mehr Zeit und Kraft. Die Kaufmannsstadt Hamburg und der Kreis um Richard und Ida Dehmel, dem das Paar angehörte, konnten ihr weder die Heimat und ihre Menschen noch die künstlerischen Anregungen ersetzen. Zudem wandte sich Richard Luksch einer anderen Frau zu. 1921 trennte sich das Ehepaar. Und auch die wirtschaftliche Lage während, zwischen und nach den beiden Weltkriegen war für Kunstschaffende sehr schwer. Weitere Werke von Elena Luksch Makowsky waren z. B. 1926 der Entwurf für die Senatsplakette "Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes" und die Gestaltung zweier Brunnen für die Meerweinschule (1930). Die Künstlerin gab privaten Kunstunterricht, übernahm private Portraitaufträge, fertigte Portraitbüsten, und beteiligte sich bis 1965 an verschiedenen Ausstellungen.
Das Motiv auf ihrem Grabstein ist Elena Luksch Makowskys dreiteiliger Lithographie-Serie zum Thema: "Der Krieg" entnommen.
Wilhelmine Marstrand (Antonia Josefina)
Pianistin und Pädagogin
7.8.1843 Donaueschingen - 16.8.1903 Spiez am Thuner See
Mit 16 Jahren begann Wilhelmine Marstrand ihr Studium am Stuttgarter Konservatorium. Sie gab erfolgreich Konzerte in verschiedenen Städten. 1868 zog sie nach Hamburg. Dort führte sie sich mit Johann Nepomuk Hummels a-moll-Konzert in der Philharmonie ein. Sie begann zu unterrichten und wurde Mitglied des Kollegiums am Hamburger Konservatorium. "Wilhelmine Marstrand war ein echter Charakter von merkwürdiger Festigkeit. Manches wäre nicht zustande gekommen, wenn sie sich nicht energisch und selbstlos dafür gemüht hätte. Mit nie ermüdender Fürsorge und mit heiligem Eifer arbeitete sie daran, die Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und sie immer mehr einzuführen in die Herrlichkeit der von ihr über alles geliebten Kunst."
Helga Pilarczyk
Opernsängerin
12.3.1925 Schöningen - 15.9.2011 Hamburg
Ursprünglich wollte Helga Pilarczyk Pianistin werden und nahm Klavierunterricht am Konservatorium Braunschweig. Sie setzte ihre Klavierstudien an der Hamburger Hochschule für Musik fort, gleichzeitig studierte sie Gesang in Braunschweig und Hamburg und ließ sich in rhythmischem Tanz ausbilden.
1951 gab sie ihr Debüt als Opernsängerin am Staatstheater in Braunschweig. und war dort bis 1954 festes Ensemblemitglied. Mit der Spielzeit 1954/1955 wechselte sie als Dramatischer Sopran zur Hamburgischen Staatsoper. Dort war sie bis einschließlich der Spielzeit 1966/1967 fest engagiert.
Helga Pilarczyk sang in Hamburg fast alle wichtigen
Fachpartien und entwickelte sich zur führenden Interpretin Moderner Musik, insbesondere der Zwölftonmusik des 20. Jahrhunderts.
Ihre Glanzrollen, mit denen sie auch international erfolgreich gastierte, waren vor allen anderen die Marie in Wozzeck und die Titelrolle in Lulu von Alban Berg. Außerdem gehörten das Monodrama Erwartung und der Gedichtzyklus Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg zu ihren wichtigsten Gesangsstücken.
Helga Pilarczyk hatte Gastverträge am Opernhaus Zürich (1955-1958), an der Deutschen Oper Berlin (1956-1960) und ab 1964 auch an der Deutschen Oper am Rhein. Sie trat an der Covent Garden Opera in London, beim Holland Festival, beim Maggio Musicale in Florenz, beim Glyndebourne Festival, an der Washington Opera, an der Mailänder Scala, bei der Musik-Biennale in Zagreb, bei den Wiener Festwochen, an der Lyric Opera in Chicago und an der Metropolitan Opera in New York auf.
1967 zog sie sich aus familiären Gründen weitgehend von der Opernbühne zurück, um sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Fortan trat sie nur noch selten auf, so 1969 an der Kölner Oper, 1982 am Theater in Bremen und am Théatre du Chatelet in Paris. 1988 war sie in Hamburg und London in Arnold Schönbergs Oratorium Die Jakobsleiter zu hören. Ab 1975 nahm Helga Pilarczyk Lehraufträge wahr und unterrichtete kontinuierlich.
Für ihre musikalischen Verdienste wurde Helga Pilarczyk in Hamburg zur Kammersängerin ernannt.
Lola Rogge
Tanzpädagogin, Choreographin, Tänzerin
20.3.1908 Altona - 13.1.1990 Hamburg
1927 gründete sie die nach ihr benannte Lola Rogge Schule, deren Leitung sie 1977 ihrer Tochter Christiane Meyer-Rogge-Turner übergab. Lola Rogge führte die Hamburger Labanschule, die ihr Lehrer Rudolf von Laban, einer der Protagonisten des modernen Ausdruckstanzes, gegründet hatte, weiter. Neben der ihr wichtigen pädagogischen Arbeit, die die Basis für den heutigen Beruf der Lehrerin/Lehrers für Tanz und Tänzerische Gymnastik schuf, wirkte Lola Rogge als Tanzregisseurin am Deutschen Schauspielhaus. Unter ihren selbstständigen choreographischen Arbeiten schätzte sie das 1950 uraufgeführte Tanz-Requiem "Vita Nostra" am meisten. Zur Musik der zeitgenössischen Komponistin Aleida Montijn verwirklichte sie ihr Gelöbnis im letzten Kriegsjahr, ein Mahnmal gegen Krieg und Terror zu choreograhieren, sollte sie mit ihrer Familie den Krieg überleben.
Emmy Ruben (geb. Geister)
Mäzenin
7.2.1875 Hamburg - 4.6.1955 Hamburg
In der Zeit des Nationalsozialismus galten Bilder vieler Künstlerinnen und Künstler als entartet und wurden aus den Museen entfernt. Die Mäzenin Emmy Ruben ließ sich davon nicht beeindrucken. Mit dem Ankauf von Bildern half sie nicht nur finanziell, sondern stärkte damit auch das Selbstbewußtsein der Künstlerinnen und Künstler.
Ihr Mann, der Kaufmann Albert Ruben, mit dem sie drei Kinder bekam, hatte sie an das Mäzenatentum herangeführt, was sie nach seinem Tod im Jahre 1926 fortsetzte.
1948 schenkte Emmy Ruben, die u. a. Mitglied der "Frauenliga für Frieden und Freiheit" und der "GEDOK" (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen) war, ihre Kunstsammlung von 146 Exponaten der Hamburger Kunsthalle.
Seit Juni 2016 gibt es den Emmi-Ruben-Weg im Bezirk Harburg, Stadtteil Hausbruch.
Amelie Ruths
Malerin der Vierlande und der Halligen
28.4.1871 Hamburg - 3.4.1956 Hamburg
Amelie Ruths entstammte einer bürgerlichen Familie und besuchte die Höhere Töchterschule von Helene Bonfort und Anna Meinertz. Als sie 24 Jahre alt war, starb ihr Vater und sein Bruder, der bekannte Landschaftsmaler Valentin Ruths zog zur Familie in die heutige Heinrich-Hertz-Straße. Seit etwa ihrem vierzehnten Lebensjahr hatte Amelie Ruths bei ihm Zeichen- und Malunterricht erhalten. Nun drängte er sie, das Zeichenlehrerinnenexamen zu machen, damit sie ihre Existenz sichere. Nach dem dreijährigen Besuch der Gewerbeschule für Mädchen mit dem Abschluss als Zeichenlehrerin arbeitete sie ab 1890 an verschiedenen Schulen. Als Valentin Ruths um 1900 erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1905. Im selben Jahr
beschickte sie zum ersten Mal eine Ausstellung. Der Erfolg motivierte sie und mit Hilfe der kleinen Erbschaft von ihrem Onkel erlernte sie bei dem Belgier Henri Luyten Freilichtmalerei und studierte in Paris den Impressionismus. Doch ihre Liebe galt der Nordseeküste, den Vierlanden und besonders den Halligen, die sie 1920 zuerst besuchte. In der Malerei ging es ihr um Licht und Farbe. Selbst als sie so schwer erkrankte, dass sie 1929 vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde, hielt sie an der Halligmalerei fest. Privat lebte sie mit ihren fünf Jahre jüngeren Geschwistern Frieda und Rudolph zusammen, die beide als Lehrer/in tätig waren. 1937 zogen sie in die Erikastraße 174. 1944 starb der Bruder. Als Amelie Ruths 1956 ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, erlitt ihre Schwester einen Herzschlag. Amelie Ruths, der man davon nichts erzählte, starb einen Monat später. Bilder von Amelie Ruths befinden sich z. B. in der Kunsthalle und im hamburgmuseum. Jedes Bild war für sie ein Stück erlebte Natur, das mittlerweile nicht mehr existierte.
Anna Marie Simon
Schriftstellerin, Pseudonym: Mania Korff
25.6.1864 Walsrode - 14.4.1931 Hamburg
Anna Simon war die Mutter von Leonore Toepke und Ellen Simon. Geboren als Tochter des Textilkaufmanns Julius Seckel und seiner Ehefrau Helene geb. Seckelsohn erkrankte Anna im Alter von sieben Jahren schwer und musste jahrelang das Bett hüten. Unregelmäßig erhielt sie Privatunterricht. Ihre Liebe galt der Literatur. Nach ihrer Genesung wollte sie Medizin studieren, doch ihre Eltern empfanden diesen Beruf als zu anstrengend für ihre Tochter. In dieser Zeit lernte sie Georg Simon kennen. 1889 heiratete das Paar. Es unternahm viele Reisen. Auf einer dieser Reisen nach Schweden lernte Anna Simon einige Schriftsteller kennen. Durch diese angeregt begann auch sie eine schriftstellerische Laufbahn. 1897 erschien in
einem Erfurter Verlag ihr erster Roman. Die Themen ihrer Romane behandelten Liebe, Leid, Krankheit, Freude und Tod. Später beschäftigte sie sich literarisch auch mit sozialen Fragen, so mit dem Leben von Arbeiterfrauen. Anna Simon veröffentlichte unter dem Pseudonym Mania Korff. Sie hatte Erfolg. 1897 trat Anna Simon mit ihrem Mann und ihren drei Kindern zum Christentum über. Nach dem Tod ihres Mannes Ende 1903, der es bis zum Landgerichtsrat gebracht hatte, schrieb Anna Simon keine größeren Werke mehr. Zunehmende gesundheitliche Probleme waren wohl die Ursache. Nach dem Ersten Weltkrieg zog sie mit ihren beiden Töchtern (der Sohn war verstorben) nach Hamburg in den Uhlenhorsterweg 30, später dann an den Andreasbrunnen 8.
Recherchen Dr. Stephan Heinemann, Potsdam
Ilse Tesdorpf-Edens
Malerin, Impressionistin
29.3.1892 Hamburg - 30.7.1966 Hamburg
Ilse Tesdorpf lebte als Kind mit ihren beiden jüngeren Brüdern und ihren Eltern in einer Villa am Rondeel 17 im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst. Der Vater war ein gutsituierter Kaufmann, die Mutter fungierte als Dame des Hauses.
Ilse Tesdorpf besuchte das Kreussler-Lyceum. Nach dem Abschluss im Alter von 19 Jahren war sie von 1912 bis 1915 Malschülerin bei dem Maler, Grafiker und Kunstpädagogen Arthur Siebelist (1870-1945). Sie malte Landschaftsbilder, Hamburger Stadtansichten, Stillleben, Menschen und unternahm u. a. Malreisen nach Dänemark, Paris, Mallorca, in die Schweiz und nach Norwegen sowie in Deutschland an die Nord- und Ostseeküste, nach Bayern und an die Elbe. Ilse Tesdorpf-Edens malte auch Hamburgs erste Oberschulrätin und Frauenrechtlerin Emmy Beckmann.
1918 heiratete sie den Maler Henning Edens (1885-1943). Das Paar lebte bis 1931 am Elbwanderweg in der Straße Oevelgönne 33, später in Nr. 34, danach in Nr. 76. Nach der Heirat trat ihr künstlerisches Schaffen in den Hintergrund. Erst nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1943 nahm sie ihre künstlerische Tätigkeit wieder voll auf. Kurz nach dem Tod ihres Mannes wurden sowohl ihr privates Heim als auch ihr Atelier am Rödingsmarkt 70 ausgebombt, so dass ihre bis dahin geschaffenen Werke alle verlustigt gingen. Nach der Ausbombung zog sie mit ihrer Mutter zu der mit ihnen befreundeten Familie Himpe in die Wellingsbüttler Landstraße 166, wo Ilse Tesdorpf-Edens neben Wohnraum auch eine Ateliernutzung erhielt. Die Familien Himpe und Tesdorpf kannten sich schon länger. Beide gehörten dem Großbürgertum an; Oscar Himpe hatte vor seinem Medizinstudium eine künstlerische Ausbildung erhalten.
19050/51 ließ Ilse Tesdorpf-Edens gemeinsam mit dem mit ihr befreundeten Ehepaar Walter und Olga Reimers, die auch ihre Mäzene waren, ein Doppelhaus mit zwei Wohneinheiten an der Wellingsbüttler Landstraße 68 errichten.
Ilse Tesdorpf-Edens war von 1948 bis 1955 Mitglied des 1949 von Adolf Wriggers gegründeten "Kleinen Hamburger Künstlerrings". Zu ihm gehörten u. a. die Maler Fritz Düsing, Albert Feser, Willi Voß, Felix Walner, Walther Reinke. Die politische Ausrichtung des Künstlerrings war links.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ilse Tesdorpf-Edens auch Mitglied der GEDOK.
Ilse Tesdorpf-Edens hatte z. B. Ausstellungen in den Jahren 1938, 1939, 1941 in der Herbstausstellung Hamburger Künstler, 1950 im Völkerkundemuseum, 1951 im Hamburger Kunstverein, 1952-1955 in der Hamburger Kunsthalle, 1954 in Wittenberg (DDR), Halle/Saale, Bitterfeld, Potsdam Weißenfels, Naumburg; 1970 im Hamburger Kunsthaus. 1992 wurde in der Galerie Mewes eine Gedenkausstellung zum 100. Geburtstag von Ilse Tesdorpf-Edens gezeigt. Ihre Bilder befinden sich u. a. in der Hamburger Kunsthalle, im Altonaer Museum und in der Sammlung Hamburger Sparkasse.
Marie Thierfeldt
Handweberin
20.2.1893 Frankenhof - 31.12.1984 Hamburg
Geboren wurde Marie Thierfeldt auf dem väterlichen Hof in Frankenhof, Kreis Gumbinnen, in Ostpreußen. Sie hatte zwei Brüder und eine äItere Schwester. Ihre Mutter war bereits verstorben, als im Ersten Weltkrieg das Elternhaus zerstört wurde. Den Auftrag für den Wiederaufbau des Hauses bekam der damals noch junge und unbekannte Architekt Hans Scharoun. Er, der später ein bedeutender Architekt wurde, war es, der Marie Thierfeldt, die eine Weblehre mit Gesellen- und Meisterprüfung an der höheren Textilschule in Berlin absolvierte, riet, nach Weimar zu gehen und dort am Bauhaus zu studieren. Marie Thierfeldt folgte dem Rat und studierte
zwischen 1924 und 1925 am Bauhaus in Weimar und 1926 am Bauhaus in Dessau.
"Gropius vermittelte mir das Gefühl für den Raum, Kandinsky die Fläche, Klee die Farbe", erzählte sie später.
"Meine künstlerische Arbeit bekam dann ihre Bestätigung in meiner Berufung zur außerordentlichen Lehrerin an der Königsberger Kunstakademie". Dort war sie von 1927 bis 1933 tätig. Dann betrieb sie eine eigene Webwerkstatt in Insterburg. 1941 ließen die nationalsozialistischen Behörden die Werkstatt schließen. Marie Thierfeldt wurde dienstverpflichtet. Silvester 1944 floh sie nach Schleswig-Holstein, wo sie als Jute-Weberin ihren Lebensunterhalt verdiente. Später übernahm sie in Ahrensburg eine kleine Weberei, bis sie 1950 in Hamburg am Mittelweg 145 Hinterhof eine Werkstatt errichten konnte. Dort standen drei große Webrahmen. Ein Webrahmen erlaubte sogar Spannbreiten bis zu drei Metern. Über ein Holztreppchen ging es zur Wohnwerkstatt. Auch hier standen Spinnräder und ein Webstuhl. Die Wohnung teilte sie sich mit ihrer älteren Schwester Lina Bartschat (26.7.1888 - 2.10.1970), die den Haushalt führte und auch die Angestellten - eine Weberin und zwei Lehrlinge - bekochte.
Marie Thierfeldt beschäftigte sich vor allem mit der Mischung und Abstufung der Materialfarben. Für einen Teppich in der St. Petri Kirche in Hamburg verwendete sie die Farbe Rot in 40 Varianten. Ihre Arbeiten waren und sind in vielen öffentlichen Gebäuden und Museen zu finden, so im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Sie stellte u. a. Wandteppiche für das Gemeindehaus Langenhorn, das Gemeindehaus Geesthacht, den Sitzungsraum der Großmarkthalle und für die Deutsche Botschaft in Stockholm her. Für die Hamburgische Staatsoper schuf sie den Wandteppich "Petruschka", der heute im Ballettzentrum hängt. Für den Wandteppich, den sie für das Gästehaus der Deutschen Bank herstellte, erhielt sie 1966 den Preis der Hamburger Kulturbehörde.
Leonore (Lola) Toepke geb. Simon
Bildhauerin
4.7.1891 Leopoldshall - 3.1.1945 im KZ Stutthoff
Lola Toepke war die Tochter der Schriftstellerin Anna Marie Simon. Lolas Ehe währte nur kurz. Sie besuchte die Landeskunstschule bei J.M. Bossard. 1928 hatte sie ein eigenes Atelier in der Breiten Straße 14. Sie arbeitete vorwiegend in Ton und Gips und schuf Portraits, figürliche Plastiken und Büsten. Ihre Vorbilder waren Barlach und Rodin. Nach dem Tod ihrer Mutter und Wegzug ihrer Schwester Ellen Simon zog Lola Toepke nach 1933 in die Lübecker Str. 82, wo sie auch ihrer künstlerischen Arbeit nachging. Lola Toepke wurde wegen ihrer jüdischen Abstammung am 25.4.1933 unehrenhaft aus der Hamburger Künstlerschaft und 1938 aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgestoßen. Sie durfte nicht mehr ausstellen. Am 6.12.1941 wurde sie ins Konzentrationslager Riga deportiert und von dort am 1.10.1944 ins KZ Stutthof.
Recherchen Dr. Stephan Heinemann, Potsdam
Edith Weiss-Mann (geb. Weiss)
Cembalistin, Klavierpädagogin, Musikkritikerin
11.5.1885 Hamburg - 18.5.1951 Westfield/New Jersey, USA
Edith Weiss-Mann war eine der ersten Cembalistinnen. Die Kaufmannstochter kam mit 15 Jahren an die Berliner Hochschule für Musik. Nach dem Examen gab sie privaten Klavierunterricht, bildete an der Hamburger Universität Musiklehrerinnen und -lehrer aus, wirkte 1923 beim Aufbau der Volksmusikschule mit und gründete 1925 die Vereinigung zur Pflege alter Musik in Hamburg. 1933 auf Grund ihrer jüdischen Abstammung als Lehrkraft entlassen, durfte sie nicht mehr öffentlich auftreten. 1939 emigrierte Edith Weiss-Mann zu ihrem Sohn in die USA, wo sie sich erfolgreich eine neue Karriere aufbaute. Nach ihrem Tod wurde ihre Urne in der Grabanlage ihrer Schwiegereltern - sie war mit dem Kunstmaler Wilhelm Mann verheiratet gewesen - beigesetzt.
Martha Winternitz-Dorda
Sängerin, Gesangslehrerin
28.3.1880 Wien - 9.12.1958 Hamburg
Martha Winternitz-Dorda begann ihre Sängerinnenlaufbahn 1899 -1901 in kleinen Rollen am Deutschen Volkstheater in Wien. Anschließend war sie an verschiedenen Bühnen engagiert, so von 1901-1902 in Troppau (Opava), 1902 -1903 in Linz/Donau, 1901-1906 am Theater von Graz und von 1908-1910 am Raimund Theater in Wien. Von 1910 -1933 gehörte sie als erste dramatische Sopranistin dem Hamburger Stadttheater (Hamburgische Staatsoper) an. Ihre besondere Vorliebe galt der modernen Musik, besonders der von Arnold Schönberg. Martha Winternitz-Dorda war die erste Interpretin der George-Lieder von Schönberg - gemeint ist damit die Uraufführung der Fünfzehn Gedichte op 15 für hohe Stimmen und Klavier aus: "Das Buch der hängenden Gärten" von Stefan George am 14.1.1910 in Wien. Auch sang sie die Partie der Tove in
der Uraufführung von Schönbergs "Gurreliedern" (Wien, 23.2.1913). Schönberg selbst äußerte sich über Martha Winternitz-Dorda 1949: "Sie war sehr gut, extrem musikalisch."
Martha Winternitz-Dorda gastierte an vielen Opernhäusern, so an den Hoftheatern von Karlsruhe und Mannheim und am Opernhaus in Leipzig (1912). Auch war sie an der Oper von Chicago engagiert (1913-1914). 1933 verabschiedete sie sich in Hamburg von der Bühne mit ihrem Auftritt als Marschallin im "Rosenkavalier". Danach lebte sie bis zu ihrem Tod als Gesangspädagogin in Hamburg.
In erster Ehe war sie mit Arnold Winternitz (1874-1927) verheiratet, Komponist und Kapellmeister an der Hamburger Oper. Auch er hatte sich der modernen Musik verschrieben. 1918 sang Martha Winternitz-Dorda in Hamburg in der Uraufführung seiner Oper "Meister Grobian". Nach dem Tod ihres Mannes heiratete sie in zweiter Ehe den Pianisten Richard Goldschmied.
Gretchen Wohlwill
Malerin der Hamburgischen Sezession
27.11.1878 Hamburg - 17.5.1962 Hamburg
Pflicht, Güte und Nächstenliebe war das Lebensmotto der Malerin Gretchen Wohlwill. Ihre Eltern, der Vater Chemiker, wandten sich vom jüdischen Glauben ab. In den Geburtsscheinen ihrer Kinder stand "konfessionslos". Nach ihrer Kunstausbildung machte sie das Zeichenlehrerinnenexamen, arbeitete ab 1910 als Kunsterzieherin an der Emilie-Wüstenfeld-Schule und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Hamburgischen Sezession. 1933 wurde sie aus dem Schuldienst entlassen und aus der Hamburgischen Künstlerschaft ausgeschlossen. 1937 wurden vier ihrer Arbeiten als entartet beschlagnahmt, 1938 ihre für die Emilie-Wüstenfeld-Schule gemalten Wandbilder übermalt. 1940 emigrierte sie nach Portugal, kehrte 1952 nach Hamburg zurück und errang als Künstlerin Anerkennung und Auszeichnungen.
Henny Wolff
Konzert- und Oratoriensängerin, Gesangspädagogin
3.2.1896 Köln - 29.1.1965 Hamburg
Da die Mutter Konzertsängerin und Gesangspädagogin war und der Vater als Musikkritiker arbeitete, hatte Henny Wolff schon als Sechsjährige den Wunsch, Sängerin zu werden. Zwischen ihrem zehnten und sechszehnten Lebensjahr erhielt sie Unterricht am Kölner Konservatorium. Als Bach- und Händel-Interpretin gelangte die Sopranistin zu Weltruhm. Daneben standen Lieder von Brahms und Werke der Moderne auf ihrem Programm. Zeitlebens arbeitete Henny Wolff auch als Gesangspädagogin. Von 1914 bis 1916 lehrte sie am Bonner Konservatorium, ging 1922 nach Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hamburg. Dort leitete sie von 1950 bis 1964 die Klasse für Sologesang an der Musikhochschule. 1958 erhielt sie die Brahms-Medaille.