Waldfriedhof Wohldorf/Ohlstedt

Jede Frau erzählt ihre eigene Geschichte – entdecken Sie ihr Vermächtnis.

Waldfriedhof Wohldorf/Ohlstedt

    Hedi Höpfner Scheinpflug

    Tänzerin, Schauspielerin, Schauspiellehrerin

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    25.5.1910
    Berlin
    -
    24.8.1988
    Hamburg
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    Waldfriedhof Wohldorf7Ohlstedt, Grablage XIII. Bereits im Alter von sechs Jahren trat Hedi Höpfner mit ihrer damals vierjährigen Schwester Margot (ihr Grabstein steht im Garten der Frauen) als Tänzerinnen auf. Ihren ersten Auftritt hatten sie in dem Stummfilm Kindertränen. „Die beiden hatten eine Tanzausbildung an der Städtischen Oper Berlin erhalten. Neben der Opernschule erhielten Hedi und Margot Schauspielunterricht bei Carl Winter und Robert Müller (…), Gesangsunterricht bei Fredl Strauß und die pädagogische Ausbildung bei Niedecken-Gebhardt. Sie besuchten die Tanzschulen von Victor Gsovsky (Ballett), Trümpy-Skoronel (modern), Morrow (Flamenco) und Raden Mas-Jodjana (indische Tanzlehre). 1928 erhielten die Geschwister Höpfner einen Nachwuchspreis für ihre Auftritte im Kabarett der Komiker.“ Hedi Höpfner, die in erster Linie als Theaterschauspielerin auftrat, wirkte in den 1930er und 1940er Jahren auch „in mehreren Ufa-Produktionen mit, vornehmlich in Tanzrollen, darunter auch in dem Hans-Albers-Film Münchhausen. Jedoch fielen unter anderem die Szenen mit ihr nach der Premiere der Zensur zum Opfer. Auf Hans Albers' Wunsch entstand einer der ersten Farbfilme des Deutschen Reiches mit dem Titel Der Bunte Reigen (…). Es handelte sich um einen knapp zehnminütigen Vorfilm aus drei Tanzszenen, in dem der Kaiserwalzer das Prunkstück bildete. Die jungen Schwestern mussten entgegen ihren Vorstellungen ein regimetreues Repertoire umsetzen. Eine weitere Tatsache war, dass beide an zweiter Stelle nach Leni Riefenstahl zu den Künstlern gehörten, die auf der Liste des Reichspropagandaministeriums aufgeführt waren. (…). Die Auflistung bedeutete, dass die Schwestern pausenlos beschäftigt werden mussten. Das nunmehr eher leicht unterhaltsame Programm, das nicht die gesamte Palette ihres Könnens unter Beweis stellen konnte, führte dazu, dass einer ihrer besten Freunde, der Kabarettist Werner Finck, ihnen den Titel ‚Reichshupfdohlen‘ gab. Dieses Image wurden sie hiernach nie los.“ [1] Ab 1939 gaben die Schwestern Höpfner eigene Tanzabende. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als in Berlin vieles zerbombt war, zogen die Schwestern zu ihren Eltern nach Süddeutschland. „Nachdem sie 1947 wieder ihre Lizenz erhielten, tourten sie mit Tanzabenden durch ganz Europa und gastierten als Schauspielerinnen auf mehreren Bühnen. Hamburg wurde ihre Wahlheimat. (…).“ 1) Ende der 1950er-Jahre beendeten die Schwestern ihre Zusammenarbeit. Hedi Höpfner eröffnete in Hamburg die Schauspielschule „Bühnenstudio Hedi Höpfner“. Dazu heißt es auf der Website der Schule: „Das Bühnenstudio der Darstellenden Künste, an dem unter der Leitung von Hedi Höpfner Tanz und Schauspiel unterrichtet wurde, war in der Hansastraße, Nähe Rotherbaum, geboren. In Höpfners über 30-jährigen Tätigkeit wurde das Bühnenstudio der Darstellenden Künste zu einer der renommiertesten Schauspielschulen Deutschlands, aus der erfolgreiche Schauspieler*innen wie z.B. Klaus J. Behrendt, Thomas Fritsch und Christoph M. Ohrt entsprangen.“ 2) Nach dem Tod von Hedi Höpfner übernahm Doris Kirchner die Schule. 1] Wikipedia: Margot Höpfner, unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Höpfner (abgerufen: 5.12.2022) 2) https://schauspielschule-buehnenstudio.de/schauspielausbildung/schauspielschule/

    Christa Hoffmann-Riem

    Professorin für Soziologie

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    31.8.1937
    Duisburg
    -
    19.8.1990
    Hamburg
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    Waldfriedhof Wohldorf/Ohlstedt, Grablage: Xc 34. Christa Hoffmann-Riem wurde am 31.08.1937 in Duisburg geboren, studierte an der Kölner Universität Soziologie und schloss ihre Studien bei Prof René König - einem politisch Verfolgten des NS-Regimes und nach Rückkehr aus der schweizerischen Emigration einem der namhaftesten Vertreter der Soziologie Nachkriegsdeutschlands - ab. Sie arbeitete zwei Jahre lang an dem unter Königs Leitung stehendem Kölner Institut für Selbsthilfe und Sozialforschung und promovierte 1964 mit einer Forschungsarbeit über die Kommunikation einer Gewerkschaft mittels deren Zeitschrift. Nach einem Aufenthalt als Research Follow an der California-Universität von Berkeley lehrte sie seit 1966 Soziologie an der Universität Hamburg, seit 1977 als Professorin. Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit waren vor allem die Familien- und Sprachsoziologie. Ihr methodischer Fokus lag auf der qualitativen Sozialforschung, besonders der Erzähl- und Biographieforschung Theoretisch orientierte sich Christa Hoffmann-Riem an dem Symbolischen Interaktionismus (eine soziologische Theorie, die sich mit der Interaktion zwischen Personen beschäftigt und auf dem Grundgedanken fußt, dass die Bedeutung von sozialen Objekten, Situationen und Beziehungen im symbolisch vermittelten Prozess der Interaktion/Kommunikation entsteht [1]) und der Phänomenologischen Soziologie (eine am genauen Beobachten und intuitiven Zusammenfügen von sozialen Tatsachen orientierte Sozialwissenschaft, die nicht von übergeordneten Theorien her ableitet oder empirisch auf Datenerhebungen und Statistiken beruht [2]). Ihre Prinzipien der qualitativen Sozialforschung Offenheit und Kommunikation fasste Christa Hoffmann-Riem 1980 in einem Aufsatz zusammen, der auch außerhalb der Soziologie starke Beachtung fand. [3] Ihr bekanntestes wissenschaftliches Werk ist "Das adoptierte Kind. Familienleben mit doppelter Elternschaft." aus dem Jahre 1984. Es beruht auf narrativen Interviews von 30 Adoptiv-Elternpaaren, um die Lebenswirklichkeit des adoptierten Kindes zu konstruieren - seinerzeit eine neue methodische Technik in der Soziologie In dem Nachruf ihres Soziologie-Kollegen Prof. Gerhard Kleining von der Hamburger Universität wird Christa Hoffmann-Riems Persönlichkeit und berufliches Wirken wie folgt beschrieben: "Offenheit und Gesprächsbereitschaft, ihre methodologischen Forderungen für Soziologieforschung, waren auch markante Kennzeichen ihrer eigenen Persönlichkeit. Sie war frei von Dogmatismus, offen für das Wagnis wissenschaftlicher Erkenntnis. Sie war gleichermaßen offen für das Gespräch mit Kollegen, die ihren Rat suchten. In besonderem Maße davon profitiert haben Studierende. Ihre Veranstaltungen, glänzend vorbereitet, waren sehr gut besucht, ihre Praktika hoch geschätzt. Als Betreuerin von Examensarbeiten und Dissertationen war sie stark gefragt. Dabei hat sie eine erhebliche Arbeitslast auf sich genommen in der behutsamen Hilfe für Studierende auf ihrem Weg zur Wissenschaft." [4] Ihr Bruder und ebenfalls Soziologe, Gerhard Riemann, und ihre Doktorandin und spätere Soziologie-Professorin in Hamburg, Marianne Pieper, charakterisieren einen "unprätentiösen und bescheidenen Praxisstil" und beschreiben "…ein ganz selbstverständliches Bemühen, mit denen im Gespräch zu bleiben, um die es in ihrer Forschung geht, zu ihrer Selbstverständigung beizutragen und - darüber hinaus - ihre soziologischen Einsichten gegenüber einem nichtsoziologischen Publikum zu vermitteln, um auf bestimmte Risiken oder Gefahren aufmerksam zu machen oder Handlungsspielräume auszuloten. Sie war weit davon entfernt, viel Aufhebens um diesen Praxisstil zu machen, er gehörte einfach zu ihrer Person. … Es handelt sich um ihre Antwort auf Fragen, denen sie nie ausgewichen ist - Fragen nach den forschungsethischen Grundlagen und der Praxisrelevanz des eigenen Forschungshandelns, die häufig in den Alltagsroutinen von Sozialwissenschaftlern in Vergessenheit geraten oder verdrängt werden." [5] Deshalb setzte sich Christa Hoffmann-Riem 1984 auch energisch gegen die Pläne des Hamburger Jugendamtes ein, die Aufbewahrungsfristen der Adoptionsakten auf drei Jahre zu verkürzen. Dadurch würde es adoptierten Kindern unmöglich gemacht, an Informationen über ihre eigene Herkunft zu gelangen In zahlreichen Eingaben an Hamburger Behörden und Politikern setzte sie sich tatkräftig und unter Ausweis ihrer nachgewiesenen Kompetenz - sie hatte gerade ihre Arbeit über das adoptierte Kind abgeschlossen - für die Erhaltung der Adoptionsakte als eines "biographisch wichtigen Dokuments der Adoptierten" ein. Gemeinsam mit Adoptiveltern, einer Interessengruppe von Adoptierten und in diesem Bereich tätigen Sozialarbeiterinnen konnte Christa Hoffman-Riem die Vernichtung der Adoptionsakten verhindern. [6] Schon 1984 hatte Christa Hoffmann-Riem durch einen bösartigen Tumor ein Auge verloren und darüber einen beeindruckenden autobiographischen Bericht auf Englisch verfasst. [7] Christa Hoffmann-Riem starb am 19.08.1990 an einer Krebserkrankung. Sie wurde mitten aus ihrem akademischen Leben gerissen - sie arbeitete an einer Studie zur lebensgeschichtlichen Erfahrungen von Arbeitsimmigrantinnen in Deutschland, an einem Projekt über Chancen und Risiken gentechnisch gestützter pränataler Diagnostik und wollte den Stellenwert der reproduktionsmedizinischen Behandlung in den Biographieverläufen der betroffenen Paare untersuchen. "Im Mai [1990] erfährt sie dann von ihrer Diagnose, es verändert sich alles. Sie kämpft gegen die Krankheit, sie nimmt ihr Sterben an. Dann kommt sehr schnell der 19. August." [8] Die Christa-Hoffmann-Riem-Stiftung vergibt seit 1998 den "Preis für Recht und Gesellschaft", mit welchem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet werden, die sich durch ihr Werk insgesamt oder durch herausragende einzelne Arbeiten um die Forschung an den interdisziplinären Grenzbereichen des Rechts besonders verdient gemacht haben. Das Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg (heute Leibniz-Institut für Medienforschung Hans-Bredow-Institut) hat den mit 10.000 EUR dotierten Christa Hoffmann-Riem-Preis für qualitative Sozialforschung zurecht nach ihr als einer Pionierin dieser Forschungsrichtung benannt. Text: Ingo Böhle Quellen: 1 Siehe u. a. Jakob Krüger: Symbolischer Interaktionismus nach Herbert Blumer. Grundsätze und Methoden. Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen, Wintersemester 2010/2011 (https://docplayer.org/39195805-Symbolischer-interaktionismus-nach-herbert-blumer-grundsaetze-und-methoden.html). 2 Siehe u. a. Bühl, Walter L.: Phänomenologische Soziologie Konstanz (UVK) 2002. 3 Die Sozialforschung einer Interpretativen Soziologie - Der Datengewinn. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 32, 1980, Heft 2, S. 339-372. 4 Gerhard Kleining: In memoriam Christa Hoffmann-Riem. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 42(4), S. 801 Losing a Significant Part of the Body (https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/4103). 5 Marianne Pieper/Gerhard Riemann: Einleitung. In: Elementare Phänomene der Lebenssituation: Ausschnitte aus einem Jahrzehnt soziologischen Arbeitens. (Interaktion und Lebenslauf, 8). Weinheim 1994, S. 8-9. 6 Ebenda, S. 13-15. 7 Christa Hoffmann-Riem: Losing a Significant Part of the Body. In: Elementare Phänomene der Lebenssituation: Ausschnitte aus einem Jahrzehnt soziologischen Arbeitens. (Interaktion und Lebenslauf, 8). Weinheim 1994, S. 353-363. 8 Ebenda, S. 8.

    Renate Kampmann

    Drehbuchautorin, Autorin

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    3.3.1953
    Dortmund
    -
    9.10.2025
    Hamburg
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    Waldfriedhof Wohldorf, Grablage V 45 Renate Kampmann wurde 1953 in Dortmund geboren. Ihre berufliche Laufbahn begann sie als Fremdsprachenkorrespondentin. Dann arbeitete sie als Dramaturgieassistentin bei Peter Zadek in Bochum, wurde Assistentin des Schauspieldirektors in Kiel und Produktionssekretärin beim NDR in Hamburg. Schließlich studierte sie Germanistik und Geschichte und schloss das Studium mit dem Magister ab. Nach dem Studium arbeitete sie als freie Journalistin, außerdem als Assistentin im Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb in Berlin und als Redakteurin beim NDR Hörspiel sowie als TV-Producerin bei Studio Hamburg. Sie schrieb Drehbücher für die TV-Serie „Doppelter Einsatz“ und produzierte auch drei Staffeln von dieser RTL-Serie. Seit 1995 lebte sie in Hamburg und arbeitete als freie Autorin.  Sie schrieb Drehbücher auch für die Krimifernsehserien "SOKO 5113", "Donna Leon" ,"Bella Block", „Alarm für Cobra 11“, „Großstadtrevier“, oder auch für „Drei mit Herz“ und die Krankenhausserie, „St. Angela“. 2001 trat sie erstmals mit einem Kriminalroman an die Öffentlichkeit. Die "Die Macht der Bilder" hieß er. Es folgten noch drei weitere Kriminalromane: 2004 Im Schattenreich, 2005 Fremdkörper, 2008 Fremder Schmerz. Verheiratet war Renate Kampmann mit dem Schauspieler Klaus Mikoleit.

    Dr. med. habil. Hilt Lennartz

    geb. Oehlecker

    Privatdozentin für Virologie und Mikrobiologie

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    18.6.1918
    Hamburg
    -
    28.8.2017
    Hamburg
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    Waldfriedhof Wohldorf/Ohlstedt, Grablage:  VI 259. Hilt Lennartz war die Tochter des Chirurgen und Leiters des Barmbeker Krankenhauses, Prof. Dr. Franz Oehlecker und seiner Frau Helenita, geb. Storch und hatte noch vier Geschwister. Nach dem Abitur, Arbeitsdienst in der NS-Zeit und Ausbildung zur technischen Assistentin begann sie 1941 in Göttingen mit dem Medizinstudium. 1947 erfolgte das Staatsexamen und dann die Promotion. Danach arbeitete sie an verschiedenen Krankenhäusern. Ab 1952 beschäftigte sie sich am Heinrich-Pette-Institut mit dem Aufbau der Gewebekultur und der Diagnostik von Virusinfektionen. 1952 erhielt sie die Anerkennung zur Fachärztin für Laboratoriumsdiagnostik. Zwei Jahre zuvor (1950) hatte sie Helmut Lennartz geheiratet Das paar bekam drei Söhne. 1962 habilitierte sich Hilt Lennartz. Im selben Jahr verstarb ihr Ehemann. "Ihre Arbeiten wurden 1962 mit dem Hans-Kleinschmidt- und 1963 mit dem Martini-Preis ausgezeichnet. Ab 1965 übernahm Hilt Lennartz den Aufbau und die Leitung der Virologischen Abteilung des Hygienischen Instituts der Freien und Hansestadt Hamburg." 1) 1970 wurde sie zur Professorin ernannt. "1981 wechselte Prof. Lennartz vom Institut für Impfwesen und Virologie in die Gemeinschaftspraxis Dres. Fenner in die Bergstraße in Hamburg, wo sie bis 1991 tätig war. Prof. Dr. Lennartz hat über 100 wissenschaftliche Arbeiten publiziert. Ihre akademischen und beruflichen Erfolge sind vor dem Hintergrund des Todes ihres ersten Mannes im Zweiten Weltkrieg und ihres zweiten Mannes, dem Dozenten und Oberarzt Dr. Helmut Lennartz, im Jahre 1962 zu beurteilen. Ab 1962 war sie neben ihren beruflichen Verpflichtungen alleinerziehend für ihre drei Söhne verantwortlich." 1) Quelle: 1) Nachruf von Prof. Dr. agr. Bernd Lennartz, Rostock und Dr. Eva Otzipka, Laborgemeinschaft Dr. Fenner und Kollegen, in: Hamburger Ärzteblatt Nov. 2017, Jg. 71, S. 6.)

    Heidi Oetinger

    Verlegerin, Mitbegründerin des Verlages Friedrich Oetinger

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    19.11.1908
    Dalkendorf
    -
    5.10.2009
    Hamburg
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    Waldfriedhof Wohldorf/Ohlstedt, Grablage: Vom Eingang aus gesehen am rechten Hauptweg. Im rötlichen hohen Granitstein befindet sich das Verlagssignet, zwei Kinder auf dem Rücken eines Vogels, in Gold eingraviert. Ohne ihr Engagement hätte das Buch "Pippi Langstrumpf" in Deutschland nicht solch großen Erfolg gehabt. Gemeinsam mit Friedrich Oetinger baute sie den Hamburger Verlag auf und entwickelte ihn zu einem bedeutenden Kinder- und Jugendbuchverlag. Aufgewachsen in Hamburg war sie zuerst Anwaltsgehilfin in einer Seerechtskanzlei. 1948 wechselte sie als Sekretärin in den Verlag Friedrich Oetinger. 1952 heiratete sie in zweiter Ehe den Verleger Friedrich Oetinger. Ihr erster Mann war im Zweiten Weltkrieg als Soldat getötet worden. Nachdem sich Friedrich Oetinger in den 60-er Jahren aus dem Verlagsgeschäft zurückgezogen hatte, übernahm sie die Verlagsleitung bis Mitte der 1980-er Jahre. Heidi Oeti8nger erhielt vom Hamburger Senat die Senator-Biermann-Ratjen-Medaille verliehen und wurde 1988 vom schwedischen König zum Ritter erster Klasse des Königlich Schwedischen Nordsternordens ernannt. Außerdem erhielt sie 2009 das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Text: Rita Bake

    Karin Witte

    Malerin

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    02.02.1939
    -
    18.08.2025
    Hamburg
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    Bestattet auf dem Waldfriedhof Wohldorf-Ohlstedt, Grablage VI 85.

    Eltern: Tomma Witte, geb. Ande, medizinische Angestellte,Hermann Witte, Maler und Gebrauchsgrafiker

    Karin Elsa Emma Witte wuchs gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Thomas in Hamburg-Volksdorf auf. Ihr Vater, Hermann Witte, war Maler und schon früh malte und zeichnete auch Karin beeindruckende Bilder.

    In den 50ziger Jahren erwarb und bebaute die Familie das Grundstück in der Diestelstraße 7 in Hamburg-Ohlstedt.

    Karin Witte wollte Malerin werden wie ihr Vater. Aber nach dem Krieg hatte kaum jemand Geld für Kunst, so dass sich Hermann Witte als Kunstmaler für Werbung verdingte und seiner Tochter verbot, Malerin zu werden. „Damit verdient man kein Geld“ gab er seine Erfahrung weiter.

    Karin Witte absolvierte deshalb zunächst eine Ausbildung im Damenschneiderhandwerk. Über den Textilentwurf fand sie schließlich ihren Weg an die Hochschule für bildende Künste Hamburg. Dort studierte sie Stoffentwurf, Malerei, Zeichnung und Radiertechnik bei Willem Grimm und Paul Wunderlich; das Aktzeichnen bei Gustav Seitz wurde für ihre künstlerische Entwicklung besonders prägend.

    Karin Witte entschied sich früh für die Zeichnung als Fundament des Sehens. Daraus entwickelte sie ihre Malerei und – als Fortsetzung der Linie – die Druckgrafik.

    Als sie 20 Jahre alt war, nahm sich ihr Bruder das Leben. Das war fürchterlich für Karin Witte und blieb es bis zu ihrem Tod.

    Mehrere Jahre lebte und arbeitete Karin Witte im südfranzösischen Miramas. Dort zeichnete und malte sie, was sie umgab: Menschen in Cafés, Straßenszenen, Landschaften und Situationen des alltäglichen Lebens.

    Die unmittelbare Beobachtung blieb auch nach ihrer Rückkehr nach Hamburg ein wesentlicher Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens. Hier entwickelte sie eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit. Zugleich lehrte sie von 1978 bis 1987 an der Fachhochschule Hamburg und gründete 1981 ihre Malschule, zunächst in der Marktstraße 138. Später setzte sie ihre Lehrtätigkeit in ihrem Atelier in der Diestelstraße 7 fort. Der Atelieranbau wurde von dem Hamburger Architekten Volkwin Marg nach den ihren Vorstellungen entworfen. Über viele Jahre wurde die Malschule zu einem wichtigen Ort künstlerischer Ausbildung und des Austauschs.

    Karin Witte wurde eine weithin anerkannte Malerin. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie 1974 den Edwin-Scharff-Preis, 1982 die Berufung in die Freie Akademie der Künste und 2008 die Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund.

    Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Figuren, Puppen und Masken gehören zu den wiederkehrenden Motiven ihres Werks, ebenso wie Radierungen von großer zeichnerischer Präzision.

    Arbeiten von ihr wurden in zahllosen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, im Kupferstich-Kabinett Dresden, in den schleswig-holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf, im St. Annen-Museum Lübeck sowie in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.

    Karin Witte malte in Freiheit, gestaltete, sah, was andere nicht sehen konnten. Sie gestaltete die Wirklichkeit, ohne sie preiszugeben.

    In all dem war sie auch eitel, als „Malschwein“ - wie sie sich selbst bezeichnete - trug sie mit Farbe bekleckerte Kleidung aber außerhalb davon war sie ausgesprochen schick gekleidet und hatte natürlich auch viel Selbstgeschneidertes.

    Karin Witte malte an ganz unterschiedlichen Orten. Sie setzte sich an den Straßenrand und malte. Daneben stellte sie ein Schild auf „Bitte nicht fotografieren, das stört beim Malen“. Sie saß im Hühnerstall, am Rand der Bühne des Hansatheaters oder auf dem Hamburger Dom und hat gemalt.

    Wie sie arbeitete, hat Karin Witte selbst beschrieben:

    „Das Unerwartete hatte mich aufs Ganze herausgefordert, überrumpelt und schließlich besiegt. Es war einfach da - das, von dem ich nichts weiß. Namenlos, nicht ver- oder bekleidet, vollkommen neu. Könnte ich es mir doch herbeiwünschen! – Aber es geschieht nur aus sich selbst."

    Auch die Musik und der Tanz waren wichtige Ausdrucksmittel für sie. Sie spielte Gitarre und konnte selbstvergessen Flamenco tanzen. Ganz im Hier und Jetzt, in den Augenblick versunken. Zu ihrem 80. Geburtstag widmete ihr das Kloster Cismar 2019 die große Ausstellung Manchmal wie tanzen.

    Ihr Wunsch war es, im Grab ihrer Eltern und ihres Bruders beigesetzt zu werden. Auf ihrem Grabstein wird heute an sie alle gedacht.

    Von Karin Witte bleiben unzählige Werke, Bilder und Glasarbeiten. Sie hat immer gesagt, das seien ihre Kinder.

    Den Kernbestand ihrer Werke schenkte Karin Witte bereits zu Lebzeiten dem Forum für Künstlernachlässe e.V. in Hamburg, so dass ihre Bilder auch weiterhin zu sehen sein werden.

    Die Stiftung Forum für Künstlernachlässe wird das Grundstück und alle weiteren Werke dieser wundervollen Malerin übernehmen und das Atelier weiterführen. Dort werden nach Karin Wittes letztem Willen junge begabte Künstler*innen arbeiten können.

    Tomke Ande, Hamburg im Juli 2026

    Weiterführende Webseiten:

    Karin Witte - Künstlerin aus Hamburg (1939-2025)    www.karinwitte.de

    Karin Witte – Wikipedia    https://de.wikipedia.org/wiki/Karin_Witte

    Homepage - Forum für Künstlernachlässe - Hamburg   www.kuenstlernachlaesse.de