Neue Biografien

Frauen auf der Erinnerungsskulptur

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verstorbene Vereinsmitglieder

    Waltraud Glombig

    geb. Kemmelmeier

    94 Jahre, Stenotypistin

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    13.5.1931

    23.3.2026

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    Dr. theol. Evelin Albrecht

    Auszug aus der Ansprache im Abschiedsgottesdienst von Waltraud Glombig am 13.April 2026 Ohlsdorf

    Der Friede des Herrn sei mit uns Allen! Amen

    Wir sind hier zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von

    Waltraud Glombig, unserer Freundin, Verwandten und Bekannten.

    Wir haben sie jetzt alle vor Augen: Ein Bild aus dem letzten Sommer. Das Lächeln, mit dem sie bis fast zuletzt ihr Gegenüber beschenkte, auch wenn sie nicht mehr viel sprach, – das hinreißende Lächeln war Sprache genug und erfreute immer wieder. Und dazu die großen, ausdrucksvollen Augen, die einen freundlich, fröhlich anblickten. Verschmitzt! Und das war nicht erst im Alter so. Das war typisch für sie ihr Leben lang. „Das Fräulein mit den lachenden Augen“ hat einmal die Mutter eines ihrer Nachhilfeschüler gesagt, dem sie als 18-Jährige, als sie selbst noch zur Handelsschule ging, schon Unterricht gab: „Da kommt das Fräulein mit den lachenden Augen!“ Diesen Satz hat Waltraud selbst oft gerne wiederholt. Sie fühlte sich darin verstanden. Und sie war humorvoll und konnte schon mit ihrem Gesichtsausdruck, aber auch mit dem Erzählen von Anekdoten aus ihrem Leben andere zum Lachen bringen. In allem erwies sie sich als eine intelligente, lebenskluge Frau, die zwar kriegsbedingt eine unregelmäßige Schulzeit hatte, die aber Zeit ihres Lebens immer wissbegierig, vielseitig interessiert und aufgeschlossen war für alles Neue, für Kunst (besonders Frida Kahlo hatte es ihr angetan) und Geschichte, fremde Kulturen und Umwelt, gesellschaftliche und soziale Probleme und vieles andere, was sie mit wachem Verstand aufnahm und verarbeitete. Vor allem war sie politisch engagiert und vertrat ihren Standpunkt klar und selbstbewusst –  war aber auch tolerant im Gespräch mit anderen.

    Mit 19 Jahren heiratete sie. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter.  Ihren Mann hatte sie bei der gemeinsamen Arbeit im Reichsbund kennengelernt. Eugen Glombig war ähnlich wie sie sehr ehrgeizig und strebte eine Karriere als Politiker an. So wurde er mit der Zeit Mitglied der Bürgerschaft in Hamburg und dann in mehreren Wahlperioden Mitglied des Bundestages in Bonn. Da er selbst durch Kinderlähmung als Kleinkind behindert war, setzte er sich besonders für Behinderte, soziale Fragen und alle damit zusammenhängenden Probleme ein. Allerdings konnte er seine Konzentration auf seine politische Karriere nur wahrnehmen, weil er in Waltraud eine Frau an der Seite hatte, die ihm die praktischen und organisatorischen Dinge des Alltags, das Pendeln zwischen den Wohnungen in Bonn und Hamburg, die Vorbereitung und Begleitung bei den Reisen zu Kongressen und internationalen Begegnungen abnahm. Das hatte für Waltraud zwei Seiten: Einerseits kam sie dadurch viel in der Welt herum, war in Japan und China, in den USA und in Kanada, in Skandinavien und anderen europäischen Ländern – andererseits hatte sie viel Arbeit und kostete es sie große Kraft, die Vorbereitungen und Organisation zu bewältigen und dann jeweils  vor Ort wenig von Land und Leuten mitzubekommen, weil sie bei den Konferenzen immer an der Seite ihres behinderten Mannes sitzen musste und der ein eng vorbereitetes Programm zu absolvieren hatte. So gibt es viele Bilder von ihren Reisen – die aber immer nur Waltraud (oft als einzige Frau) in großen Männerrunden zeigen; Bilder, die aber auch zeigen, dass sie aufmerksam und wach die Gespräche verfolgte. (Dieses Gefühl, in anderen Ländern gewesen zu sein und sie doch nicht gesehen zu haben, hat sie später nach der Trennung von ihrem Mann durch selbständige Reisen, oft Bildungsreisen, zusammen mit jeweils einer ihrer Freundinnen überwunden).

    Die Gespräche und Begegnungen im politischen Bereich bedeuteten ihr viel. Hier fand sie auch  viel Anerkennung. Bei den Empfängen im Hamburger Rathaus oder den Galadiners in Bonn war sie eine beliebte und angesehene Gesprächspartnerin. So begegnete sie bedeutenden Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Als kleine Anekdote erzählte sie gern, dass sie sogar dem Schah von Persien bei dessen Deutschlandbesuch vorgestellt wurde, obwohl sie kein Wort französisch sprechen konnte. Auch von ihren Begegnungen mit Willy Brandt und ihrem freundschaftlichen Verhältnis zu Helmut Schmidt war oft die Rede. 65 Jahre lang war sie Mitglied der SPD. Und sie war sehr stolz auf die Anerkennung, als sie zum 60-jährigen Jubiläum dafür mit einer Urkunde „Für 60 Jahre treue Mitarbeit bei der Verwirklichung unserer gesellschaftlichen Ziele“ und einer Ehrennadel ausgezeichnet wurde.

    Waltraud Glombig war durch und durch eine Hamburgerin. Sie liebte diese Stadt. Sie war hier zu Hause. So ist es nur konsequent und für sie das Richtige, dass sie im „Garten der Frauen“ ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Markt in Ottensen, der Hamburger Fischmarkt, die Musikerstr. bei der Laeiszt-Halle, ein Künstler-Haus in St .Georg, die Alster – überall zog es sie immer wieder hin. Aber auch die Entwicklung der Hafen-City faszinierte sie und sie genoss es,  verschiedentlich in die „Elphi“ zu gehen. Aber nichts ging für sie über das alte Hamburg und den Michel. Die Zerstörung der Stadt 1943 stand ihr immer wieder vor Augen. Und so war sie begeistert, als sie zum  Begrünen der Stadt beitragen konnte, indem sie bei der Aktion „Mein Baum – meine Stadt“  im Jahre 2011 für einen Baum spendete. Dieser, eine Stiel-Eiche, wurde auf ihren Wunsch im Stadtteil Hamm gepflanzt, in dem Stadtteil, in dem sie ihre Kindheit verbracht hatte. Eine recht glückliche Kindheit zusammen mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Ludwig, der zu ihrem großen, lebenslangen Kummer im Alter von 18 Jahren starb. An ihn sowie an die kleine dreijährige Cousine, die 1943 im Feuersturm in Hamm ums Leben kam, erinnerte sie immer wieder, wenn wir „ihren“ Baum besuchten und seine Entwicklung sahen. Ein Zeichen ihrer Treue.

    Und treu war sie – gegenüber der Familie, die heute durch ihre Nichte mit deren Sohn und Tochter vertreten ist. Treu war sie auch gegenüber ihren Freundinnen und deren Familien. Diese Freundinnen sind alle vor ihr heimgerufen worden. Wenn man 94, fast 95 Jahre alt wird, ist der Kreis, mit dem man Erinnerungen austauschen kann, doch recht klein geworden. Umso eindrucksvoller ist es, dass heute die erwachsenen Kinder ihrer früheren Freundinnen unter uns sind und ihre Mütter sozusagen vertreten. Ein Zeichen dafür, dass sie auch zu ihnen nicht umsonst von sich aus den Kontakt gehalten und ihre Lebenswege immer im Auge behalten hat. Sie war und blieb ihnen treu – wie sie auch dankbar war für alle Treue, die ihr entgegengebracht wurde von nah und fern! Und auch neue Freunde sind im letzten Jahr noch dazu gekommen, die ihr hilfreich zur Seite standen.

    Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg verband sie eben mit dem Jahr 1943 und ihrer Ausbombung in Hamm; aber auch mit den 2 Jahren (1940-1942), in denen sie durch die Kinderlandverschickung nach Bayern, in die traditionsreiche Stadt Bayreuth gekommen war – eine Stadt, die ihr durch ihre Kultur und Geschichte bis in die letzten Jahre viel bedeutet hat. Die nächste Zäsur im Krieg gab es durch die Evakuierung 1943-1945, die sie nach der Ausbombung zusammen mit ihrer Mutter nach Wulfersdorf/später: Berlinchen, im Brandenburgischen führte. Das waren wichtige Jahre für sie. Zu den dortigen Bekannten fuhr sie auch zu DDR-Zeiten trotz schwieriger Bedingungen und unterhielt zu den Familien dort auch nach der Wende freundschaftliche Beziehungen. Auch dies ein Zeichen ihrer Beständigkeit und Treue.

    All solche Beziehungen – ob zu den Kindern einer Schulfreundin aus Wulfersdorf, die auch wieder zurück nach Hamburg kam, ob zu den Töchtern  ihrer Hamburger Freundinnen oder ob zum ehemaligen Nachbarsjungen aus dem Mecklenburgischen Güster, wo die Familie einige Jahre ein Wochenendhaus hatte,   – waren für sie wertvolle Erinnerungen bis zuletzt.

    Daneben aber blieben auch Erinnerungen an schweres Erleben immer präsent. Vor allem ein traumatisierender schwerer Verkehrsunfall auf dem Schulweg 1946 bescherte ihr viele Operationen und Schmerzen. Und kam ihr lebenslang bei jedem neuen Schmerzherd als Ursache wieder hoch. Aber das änderte nichts daran, dass sie ein lebensfroher Mensch bis ins hohe Alter blieb.

    So dürfen wir dankbar festhalten, dass Waltraud Glombig in allem Schweren und Schönen, das ihr Leben ausmachte, doch immer ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch blieb. Sie verstand es, den Augenblick anzunehmen und den bleibenden Wert darin zu erkennen. Darum bleibt sie in der Erinnerung als ein freundlicher und liebenswerter Mensch – der mit seinem Lächeln bezaubern konnte!

    Als Überschrift über die Anzeige hatte sie sich ausdrücklich gewünscht:

    „Gott spricht: Fürchte nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“(Jesaja 43,1) Dieses Wort – zusammen mit dem Wort aus der Lesung „nichts, aber auch gar nichts, kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ – hat das vielfältige, reichhaltige Leben von Waltraud Glombig bestimmt.  So möge sie nun heimgekommen sein und das bleibende Geborgensein in der Liebe Gottes erfahren.

    Gudrun Schaefer

    Professorin für Rhythmik an der Musikhochschule Hamburg, Dozentin am Studiengang Frauenstudien der Universität Hamburg

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    21.3.1942
    Lüneburg

    22.4.2026
    Hamburg

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    Geboren an 21.3.1942 in Lüneburg, erinnerte sie sich noch an Bombenalarme und die Übergabe der Wohnung an die Englische Besatzung. Der Vater übernahm als Chirurg 1945 die Leitung des Krankenhauses in Salzhausen, wo die Familie mit fünf Kindern zehn Jahre lang im Krankenhaus wohnte. Danach lebte die Familie in einem Haus am Dorfrand. Gudrun, die zweite in der Geschwisterreihe, war die „Spielmacherin“: sie musizierte mit Klavier und Flöte, leitete Zusammenspiel und chorisches Singen an, inszenierte kleine Theater-, Sing- und Tanzspiele bei Familienfesten, leitete das Mädchenturnen im dörflichen Turnverein.

    Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule in Lüneburg studierte Gudrun Fischer bis 1964 Rhythmisch-Musikalische Erziehung an der Musikhochschule Hannover mit dem Abschluss Staatlich geprüfter Musiklehrer Hauptfach Rhythmik. Ein Aufbaustudium „Schauspielangewandte Rhythmik“ folgte 1965 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Eine Ehe mit dem Architekten Jürgen Schaefer 1968 wurde nach vier Jahren wieder geschieden. Als Dozentin für Rhythmik, Bewegungslehre und Tanz/Musical übernahm sie Lehraufträge an Musikhochschulen in Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, Wuppertal, Bochum, Essen, Detmold und Hamburg. Das Studium Erziehungswissenschaften an den Universitäten Düsseldorf und Wuppertal schloss sie 1982 mit dem Diplom ab. Ihre Diplomarbeit zum Thema „Rhythmik als interaktionspädagogisches Konzept“ wurde 1992 im Waldkauz-Verlag Remscheid veröffentlicht. Ihr Verständnis von Rhythmik ging weit über Bewegungs- und Körperschulung hinaus.  Als interaktionspädagogisches Konzept verstand sie Rhythmik komplexes Zusammenspiel von musikalischen, körperlichen, räumlichen und sozialen Prozessen der Bildung. 1970-1982 leitete sie den Diplomstudiengang Rhythmik an der Hochschule für Musik und Theater Köln/Institut Wuppertal. Die Professur für Rhythmik einschließlich des Studienschwerpunkts Rhythmik im Studiengang Diplommusiklehrer hatte sie 1982-2005 an Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Gudrun Schaefer wirkte mit Bewegungs- und Präsentationstechniken im „Kontaktstudiengang Popularmusik“ mit. Sie richtete den 1. Bundeswettbewerb Rhythmik „Musik und Bewegung“ 1990 und den 1. Ernst-Baader-Wettbewerb für Lied und deutschsprachige Chansons 1992 an der Musikhochschule Hamburg aus.

    Hochschulpolitisches Engagement Seit den 1980er Jahren engagierte sie sich hochschulpolitisch im Fachbereichsrat Musikpädagogik als Sprecherin und stellvertretende Frauenbeauftragte, im Hochschulrat und im Hochschulsenat, wirkte als Frauenbeauftragte der Hochschule und als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Von 1989 bis 2005 arbeitete sie in der hochschulübergreifenden Gemeinsamen Konferenz für Frauenstudien und Frauenforschung Hamburgs mit. Von 1998 bis 2000 war sie Vizepräsidentin der Hochschule für Musik und Theater, als erste Frau in diesem Amt. „Sie war eine jener Personen, die nicht nur Positionen innehatten, sondern Räume öffneten: Räume für Diskussionen, für Widerspruch, für Forschung, für künstlerische Beiträge von Frauen, für eine Hochschule, die sich ihrer blinden Flecken bewusst wurde. Bei aller Strenge in der Sache darf nicht vergessen werden, dass Gudrun Schaefer im persönlichen Umgang ein sehr humorvoller Mensch war, der herzhaft lachen konnte und immer für einen Spaß zu haben war.“  So erinnert sich die Hochschule für Musik und Theater Hamburg in einem Nachruf.

Historische grabsteine

    Margot Höpfner

    verh. Westphal

    Tänzerin, Schauspiellehrerin

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    30.01.1912
    Berlin

    23.08.2000
    Bad Bevensen

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    Bereits im Kleinkindalter – Margot Höpfner war damals vier, ihre Schwester Hedi (15.05.1910 Berlin – 24.08.1988 Hamburg) sechs Jahre alt – traten die beiden Schwestern als Tänzerinnen auf. Ihren ersten Auftritt hatten sie in dem Stummfilm Kindertränen. „Die beiden hatten eine Tanzausbildung an der Städtischen Oper Berlin erhalten. Neben der Opernschule erhielten Hedi und Margot Schauspielunterricht bei Carl Winter und Robert Müller (…), Gesangsunterricht bei Fredl Strauß und die pädagogische Ausbildung bei Niedecken-Gebhardt. Sie besuchten die Tanzschulen von Victor Gsovsky (Ballett), Trümpy-Skoronel (modern), Morrow (Flamenco) und Raden Mas-Jodjana (indische Tanzlehre). 1928 erhielten die Geschwister Höpfner einen Nachwuchspreis für ihre Auftritte im Kabarett der Komiker. Margots großer Durchbruch gelang 1932 mit der Rolle der Spanischen Prinzessin in Gustaf Gründgens' Inszenierung des Stücks Banditen von Jacques Offenbach. Obwohl Margot Höpfner hauptsächlich Theater spielte, wirkte sie in den 1930er- und 1940er-Jahren auch in mehreren Ufa-Produktionen mit, vornehmlich in Tanzrollen, darunter auch in dem Hans-Albers-Film Münchhausen. Jedoch fielen unter anderem die Szenen mit ihr nach der Premiere der Zensur zum Opfer. Auf Hans Albers' Wunsch entstand einer der ersten Farbfilme des Deutschen Reiches mit dem Titel Der Bunte Reigen (…). Es handelte sich um einen knapp zehnminütigen Vorfilm aus drei Tanzszenen, in dem der Kaiserwalzer das Prunkstück bildete. Die jungen Schwestern mussten entgegen ihren Vorstellungen ein regimetreues Repertoire umsetzen. Eine weitere Tatsache war, dass beide an zweiter Stelle nach Leni Riefenstahl zu den Künstlern gehörten, die auf der Liste des Reichspropagandaministeriums aufgeführt waren. (…). Die Auflistung bedeutete, dass die Schwestern pausenlos beschäftigt werden mussten. Das nunmehr eher leicht unterhaltsame Programm, das nicht die gesamte Palette ihres Könnens unter Beweis stellen konnte, führte dazu, dass einer ihrer besten Freunde, der Kabarettist Werner Finck, ihnen den Titel ‚Reichshupfdohlen‘ gab. Dieses Image wurden sie hiernach nie los.“ [1] Ab 1939 gaben die Schwestern Höpfner eigene Tanzabende. „Margot Höpfner gelang es in dieser Zeit, ihre Ehe mit einem Münchener Orthopäden, aus der ein Kind (*1944) hervorging, zu verheimlichen. Dies spiegelt sich darin wider, dass sie im Geburtsjahr ihres Sprösslings von Hitler eine Ehrung mit der Anrede ‚Für Fräulein Margot Höpfner‘ erhielt.“[1] Eine NSDAP-Mitgliedschaft ist in der NSDAP-Gau- und Zentralkartei im Bundesarchiv Berlin-Lichtenfelde nicht nachweisbar. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als in Berlin vieles zerbombt war, zogen die Schwestern zu ihren Eltern nach Süddeutschland. „Nachdem sie 1947 wieder ihre Lizenz erhielten, tourten sie mit Tanzabenden durch ganz Europa und gastierten als Schauspielerinnen auf mehreren Bühnen. Hamburg wurde ihre Wahlheimat, in der Margot ihren zweiten Ehemann, den Zahnarzt Dr. Axel Westphal, kennenlernte. Mit der Kollegin Eva Fiebig begann sie Mitte der 1950er-Jahre an den Hamburger Kammerspielen Tanz und Schauspiel zu unterrichten. (…). Ende der 1950er-Jahre beendete Margot Höpfner die Zusammenarbeit mit ihrer Schwester aus privaten Gründen und eröffnete in Hamburg eine Schauspielschule, in der sie u. a. auch die Kunst der Pantomime unterrichtete, nachdem sie bei Marcel Marceau Lektionen erhalten hatte. Als Gründgens die Intendanz des Deutschen Schauspielhauses übernommen hatte, bat er Margot als Co-Regisseurin zu sich. (…). Margot schöpfte mehr und mehr aus ihrer Erfahrung, und ihr Leitsatz ‚Dem Nachwuchs eine Chance‘ wurde für 40 Jahre der wichtigste Inhalt ihres Lebens. Im Jahre 1986 inszenierte sie in Remscheid mit großem Erfolg Peter Shaffers Theaterstück Amadeus, das in drei Spielzeiten aufgenommen wurde. (…).“[1] [2] [1] Wikipedia: Margot Höpfner, unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Höpfner (abgerufen: 5.12.2022) [2] Die Bildhauerin und Modelleurin Lore Friedrich-Gronau (1905-2002) erhielt von der Firma Rosenthal den Auftrag, Tänzerinnen der Deutschen Staatsoper in Berlin zu formen. So entstand 1938 die 31 cm große Porzellanfigur, die Hedi und Margot Höpfner als Tänzerinnen, die den Kaiserwalzer tanzen, zeigt. Es gibt noch eine zweite Figur, die Hedi und Margot Höpfner im Gleichklang (Accord) zeigt – von Rosenthal ab 1953 in der Größe von 26 cm als Porzellanfigur hergestellt.

    Susanne Kandler

    Referentin für Frauenkultur in der Hamburger Kulturbehörde

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    27.07.1951

    20.10.1999
    Hamburg

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    1983 richtete die Hamburger Kulturbehörde einen Etat für Frauenkultur ein. „Er entstand u. a. durch die Kritik Hamburger Fraueninitiativen an den tradierten Kunstformen und Kulturangeboten der Stadt, in denen Anknüpfungspunkte an die Interessen, Lebenszusammenhänge und gesellschaftliche Situation von Frauen ihrer Meinung nach nicht herzustellen waren. Die Forderung nach Voraussetzungen, die es auch Frauen ermöglichen, eine kulturelle Identität zu entwickeln, wurde nicht nur als politischer Bewusstseinsprozess verstanden. Seine praktische Umsetzung, die Präsenz von Frauen und ihre Autonomie im Kulturleben, stand im Vordergrund und wurde von Fraueninitiativen und Künstlerinnen selbst in die Hand genommen. Grundlage war ein erweiterter Kulturbegriff, in dem spartenübergreifende Projekte, ihre Organisation und öffentliche Präsentation durch Frauen im doppelten Sinne ‚Raum‘ fanden, so dass eigene Ideen, Sichtweisen und Werte ungefiltert in Aktionen, Kunst- und Kulturprojekte einfließen konnten, auf Wunsch auch vor einem ausschließlich weiblichen Publikum. Zunächst wurden einzelne Frauenkulturprojekte unterstützt, die zeitlich begrenzt und später z. T. auch längerfristig gefördert werden konnten“, hieß es in den 1996 vom Referat für Frauenkultur herausgegebenen Materialien zur Frauenkultur in Hamburg. Die Hamburger Kulturbehörde war 1986 mit der Einrichtung einer Stelle für Frauenkultur bundesweite Vorreiterin. Da damals eine – wie es hieß – „Lehrerschwemme“ herrschte, erhielt Susanne Kandler im Rahmen des Programms „Lehrer in die Behörden“ diese Referentinnenstelle. Von 1986 bis zu ihrem Krebstod im Jahre 1999 betreute sie zuerst auf einer befristeten, ab 1990 dann auf einer unbefristeten Stelle Frauenkulturprojekte. Sie förderte von Künstlerinnen initiierte und getragene kulturelle Einrichtungen und Vereine und begleitete sie unterstützend. Zuständig war sie für die Prüfung von Anträgen und die Vergabe von Geldern. Allerdings war der Frauenkulturetat nicht sehr groß, so dass die in Frauenkulturprojekten geleistete Arbeit meist ehrenamtlich war. Susanne Kandler verstand sich als eine Vertretung der kontinuierlich arbeitenden Hamburger Frauenprojekte innerhalb der Kulturbehörde. Sie hat sich maßgeblich für die Erhöhung der Mittel des Frauenkulturetats eingesetzt und für den Förderbereich für einzelne Frauenprojekte: genreübergreifend von Musik bis Medienkunde. Die Mittel wurden durch Gremien vergeben. Susanne Kandlers Tätigkeit zeichnete sich durch eine offene Amtsführung und Transparenz aus. So lud sie einmal im Jahr die Frauenkulturszene – damals gab es ca. 40 Frauenkulturprojekte in Hamburg – zu einem Informationstreffen ein. Als es 1987 einmalig mehr Geld für Frauenkulturprojekte gab, entschied sich Susanne Kandler, kleine Sonderzuschüsse zu vergeben und die Veranstaltungsreihe „Szenaria – autonome Frauenkultur Hamburg“ durchzuführen. Da diese Veranstaltungsreihe wenig kosten sollte, denn auch durch den einmaligen Sonderzuschuss konnte bei Weitem nicht die Arbeit der Kulturfrauen adäquat bezahlt werden, fühlten sich „einige Frauen (…) ausgebeutet“, so Ute Scheub in der taz vom 03.10.1989. Sie zitierte Susanne Kandler: „‚Frauen machen sich selbst zum Subjekt ihrer kulturellen Arbeit‘, so umschrieb Susanne Kandler damals im Vorwort zum ‚Szenaria‘-Katalog eines ihrer zentralen Kriterien für die Geldvergabe. ‚Nicht alle Kultur von Frauen ist für mich Frauenkultur‘, ergänzt sie nun, ‚denn es gibt ja jede Menge Künstlerinnen, die sich ganz anderen Themen widmen. Zu den Förderungsvoraussetzungen gehört, dass eine Frau sich mit der weiblichen Rolle auseinandersetzt und ein vorwiegend weibliches Publikum mit dem Ergebnis konfrontiert. Also Anstöße und Anregungen für die autonome Frauenbewegung liefert.‘ Diese Abgrenzung innerhalb der Kulturbehörde oder auch zwischen den Behörden sei allerdings nicht immer ganz einfach.“ Nach ihrem Tod wurde Susanne Kandlers Aufgabengebiet von einer anderen Referentin mitbetreut. Ab 2003 gab es das Referat Frauenkultur in der gewohnten Form nicht mehr.

    Charlotte Tauterat

    geb. Richter

    Mitglied der GEDOK Hamburg und Vorstandsmitglied des Staatsbürgerinnen-Verbandes Landesverband Hamburg

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    19.03.1908
    Schwerin

    27.01.2000
    Hamburg

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    Charlotte Tauterat arbeitete nach dem Abschluss der Realschule als Chefsekretärin bei der Norddeutschen Versicherung. Sie war über 40 Jahre lang ehrenamtlich aktiv bei der GEDOK Hamburg (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen), davon über zwanzig Jahre in deren Vorstand. Außerdem war sie für die GEDOK über zwanzig Jahre lang Delegierte im Landesfrauenrat Hamburg. Gleichzeitig war sie ebenso aktiv im Vorstand des Deutschen Staatsbürgerinnen-Verbandes Landesgruppe Hamburg und sie war Mitglied der W.O.M.A.N. (Weltorganisation der Mütter aller Nationen). Die Nicht-Künstlerin setzte sich gleich nach der Wieder-Gründung der GEDOK in den 1950-er Jahren für Künstlerinnen und deren Möglichkeiten für Ausstellungen und Auftritte ein, denn, wie sie einmal formulierte, hatte man nach der Befreiung vom Nationalsozialismus Hunger nach geistiger Nahrung, und als Hausfrau und Mutter einer Tochter hatte sie, wie sie sagte ‚viel Zeit‘. Für den Landesfrauenrat war sie in der Alten Rabenstraße, wo der Landesfrauenrat lange Jahre sein Clubhaus hatte, für Ausstellungen von Künstlerinnen der GEDOK zuständig. So hängte sie alle sechs Wochen Bilder von noch unbekannten Künstlerinnen auf. Charlotte Tauterat war mit einem Architekten verheiratet und hatte eine Tochter (geb. 1939). Quelle: Hamburger Frauenring: Lebensbilder von Frauen in Hamburg nach 1945. Hamburg 1989. (Grüne Reihe 21)

    Anneliese Tuchel

    geb. Meyer-Blake

    Buchhändlerin, bis Mitte 1998 Chefin der Evangelischen Buchhandlung Anneliese Tuchel (vormals „Agentur des Rauhen Hauses“)

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    05.04.1926
    Hamburg

    27.02.2000
    Hamburg

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    Als „Löwin“ ist die „Eiserne Lady des Buchhandels“ in die Annalen des norddeutschen Buchhandels eingegangen. „Bücher waren ihr Leben“ und „Sie war eine Hamburger Institution und eine ziemlich unbequeme dazu“, stand in einem Nachruf der Tageszeitung Die Welt vom 29.2.2000.[1] Verbunden ist der Name Anneliese Tuchel mit der „Agentur des Rauhen Hauses“, später umbenannt in „Buchhandlung am Jungfernstieg Anneliese Tuchel“, nach ihrem Tod fortgeführt bis 2003 als Buchhandlung Tuchel & Kerckhoff in den Alsterarkaden 21. Zusammen mit der Bücherstube Felix Jud, Colonnaden 104, und der früheren Buchhandlung Conrad Kloss, Dammtorstraße 13, steht die Buchhandlung der Agentur des Rauhen Hauses unter der Leitung ihres Vaters Johannes Paul Meyer (?-1950) sowie ihres älteren Bruders Reinhold Meyer (18.07.1920 Hamburg – 12.11.1944 Hamburg) als Symbol entschlossener Gegnerschaft zum NS-Regime. Johannes Paul Meyer, Humanist und Pietist und aus einer bäuerlichen Familie stammend, war 1904 aus Basel nach Hamburg gekommen [2] und übernahm die Leitung der Buchhandlung „Agentur des Rauhen Hauses“. Er erweiterte das Sortiment und formte die einstige Vertriebsstelle der Publikationen des „Rauhen Hauses“ erfolgreich um zur größten evangelischen Buchhandlung Norddeutschlands. Zwischen 1928 und 1998 befand sich die Buchhandlung am Jungfernstieg 50. Einen Schlüssel zur Haltung (des mutigen und konsequenten Widerstands sowohl gesellschaftlich als auch politisch) der Buchhändler-Familie Meyer/Tuchel mag in ihrer weltanschaulichen Prägung zu finden sein. Anneliese Tuchels Vater war Mitglied der Freien Evangelisch-Lutherischen Bekenntnis-Gemeinde St. Anschar. Antrieb des Zusammenschlusses von Christen zu Freikirchen war die Erweckungsbewegung vor dem Hintergrund des Pietismus: „Erweckungsbewegungen gehen davon aus, dass lebendiges Christentum mit der Antwort des Menschen auf den Ruf des Evangeliums zu Umkehr und geistiger Erneuerung beginnt“.[3] Auch Anneliese Tuchels Mutter, Luise Meyer, geb. Barklage, war freikirchlich geprägt: Sie war Tochter eines Methodistenpredigers und Mitglied der Methodistenkirche. Diese Freikirche legt das Hauptgewicht ihrer Theologie nicht auf Meinungen, Lehren und Dogmen, sondern auf Gesinnung und Lebensführung. Reinhold Meyer absolvierte nach dem Abitur ab April 1940 eine Lehre in der väterlichen Buchhandlung, die er Ende März 1942 abschloss. Zum Wintersemester 1942/43 begann er an der Universität Hamburg ein Germanistikstudium. Zugleich trat er als Juniorchef in das Geschäft seines Vaters ein. In der „Agentur des Rauhen Hauses“ wurde auch moderne Kunst ausgestellt; der Kunsthandel machte einen Großteil des Umsatzes aus. Reinhold Meyer verstärkte diesen Geschäftsbereich. Ab 1939 stellte sein Vater sogenannte entartete Kunst aus. „Die Buchhandlung ‚Agentur des Rauhen Hauses‘ war zu einem Refugium geworden für potenzielle und engagierte Gegner der NS-Diktatur.“[4] Walter Meyer, der Bruder von Anneliese und Reinhold Meyer, galt nach der Schlacht um Stalingrad Anfang 1943 als vermisst. Unter dem Eindruck von familiärem Verlust, angesichts der Kriegswende 1942/43 und der Bombenangriffe auf Hamburg 1943 waren die Reihen enger Freunde um Reinhold Meyer zunehmend zum Widerstand bereit. In diesem Zusammenhang spielte der Franzose Maurice Sachs eine verhängnisvolle Rolle. Er hatte sich im November 1942 von Paris aus für einen freiwilligen Einsatz als „Fremdarbeiter“ nach Hamburg verpflichtet – eventuell war er ein bereits angeworbener Gestapo-Spitzel. Er soll eine der Schlüsselfiguren an Verrat und Verhaftung der Mitglieder der „Weißen Rose Hamburg“ gewesen sein: Im Keller des Kunsthändlers Friedrich Huelsmann in den Hohen Bleichen mietete er einen Raum; dorthin lud er zu Diskussionsveranstaltungen über weltanschauliche Fragen ein. Dem Franzosen gelang es, engeren Kontakt zur Gruppe um Reinhold Meyer zu knüpfen. Im August 1943 nahm er an deren Diskussionen in der Buchhandlung „Agentur des Rauhen Hauses“ am Jungfernstieg teil.[5] Das weitere Schicksal berührt eine Gedenktafel an der Hauswand mit der Aufschrift: Treff des Hamburger Zweiges der „Weißen Rose“: In der Buchhandlung dieses Hauses trafen sich während des Zweiten Weltkrieges Gegner des NS-Regimes bei dem Junior-Chef und Studenten Reinhold Meyer. Als Widerstandskreis verbreiteten sie u. a. die Flugblätter der „Weißen Rose“ aus München. Ende 1943 verhaftete die Gestapo etwa 30 Angehörige der Gruppe. Durch unmenschliche Haftbedingungen oder Hinrichtung fanden den Tod: Frederik Geussenhainer, Elisabeth Lange, Dr. Kurt Ledien, Hans Leipelt, Dr. Katharina Leipelt, Reinhold Meyer, Margarethe Mrosek und Margaretha Rothe. Reinhold Meyer wurde am 19. Dezember 1943 verhaftet. Im Juni 1944 wurde er ins KZ Neuengamme verbracht. Erst 24 Jahre alt, erlag er im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel angeblich den Folgen einer Diphtherie-Erkrankung. Vermutlich starb er jedoch infolge brutaler Verhörmethoden. 1944 erwarb Johannes P. Meyer „seine“ Buchhandlung. „Aber der Verlust seiner beiden Söhne brach ihm die Kraft. Nur noch wenig Jahre blieben ihm, um das jüngste und nunmehr einzige seiner drei Kinder – seine Tochter Anneliese – in die Geschäfte der ‚Agentur‘ einzuarbeiten“.[6] Nach dem Tod ihres Vaters übernahm Anneliese Tuchel 1950 den Betrieb. Gleichzeitig hielt sie die Erinnerung an ihren Bruder und das Unrechtsgeschehen der Nazizeit wach. Sie veranstaltete weiterhin Kunstausstellungen. Anneliese Meyer war später verheiratet mit dem evangelischen Theologen Klaus Tuchel (1927-1971), der wegen seiner Homosexualität 1958 aus der Evangelischen Kirche entlassen wurde. Klaus Tuchel verließ Hamburg, arbeitete als Lektor bei einem Verlag und später als Professor für Philosophie in London. Mit 44 Jahren beging er Suizid, dessen Motive offiziell nie geklärt worden sind.[7] „Unmittelbar betroffen vom Schicksal dieses Mannes war vor allem auch seine Ehefrau (...). Das Wegsehen in der Öffentlichkeit von kirchlichen Bekannten, ja das Ausradieren aus dem kirchlichen Gedächtnis ist Anneliese Tuchel als schlimmste Verletzung in Erinnerung geblieben“.[8] Bis zuletzt hatten ihre Freunde, darunter der Kreis der Hamburger Buchhändler, Anneliese Tuchel finanziell unterstützt, weil sie, die polarisierte und für ihren unbeugsamen Willen berühmt und berüchtigt war, zwar „ihre Durchsetzungskraft für ihre Profession eingesetzt hatte, weniger aber für sich selbst“.[9] Mitte 1998 hatte sie sich aus dem Geschäft zurückgezogen. „Sie war auch verletzbar“, sagte der damalige Hauptpastor Helge Adolphsen auf ihrer Trauerfeier im Hamburger Michel am 10. März 2000. Und er fuhr fort: „Es war sehr viel Angst in ihr gewesen, das Geschehene ist nie zu Vergangenheit geworden“. In dem würdigenden Nachruf der Tageszeitung Die Welt hieß es weiter: „Eine Tragik, die vielleicht auch ihr privates Leben überschattet hatte: Ihr Mann, ein Theologe, trennte sich von ihr, mit ihrem Sohn hatte sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr. Die Bücher waren ohnehin ihr Leben (...). Neben der Theologie aber lagen ihr Schriftsteller am Herzen, deren Werk religiös geprägt war. So war sie es, die Albrecht Goes[10] nachdrücklich gefördert hatte. Auch Siegfried Lenz und Marcel Reich-Ranicki gehörten zu ihren Freunden. Streitbare im Geist und mit der Feder. Das hatte Anneliese Tuchel gefallen“.[11] Im Alter von 73 Jahren starb sie nach langer Krankheit in einem Hamburger Pflegeheim. Seit 2017 gibt es in Hamburg-Farmsen einen Anneliese-Tuchel-Weg. Text: Dr. Cornelia Göksu Quellen: [1] Nellissen, Monika: Trauer um die Eiserne Lady des Buchhandels. Anneliese Tuchel starb im Alter von 73 Jahren – Die Bücher waren ihr Leben – Streitbar, aber auch verletzlich. In: DIE WELT v. 29.2.2000; online unter welt.de/print-welt/article504807/Trauer-um-die-Eiserne-Lady-des-Buchhandels [2] Müller, Thorsten: Die Weiße Rose von Hamburg. Aus der 125-jährigen Geschichte der Buchhandlung am Jungfernstieg. In: DIE ZEIT Nr. 37/12.9.1969; online unter zeit.de/1969/37/die-weisse-rose-von-hamburg [3] Zitat aus: de.wikipedia.org/wiki/Erweckungsbewegung [4] Müller, Thorsten: Die Weiße Rose von Hamburg, a. a. O. [5] vgl. hierzu ausführlich den Passus „Als Gestapo-Spitzel in Hamburg“ unter „Maurice Sachs, 1906 Paris – 1945 Deutschland“, auf de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Sachs). [6] Müller, Thorsten: Die Weiße Rose von Hamburg, a. a. O. [7] Rosenkranz, Bernhard und Lorenz, Gottfried, Kapitel: „Klaus Tuchel: Kirche und Homosexualität, in Rita Bake: Verschiedene Welten II. 109 historische und aktuelle Stationen in Hamburgs Neustadt, Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 2010, S. 226-227. [8] Rosenkranz, Bernhard und Lorenz, Gottfried: Hamburg auf anderen Wegen. Die Geschichte des schwulen Lebens in der Hansestadt. 2. Auflage, Hamburg 2006, Kapitel „Kirche und Homosexualität: Der Fall Tuchel, S. 74-75. [9] Nellissen, Monika, a. a. O. [10] Albrecht Goes, protestantischer Theologe, Schriftsteller; engagierte sich u.a. zusammen mit Gustav Heinemann nach dem Zweiten Weltkrieg gegen die Wiederaufrüstung; regelmäßiger Sprecher der ARD-Sendung „Das Wort zum Sonntag“, vgl. hierzu de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_Goes [11] Nellissen, Monika, a. a. O.