Neue Biografien
Neue Biographien
Hedi Höpfner Scheinpflug
Tänzerin, Schauspielerin, Schauspiellehrerin
© Kulturkarte.de/Hans-Jürgen Schirmer
25.5.1910
Berlin
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24.8.1988
Hamburg
Karin Witte
Malerin
Karin Witte vor einem ihrer Bilder (Foto: Stefan Duhnkrack)
Auf dem Grabstein ist ein Linolschnitt zu sehen, den Karin Witte im Alter von 10 Jahren angefertigt hat. Der Schriftzug ist ihre eigene Signatur. Ihre Eltern und ihr Bruder sind hier beigesetzt worden, so erinnern ihre Namen an dieser Stelle an sie. (Foto: T. Ande)
02.02.1939
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18.08.2025
Hamburg
Bestattet auf dem Waldfriedhof Wohldorf-Ohlstedt, Grablage VI 85.
Eltern: Tomma Witte, geb. Ande, medizinische Angestellte,Hermann Witte, Maler und Gebrauchsgrafiker
Karin Elsa Emma Witte wuchs gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Thomas in Hamburg-Volksdorf auf. Ihr Vater, Hermann Witte, war Maler und schon früh malte und zeichnete auch Karin beeindruckende Bilder.
In den 50ziger Jahren erwarb und bebaute die Familie das Grundstück in der Diestelstraße 7 in Hamburg-Ohlstedt.
Karin Witte wollte Malerin werden wie ihr Vater. Aber nach dem Krieg hatte kaum jemand Geld für Kunst, so dass sich Hermann Witte als Kunstmaler für Werbung verdingte und seiner Tochter verbot, Malerin zu werden. „Damit verdient man kein Geld“ gab er seine Erfahrung weiter.
Karin Witte absolvierte deshalb zunächst eine Ausbildung im Damenschneiderhandwerk. Über den Textilentwurf fand sie schließlich ihren Weg an die Hochschule für bildende Künste Hamburg. Dort studierte sie Stoffentwurf, Malerei, Zeichnung und Radiertechnik bei Willem Grimm und Paul Wunderlich; das Aktzeichnen bei Gustav Seitz wurde für ihre künstlerische Entwicklung besonders prägend.
Karin Witte entschied sich früh für die Zeichnung als Fundament des Sehens. Daraus entwickelte sie ihre Malerei und – als Fortsetzung der Linie – die Druckgrafik.
Als sie 20 Jahre alt war, nahm sich ihr Bruder das Leben. Das war fürchterlich für Karin Witte und blieb es bis zu ihrem Tod.
Mehrere Jahre lebte und arbeitete Karin Witte im südfranzösischen Miramas. Dort zeichnete und malte sie, was sie umgab: Menschen in Cafés, Straßenszenen, Landschaften und Situationen des alltäglichen Lebens.
Die unmittelbare Beobachtung blieb auch nach ihrer Rückkehr nach Hamburg ein wesentlicher Ausgangspunkt ihres künstlerischen Schaffens. Hier entwickelte sie eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit. Zugleich lehrte sie von 1978 bis 1987 an der Fachhochschule Hamburg und gründete 1981 ihre Malschule, zunächst in der Marktstraße 138. Später setzte sie ihre Lehrtätigkeit in ihrem Atelier in der Diestelstraße 7 fort. Der Atelieranbau wurde von dem Hamburger Architekten Volkwin Marg nach den ihren Vorstellungen entworfen. Über viele Jahre wurde die Malschule zu einem wichtigen Ort künstlerischer Ausbildung und des Austauschs.
Karin Witte wurde eine weithin anerkannte Malerin. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt sie 1974 den Edwin-Scharff-Preis, 1982 die Berufung in die Freie Akademie der Künste und 2008 die Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund.
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Figuren, Puppen und Masken gehören zu den wiederkehrenden Motiven ihres Werks, ebenso wie Radierungen von großer zeichnerischer Präzision.
Arbeiten von ihr wurden in zahllosen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, im Kupferstich-Kabinett Dresden, in den schleswig-holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf, im St. Annen-Museum Lübeck sowie in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Karin Witte malte in Freiheit, gestaltete, sah, was andere nicht sehen konnten. Sie gestaltete die Wirklichkeit, ohne sie preiszugeben.
In all dem war sie auch eitel, als „Malschwein“ - wie sie sich selbst bezeichnete - trug sie mit Farbe bekleckerte Kleidung aber außerhalb davon war sie ausgesprochen schick gekleidet und hatte natürlich auch viel Selbstgeschneidertes.
Karin Witte malte an ganz unterschiedlichen Orten. Sie setzte sich an den Straßenrand und malte. Daneben stellte sie ein Schild auf „Bitte nicht fotografieren, das stört beim Malen“. Sie saß im Hühnerstall, am Rand der Bühne des Hansatheaters oder auf dem Hamburger Dom und hat gemalt.
Wie sie arbeitete, hat Karin Witte selbst beschrieben:
„Das Unerwartete hatte mich aufs Ganze herausgefordert, überrumpelt und schließlich besiegt. Es war einfach da - das, von dem ich nichts weiß. Namenlos, nicht ver- oder bekleidet, vollkommen neu. Könnte ich es mir doch herbeiwünschen! – Aber es geschieht nur aus sich selbst."
Auch die Musik und der Tanz waren wichtige Ausdrucksmittel für sie. Sie spielte Gitarre und konnte selbstvergessen Flamenco tanzen. Ganz im Hier und Jetzt, in den Augenblick versunken. Zu ihrem 80. Geburtstag widmete ihr das Kloster Cismar 2019 die große Ausstellung Manchmal wie tanzen.
Ihr Wunsch war es, im Grab ihrer Eltern und ihres Bruders beigesetzt zu werden. Auf ihrem Grabstein wird heute an sie alle gedacht.
Von Karin Witte bleiben unzählige Werke, Bilder und Glasarbeiten. Sie hat immer gesagt, das seien ihre Kinder.
Den Kernbestand ihrer Werke schenkte Karin Witte bereits zu Lebzeiten dem Forum für Künstlernachlässe e.V. in Hamburg, so dass ihre Bilder auch weiterhin zu sehen sein werden.
Die Stiftung Forum für Künstlernachlässe wird das Grundstück und alle weiteren Werke dieser wundervollen Malerin übernehmen und das Atelier weiterführen. Dort werden nach Karin Wittes letztem Willen junge begabte Künstler*innen arbeiten können.
Tomke Ande, Hamburg im Juli 2026
Weiterführende Webseiten:
Karin Witte - Künstlerin aus Hamburg (1939-2025) www.karinwitte.de
Karin Witte – Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Karin_Witte
Homepage - Forum für Künstlernachlässe - Hamburg www.kuenstlernachlaesse.de
verstorbene Vereinsmitglieder
Margot Baiter
Speditionskauffrau und Künstlerin
Quelle: privat
15.3.1938
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30.7.2026
Waltraud Glombig
geb. Kemmelmeier
94 Jahre, Stenotypistin
13.5.1931
–
23.3.2026
Dr. theol. Evelin Albrecht
Auszug aus der Ansprache im Abschiedsgottesdienst von Waltraud Glombig am 13.April 2026 Ohlsdorf
Der Friede des Herrn sei mit uns Allen! Amen
Wir sind hier zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von
Waltraud Glombig, unserer Freundin, Verwandten und Bekannten.
Wir haben sie jetzt alle vor Augen: Ein Bild aus dem letzten Sommer. Das Lächeln, mit dem sie bis fast zuletzt ihr Gegenüber beschenkte, auch wenn sie nicht mehr viel sprach, – das hinreißende Lächeln war Sprache genug und erfreute immer wieder. Und dazu die großen, ausdrucksvollen Augen, die einen freundlich, fröhlich anblickten. Verschmitzt! Und das war nicht erst im Alter so. Das war typisch für sie ihr Leben lang. „Das Fräulein mit den lachenden Augen“ hat einmal die Mutter eines ihrer Nachhilfeschüler gesagt, dem sie als 18-Jährige, als sie selbst noch zur Handelsschule ging, schon Unterricht gab: „Da kommt das Fräulein mit den lachenden Augen!“ Diesen Satz hat Waltraud selbst oft gerne wiederholt. Sie fühlte sich darin verstanden. Und sie war humorvoll und konnte schon mit ihrem Gesichtsausdruck, aber auch mit dem Erzählen von Anekdoten aus ihrem Leben andere zum Lachen bringen. In allem erwies sie sich als eine intelligente, lebenskluge Frau, die zwar kriegsbedingt eine unregelmäßige Schulzeit hatte, die aber Zeit ihres Lebens immer wissbegierig, vielseitig interessiert und aufgeschlossen war für alles Neue, für Kunst (besonders Frida Kahlo hatte es ihr angetan) und Geschichte, fremde Kulturen und Umwelt, gesellschaftliche und soziale Probleme und vieles andere, was sie mit wachem Verstand aufnahm und verarbeitete. Vor allem war sie politisch engagiert und vertrat ihren Standpunkt klar und selbstbewusst – war aber auch tolerant im Gespräch mit anderen.
Mit 19 Jahren heiratete sie. Aus dieser Ehe stammte eine Tochter. Ihren Mann hatte sie bei der gemeinsamen Arbeit im Reichsbund kennengelernt. Eugen Glombig war ähnlich wie sie sehr ehrgeizig und strebte eine Karriere als Politiker an. So wurde er mit der Zeit Mitglied der Bürgerschaft in Hamburg und dann in mehreren Wahlperioden Mitglied des Bundestages in Bonn. Da er selbst durch Kinderlähmung als Kleinkind behindert war, setzte er sich besonders für Behinderte, soziale Fragen und alle damit zusammenhängenden Probleme ein. Allerdings konnte er seine Konzentration auf seine politische Karriere nur wahrnehmen, weil er in Waltraud eine Frau an der Seite hatte, die ihm die praktischen und organisatorischen Dinge des Alltags, das Pendeln zwischen den Wohnungen in Bonn und Hamburg, die Vorbereitung und Begleitung bei den Reisen zu Kongressen und internationalen Begegnungen abnahm. Das hatte für Waltraud zwei Seiten: Einerseits kam sie dadurch viel in der Welt herum, war in Japan und China, in den USA und in Kanada, in Skandinavien und anderen europäischen Ländern – andererseits hatte sie viel Arbeit und kostete es sie große Kraft, die Vorbereitungen und Organisation zu bewältigen und dann jeweils vor Ort wenig von Land und Leuten mitzubekommen, weil sie bei den Konferenzen immer an der Seite ihres behinderten Mannes sitzen musste und der ein eng vorbereitetes Programm zu absolvieren hatte. So gibt es viele Bilder von ihren Reisen – die aber immer nur Waltraud (oft als einzige Frau) in großen Männerrunden zeigen; Bilder, die aber auch zeigen, dass sie aufmerksam und wach die Gespräche verfolgte. (Dieses Gefühl, in anderen Ländern gewesen zu sein und sie doch nicht gesehen zu haben, hat sie später nach der Trennung von ihrem Mann durch selbständige Reisen, oft Bildungsreisen, zusammen mit jeweils einer ihrer Freundinnen überwunden).
Die Gespräche und Begegnungen im politischen Bereich bedeuteten ihr viel. Hier fand sie auch viel Anerkennung. Bei den Empfängen im Hamburger Rathaus oder den Galadiners in Bonn war sie eine beliebte und angesehene Gesprächspartnerin. So begegnete sie bedeutenden Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Als kleine Anekdote erzählte sie gern, dass sie sogar dem Schah von Persien bei dessen Deutschlandbesuch vorgestellt wurde, obwohl sie kein Wort französisch sprechen konnte. Auch von ihren Begegnungen mit Willy Brandt und ihrem freundschaftlichen Verhältnis zu Helmut Schmidt war oft die Rede. 65 Jahre lang war sie Mitglied der SPD. Und sie war sehr stolz auf die Anerkennung, als sie zum 60-jährigen Jubiläum dafür mit einer Urkunde „Für 60 Jahre treue Mitarbeit bei der Verwirklichung unserer gesellschaftlichen Ziele“ und einer Ehrennadel ausgezeichnet wurde.
Waltraud Glombig war durch und durch eine Hamburgerin. Sie liebte diese Stadt. Sie war hier zu Hause. So ist es nur konsequent und für sie das Richtige, dass sie im „Garten der Frauen“ ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Markt in Ottensen, der Hamburger Fischmarkt, die Musikerstr. bei der Laeiszt-Halle, ein Künstler-Haus in St .Georg, die Alster – überall zog es sie immer wieder hin. Aber auch die Entwicklung der Hafen-City faszinierte sie und sie genoss es, verschiedentlich in die „Elphi“ zu gehen. Aber nichts ging für sie über das alte Hamburg und den Michel. Die Zerstörung der Stadt 1943 stand ihr immer wieder vor Augen. Und so war sie begeistert, als sie zum Begrünen der Stadt beitragen konnte, indem sie bei der Aktion „Mein Baum – meine Stadt“ im Jahre 2011 für einen Baum spendete. Dieser, eine Stiel-Eiche, wurde auf ihren Wunsch im Stadtteil Hamm gepflanzt, in dem Stadtteil, in dem sie ihre Kindheit verbracht hatte. Eine recht glückliche Kindheit zusammen mit ihrem vier Jahre älteren Bruder Ludwig, der zu ihrem großen, lebenslangen Kummer im Alter von 18 Jahren starb. An ihn sowie an die kleine dreijährige Cousine, die 1943 im Feuersturm in Hamm ums Leben kam, erinnerte sie immer wieder, wenn wir „ihren“ Baum besuchten und seine Entwicklung sahen. Ein Zeichen ihrer Treue.
Und treu war sie – gegenüber der Familie, die heute durch ihre Nichte mit deren Sohn und Tochter vertreten ist. Treu war sie auch gegenüber ihren Freundinnen und deren Familien. Diese Freundinnen sind alle vor ihr heimgerufen worden. Wenn man 94, fast 95 Jahre alt wird, ist der Kreis, mit dem man Erinnerungen austauschen kann, doch recht klein geworden. Umso eindrucksvoller ist es, dass heute die erwachsenen Kinder ihrer früheren Freundinnen unter uns sind und ihre Mütter sozusagen vertreten. Ein Zeichen dafür, dass sie auch zu ihnen nicht umsonst von sich aus den Kontakt gehalten und ihre Lebenswege immer im Auge behalten hat. Sie war und blieb ihnen treu – wie sie auch dankbar war für alle Treue, die ihr entgegengebracht wurde von nah und fern! Und auch neue Freunde sind im letzten Jahr noch dazu gekommen, die ihr hilfreich zur Seite standen.
Die Erinnerungen an den 2. Weltkrieg verband sie eben mit dem Jahr 1943 und ihrer Ausbombung in Hamm; aber auch mit den 2 Jahren (1940-1942), in denen sie durch die Kinderlandverschickung nach Bayern, in die traditionsreiche Stadt Bayreuth gekommen war – eine Stadt, die ihr durch ihre Kultur und Geschichte bis in die letzten Jahre viel bedeutet hat. Die nächste Zäsur im Krieg gab es durch die Evakuierung 1943-1945, die sie nach der Ausbombung zusammen mit ihrer Mutter nach Wulfersdorf/später: Berlinchen, im Brandenburgischen führte. Das waren wichtige Jahre für sie. Zu den dortigen Bekannten fuhr sie auch zu DDR-Zeiten trotz schwieriger Bedingungen und unterhielt zu den Familien dort auch nach der Wende freundschaftliche Beziehungen. Auch dies ein Zeichen ihrer Beständigkeit und Treue.
All solche Beziehungen – ob zu den Kindern einer Schulfreundin aus Wulfersdorf, die auch wieder zurück nach Hamburg kam, ob zu den Töchtern ihrer Hamburger Freundinnen oder ob zum ehemaligen Nachbarsjungen aus dem Mecklenburgischen Güster, wo die Familie einige Jahre ein Wochenendhaus hatte, – waren für sie wertvolle Erinnerungen bis zuletzt.
Daneben aber blieben auch Erinnerungen an schweres Erleben immer präsent. Vor allem ein traumatisierender schwerer Verkehrsunfall auf dem Schulweg 1946 bescherte ihr viele Operationen und Schmerzen. Und kam ihr lebenslang bei jedem neuen Schmerzherd als Ursache wieder hoch. Aber das änderte nichts daran, dass sie ein lebensfroher Mensch bis ins hohe Alter blieb.
So dürfen wir dankbar festhalten, dass Waltraud Glombig in allem Schweren und Schönen, das ihr Leben ausmachte, doch immer ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch blieb. Sie verstand es, den Augenblick anzunehmen und den bleibenden Wert darin zu erkennen. Darum bleibt sie in der Erinnerung als ein freundlicher und liebenswerter Mensch – der mit seinem Lächeln bezaubern konnte!
Als Überschrift über die Anzeige hatte sie sich ausdrücklich gewünscht:
„Gott spricht: Fürchte nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“(Jesaja 43,1) Dieses Wort – zusammen mit dem Wort aus der Lesung „nichts, aber auch gar nichts, kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ – hat das vielfältige, reichhaltige Leben von Waltraud Glombig bestimmt. So möge sie nun heimgekommen sein und das bleibende Geborgensein in der Liebe Gottes erfahren.
Elise Käthe Mariechen Russow
geb. Witte
Kinderpflegerin | Alter: 96 Jahre
28.12.1929
–
23.06.2026
Gudrun Schaefer
Professorin für Rhythmik an der Musikhochschule Hamburg, Dozentin am Studiengang Frauenstudien der Universität Hamburg
21.3.1942
Lüneburg
–
22.4.2026
Hamburg
Geboren an 21.3.1942 in Lüneburg, erinnerte sie sich noch an Bombenalarme und die Übergabe der Wohnung an die Englische Besatzung. Der Vater übernahm als Chirurg 1945 die Leitung des Krankenhauses in Salzhausen, wo die Familie mit fünf Kindern zehn Jahre lang im Krankenhaus wohnte. Danach lebte die Familie in einem Haus am Dorfrand. Gudrun, die zweite in der Geschwisterreihe, war die „Spielmacherin“: sie musizierte mit Klavier und Flöte, leitete Zusammenspiel und chorisches Singen an, inszenierte kleine Theater-, Sing- und Tanzspiele bei Familienfesten, leitete das Mädchenturnen im dörflichen Turnverein.
Nach dem Abitur an der Wilhelm-Raabe-Schule in Lüneburg studierte Gudrun Fischer bis 1964 Rhythmisch-Musikalische Erziehung an der Musikhochschule Hannover mit dem Abschluss Staatlich geprüfter Musiklehrer Hauptfach Rhythmik. Ein Aufbaustudium „Schauspielangewandte Rhythmik“ folgte 1965 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Eine Ehe mit dem Architekten Jürgen Schaefer 1968 wurde nach vier Jahren wieder geschieden. Als Dozentin für Rhythmik, Bewegungslehre und Tanz/Musical übernahm sie Lehraufträge an Musikhochschulen in Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, Wuppertal, Bochum, Essen, Detmold und Hamburg. Das Studium Erziehungswissenschaften an den Universitäten Düsseldorf und Wuppertal schloss sie 1982 mit dem Diplom ab. Ihre Diplomarbeit zum Thema „Rhythmik als interaktionspädagogisches Konzept“ wurde 1992 im Waldkauz-Verlag Remscheid veröffentlicht. Ihr Verständnis von Rhythmik ging weit über Bewegungs- und Körperschulung hinaus. Als interaktionspädagogisches Konzept verstand sie Rhythmik komplexes Zusammenspiel von musikalischen, körperlichen, räumlichen und sozialen Prozessen der Bildung. 1970-1982 leitete sie den Diplomstudiengang Rhythmik an der Hochschule für Musik und Theater Köln/Institut Wuppertal. Die Professur für Rhythmik einschließlich des Studienschwerpunkts Rhythmik im Studiengang Diplommusiklehrer hatte sie 1982-2005 an Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Gudrun Schaefer wirkte mit Bewegungs- und Präsentationstechniken im „Kontaktstudiengang Popularmusik“ mit. Sie richtete den 1. Bundeswettbewerb Rhythmik „Musik und Bewegung“ 1990 und den 1. Ernst-Baader-Wettbewerb für Lied und deutschsprachige Chansons 1992 an der Musikhochschule Hamburg aus.
Hochschulpolitisches Engagement Seit den 1980er Jahren engagierte sie sich hochschulpolitisch im Fachbereichsrat Musikpädagogik als Sprecherin und stellvertretende Frauenbeauftragte, im Hochschulrat und im Hochschulsenat, wirkte als Frauenbeauftragte der Hochschule und als stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte. Von 1989 bis 2005 arbeitete sie in der hochschulübergreifenden Gemeinsamen Konferenz für Frauenstudien und Frauenforschung Hamburgs mit. Von 1998 bis 2000 war sie Vizepräsidentin der Hochschule für Musik und Theater, als erste Frau in diesem Amt. „Sie war eine jener Personen, die nicht nur Positionen innehatten, sondern Räume öffneten: Räume für Diskussionen, für Widerspruch, für Forschung, für künstlerische Beiträge von Frauen, für eine Hochschule, die sich ihrer blinden Flecken bewusst wurde. Bei aller Strenge in der Sache darf nicht vergessen werden, dass Gudrun Schaefer im persönlichen Umgang ein sehr humorvoller Mensch war, der herzhaft lachen konnte und immer für einen Spaß zu haben war.“ So erinnert sich die Hochschule für Musik und Theater Hamburg in einem Nachruf.
Historische grabsteine
Margot Höpfner
verh. Westphal
Tänzerin, Schauspiellehrerin
30.01.1912
Berlin
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23.08.2000
Bad Bevensen
Susanne Kandler
Referentin für Frauenkultur in der Hamburger Kulturbehörde
27.07.1951
–
20.10.1999
Hamburg
Charlotte Tauterat
geb. Richter
Mitglied der GEDOK Hamburg und Vorstandsmitglied des Staatsbürgerinnen-Verbandes Landesverband Hamburg
19.03.1908
Schwerin
–
27.01.2000
Hamburg
Anneliese Tuchel
geb. Meyer-Blake
Buchhändlerin, bis Mitte 1998 Chefin der Evangelischen Buchhandlung Anneliese Tuchel (vormals „Agentur des Rauhen Hauses“)
05.04.1926
Hamburg
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27.02.2000
Hamburg