Brigitte Scheibel
Diplom-Psychologin | Alter: 89 Jahre.
Photo: Petra Rogge
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30.06.2026
Brigitte Scheibel wurde in Oberhausen geboren. Ihre frühe Kindheit war geprägt von den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs: 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder evakuiert. Nach Kriegsende führte der Weg die Familie über Tschechien zurück Richtung Ruhrgebiet, wo sie zunächst in einem britischen Lager ankam.
In Oberhausen besuchte Brigitte die Grundschule, anschließend setzte sie ihre Schulzeit in Duisburg fort und schloss dort mit dem Abitur ab. Es folgte eine Ausbildung zur Sekretärin, in der sie mehrere Jahre beruflich tätig war. Doch ihr Interesse an Menschen und psychologischen Zusammenhängen führte sie schließlich zu einem neuen Lebensweg: Sie studierte Psychologie, zunächst in Berlin, später in Hamburg.
Schon in ihrem Studium engagierte sich Brigitte im Rahmen der Hamburgischen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (Gemeindepsychiatrisches Zentrum Eimsbüttel) und arbeitete nach ihrem Diplom zunächst einige Jahre in der Beratungsstelle Norderstedt, ehe sie sich dann für sehr viele Jahre als Psychotherapeutin niederließ. Hierfür war sie breit psychotherapeutisch ausgebildet (Gesprächs- und Familientherapie, Katathymes Bilderleben). Jährliche Fortbildungen in Lindau waren ihr immer eine große Freude.
Privat war sie über sehr viele Jahre im Grindelhof, ihrer „kleinen Reihe“ beheimatet. Ihr Temperament und ihre Lebensfreude finden gut Ausdruck in dem Gedicht einer Freundin:
"Samstag im Grindelhof"
Im Grindelviertel ist es fein,
da geht Frau aus, da kauft Frau ein,
da kennt man sich und grüßt sich heiter, so geht es dann bis Mittag weiter.
Ist Frau erschöpft, dann kehrt sie ein,
ein Cappuccino soll es sein.
Kulturnotizen Hamburg satt liest sie dann gern‘ im Abendblatt.
Am Abend dann ein festlich‘ Bild, der Mond strahlt hell, die Luft ist mild,
Frau schreitet froh und munter aus, jetzt lockt sie das Theaterhaus.
Begleitet von der Nachbarin gibt sie sich ganz der Muse hin.
Ein netter Plausch, ein kleiner Wein -
so könnte jeder Abend sein, und friedlich unterm Sternenhimmel
verlässt sie spät das Stadtgebimmel.
Geht in die kleine Reiha - zur Heiha.
Im Kontrast dazu fiel Brigitte der Verlust ihrer Autonomie in ihren letzten Jahren sehr schwer. Mit ihren seelisch-körperlichen Einschränkungen war sie dann gut aufgehoben in der Pflegestation der Heerlein- und Zindler-Stiftung.
Brigitte war eine weltoffene Frau, die viel gereist ist und große Freude daran hatte, andere Kulturen kennenzulernen. Sie war kulturell interessiert, besonders dem Theater verbunden, politisch aufmerksam, lese- und diskussionsfreudig. Ihre kommunikative und großzügige Art prägte viele Begegnungen – sie lud gerne Menschen zu sich ein und schuf Räume für Austausch und Gemeinschaft. Soziales Engagement war ihr wichtig: Sie unterstützte unter anderem das Spendenparlament Hamburg, die Hamburger Kunsthalle und weitere Initiativen, die ihr am Herzen lagen.
Brigitte Scheibel bleibt in Erinnerung als eine Frau mit weitem Horizont, lebendigem Geist und großem Herzen – eine Persönlichkeit, die ihr Umfeld mit ihrer humorvollen Art bereichert und Spuren hinterlassen hat.