Rede zum 16. Geburtstag des Gartens der Frauen 2017 mit der Installation "Verbindungen und Vernetzungen. Bunte Fäden verbinden die Frauen"
Dieses Stück ist vielen von Ihnen sicherlich bekannt. Ein bekannter Operettenschlager mit dem Titel: Meine Mama war aus Yokohama, aus Paris war der Papa. Meine Mama ging nur im Pyjama, weil Papa das gerne sah.“ Das Lied stammt von dem Komponisten Paul Abraham, gebore 1892, gestorben 1960, aus seiner Operette „Viktoria und ihr Husar“, dier 1930 in Budapest uraufgeführt wurde. Paul Abraham ist hier gemeinsam mit seiner Ehefrau Sarolta (deutsch: Charlotte) Feszely auf Ohlsdorf bestattet. Da er jüdischer Herkunft war, musste er in der NS-Zeit emigrieren.
Heute werden sie noch weitere Stücke von Paul Abraham hören, gespielt von der Musikerin Anne Wiemann, die ein großes Repertoire an Musikinstrumenten bespielen kann.
Zurück zu Paul Abrahám. Er wurde in Ungarn geboren und zog ein Jahr nach dem Tod seines Vaters, 1910 mit seiner Mutter nach Budapest. Sie förderte die musikalische Ausbildung ihres Sohnes. Doch auch Pauls Mutter starb wenige Jahre später 1914 während Paul Abraham noch studierte.
Einige Quellen berichten, dass Paul Abrahám während des Studiums in Budapest die drei Jahre jüngere Gesangsstudentin Sarolta (deutsch: Charlotte) Feszely kennengerlernt haben soll. Das Paar heiratete aber erst am 16. Juni 1930, nachdem Paul Abrahám erste Komponistenerfolge inm Budapest errungen hatte. Kurze Zeit später zogen die Eheleute nach Berlin um, wo Paul Abrahám seinen künstlerischen Durchbruch hatte und große Erfolge z. B. mit der Operette „Viktoria und ihr Husar“ errang. Er komponierte unzählige Filmmusiken und stand am Dirigentenpult. Gleichzeitig veranstaltete er viele Feste, die er in seinem Berliner Haus in der Fasanenstraße 33 mehrmals wöchentlich abhielt (Gulasch-Parties).
Paul Abraháms künstlerischer Erfolg hatte aber auch seine Schattenseiten. Dazu schreibt Klaus Waller in seiner Biografie über Paul Abraham: „ ‚Oft kann Abraham die Rastlosigkeit seines Lebens kaum noch ertragen. Er wird von traurigen Stimmungen übermannt. Nachts läuft er durch die Straßen von Berlin und versucht sich abzulenken. Er amüsiert sich mit – wie es in dieser von einem Mann verfassten Biografie heißt – leichten Mädchen, er zieht durch die Cafés und Bars, er spielt Karten um hohe Summen.‘ (…). Abrahams Ehefrau Charlotte soll schon nach kurzer Zeit aus dem hektischen Berlin geflohen und zurück nach Budapest gezogen sein. Ob und wie oft Charlotte Abraham zwischen Budapest und Berlin hin- und herpendelte ist unbekannt. Jedenfalls soll es Zeiten gegeben haben, in denen sich Paul Abraham vor dem Gefühl des Alleinseins flüchtete und sich jungen Frauen zuwandte, bevorzugt Schauspielerinnen und Sängerinnen, die ihn meist an Körpergröße überragten.. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten flüchtete Paul Abraham 1933 zu seiner Frau nach Budapest. Dort wohnte das Ehepaar Abraham zuerst in einem Hotel, später dann in einer Mietwohnung, „bis zur Stunde, als ich meinen Mann am 28. Februar 1939 in den Pariser Wagen des Arlberg-Express setzte“, erzählte Charlotte Abraham. In Paris war es für Paul Abraham sehr schwierig Geld zu verdienen, Dazu der Biograf Waller: „Der undadierte handschriftliche Brief von Paul Abraham an seine Frau, den er wahrscheinlich im Frühsommer 1939 auf Briefpapier seines Hotels schrieb, ist ein Dokument eines Entwurzelten und eines in gewisser Weise auch schon Verwirrten. Ständig geht es um Geld, das er von dem oder jenem bekommt, um um Geld, das er seiner Frau versprochen hat. So schreibt er: Du wirst sehen, ich erledige es! Ich weiß, Du bist erst dann beruhigt, wenn das Geld in Deiner Hand ist!‘. Dann fällt ihm ein, dass er ihr noch Medizin schicken wollte. ‚Ich gehe sofort und kaufe es, damit ich es nicht vergesse!‘. (…) Seine Frau wird in diesem Brief überaus vertraulich mit allen nur erdenklichen Kosenamen angeredet: ‚Mein teures goldiges Leben! Meine ewige Liebe! Mein Mutzi!‘ heißt es schon in der Briefanrede. Und er endet: ‚Auf ewig liebe ich dich, vergöttere dich, und ich bitte dich, beruhige dich, es wird alles in Ordnung kommen! Mein teures Leben, Gott segne dich, Millionen Küsse, meine Mutzi, ich bin ewig Dein. Dein Mann Pali.‘
Er hatte Charlotte das Versprechen gegeben, sie nach Paris nachzuholen. Man muss wohl annehmen. Möglicherweise kam dies nur deshalb nie zustande, weil er selbst recht bald aus Paris fliehen musste. Aus Kuba schrieb er noch mal einen Brief, dann kamen nur noch seltene Postkarten, später brach der Kontakt ganz ab.
Ca., im März 1940 flüchtete Paul Abraham nach Kuba und von dort dort einige Monate später in die USA, nach New York. Abraham meldete sich ein paar Mal per Postkarte zu Hause in Budapest, gab aber noch nicht einmal seine Adresse an, so dass seine Frau nicht zurückschreiben konnte. Die Budapester Familie und Freunde glaubten, Abraham sei in New York ‚untergetaucht‘, weil er nur ein Besuchervisum besaß.“
In New York machte Abraham keine Karriere mehr. „Geldsorgen wurden denn auch als ein Grund für den Ausbruch der akuten, auf einer verschleppten Syphilis basierenden Schizophrenie genannt. Fehlendes Geld war mit Sicherheit auch mit dafür verantwortlich, dass die Syphilis nicht schon in einem früheren, heilbaren Stadium behandelt wurde.“
Anfang 1946 wurde Paul Abraham in die Psychiatrie aufgenommen. Er kam auf eine sogenannte ‚Abschiebestation‘ für unheilbare Fälle. Dort lebte Paul Abraham in einem Raum mit 14 Patienten. Besuch kam selten. (…) Es gab (…) eine ungarische Bekannte, Polly von Vasváry, die jede Woche einen Sonntagsausgang mit ihm unternahm.
1956 kehrte er – nachdem die Bundesrepublik mit den USA die finanziellen Fragen geklärt hatte – auf Initiative eines in Hamburg gegründeten Paul-Abraham-Komitees nach Deutschland zurück- und kam in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort kam er ausgerechnet auf die Station des Psychiaters und Neurologen Prof. Dr. Hans Bürger-Prinz. Der von den Nationalsozialisten verfolgte Paul Abraham wurde nun von einem Arzt behandelt, der während der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem als Richter am ‚Erbgesundheitsgericht‘ tätig war. (…) Als Psychiater behandelte Bürger-Prinz während des Weltkrieges sogenannte ‚Kriegsneurotiker‘, also Menschen, die aufgrund der Kriegsgrausamkeiten Angstpsychosen entwickelten, mit Insulinschocks, die zur Abschreckung vor den Kameraden verabreicht wurden. Wenn er die Männer für Simulanten hielt, testierte er das – was die Betreffenden vor das Kriegsgericht brachte, das reihenweise Todesurteile verhängte. Viele seiner unfreiwilligen ‚Klienten‘ sollen sich daher umgebracht haben.
Bürger-Prinz konnte der Patient Abraham nur Recht sein, war er dabei war, sich in der Bundesrepublik ein neues Renommee zu verschaffen. Seit 1950 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung. Eine öffentliche Diskussion über seine Tätigkeit in der NS-Zeit fand erst nach seinem Tode statt.
Abrahams Ehefrau reiste im Oktober 1956 aus Ungarn an. Ihr wurde von einigen unterstellt, sie habe sich in Ungarn längst scheiden lassen und sei nur wegen der zu erwartenden Reichtümer nach Deutschland gekommen. Charlotte Abraham bekam nach der Entmündigung ihres Mannes „wegen Geisteskrankheit“ die Vormundschaft über ihn. Sie mietete eine 5-Zimmer Wohnung in der Sierichstraße 110, später erfolgte ein Umzug in die Klosterstraße 80, wo sie ihren Mann bis zu seinem Tod im Jahre 1960 pflegte. Das Paar lebte in dieser Zeit von den Tantiemen aus Abrahams Stücken und Liedern, die nun wieder wieder häufiger gespielt wurden.
Der Biograf Klaus Waller beschäftigt sich zum Schluss seines Buches noch mit dem Thema der Wiedergutmachung für die Vermögensschäden, die Abraham durch seine Flucht vor den Nationalsozialisten entstanden waren. Dazu schreibt er: „Es begann ein Hin und Her vor den Behörden. Zwar wurde Paul Abraham 1956 vom Entschädigungsamt Berlin eine Rente von 500 DM monatlich (…) zugesprochen, doch weitergehende Ansprüche mussten erst erkämpft werden. Dabei ging es auch um die Frage, ob Paul Abrahams Geisteskrankheit überhaupt etwas mit seiner Flucht vor den Nazis zu tun hatte.
Es liest sich heute atemberaubend, wie ausgerechnet der mindestens mittelbar, vielleicht sogar unmittelbar am Euthanasieprogramm beteiligte Prof. Hans Bürger-Prinz in einem Gutachten für Paul Abraham argumentiert: ‚Es kann kaum ein Zweifel daran bestehen, dass P. A., wenn er sich in Deutschland aufgehalten hätte, infolge der psychischen Auffälligkeiten von seiner mit ihm vertrauten Umgebung bereits wesentlich früher, wahrscheinlich schon beim Auftreten der ersten Krankheitszeichen im Jahre 1940, einer adäquaten klinischen Behandlung zugeführt worden wäre (…). Wäre P. A. bereits im Jahre 1940 entsprechend behandelt worden, was in Deutschland nach den hier geltenden Regeln und Vorschriften mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit der Fall gewesen wäre, so hätte Aussicht auf eine weitgehende Erhaltung seiner Primärpersönlichkeit, seiner Schaffenskraft und Produktivität bestanden.‘
Da irrte Bürger-Prinz ganz bewusst, bzw. sprach Bürger-Prinz, der nach 1933 Mitglied der NSDAP, der SA, des NS-Ärztebundes und des NS-Dozentenbundes sowie des NS-Lehrerbundes wurde, die Unwahrheit. Denn 1940 wurden Menschen jüdischer Herkunft nicht mehr in Krankenhäusern behandelt, nur noch in israelitischen Krankenhäusern. Abraham wurde gerade mal rund 37.000 DM Entschädigung zugesprochen bei einem Schaden von 1.2 Millionen Mark, der entstanden war.
Nach dem Tod von Paul Abraham zog seine Witwe, die seine Alleinerbin war, nach Oberbayern. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1975. Nach ihrem Tod wurde sie auf der Grabstätte von Paul Abraham hier auf Ohlsdorf (Grablage: O 11 (123),
1967 wurde in Rahlstedt die Abrahamstraße benannt.
Lied Anne Wiemann.
Toujour L’Amour aus der Operette „Ball im Savoy“ uraufgeführt 1932 im Großen Schauspielhaus in Berlin.
Adele Schwab, geb. Mennerich, Buchpseudonym Lexa Anders
14.6.1907 Hamburg – 30.7.1991 Hamburg
Diakonisse, Sozialfürsorgerin, Buchautorin
Sie lebte an der Hohe Weide 10
Adele Schwab äußerte über ihr Leben: „Mein Leben verlief in stark ansteigenden und steil abfallenden Linien, unter viel Krankheitsnot und manchen inneren Kämpfen. Menschen, zu denen ich aufgesehen hatte im Leben, wurden mir genommen, auf dass Jesus mir alles würde. Er erfüllt meinen Alltag mit dankbarer Freude!“
Adele Mennerich wuchs gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, deren Name auf dem Grabstein steht, in Hamburg in der Heinrich-Hertz-Straße 118 auf. Ihre Mutter, Dorothee Mennerich, geb. Mennerich betrieb ein Handarbeitsgeschäft. Adele war handwerklich begabt, besuchte neben dem regulären Schulunterricht die Kunstgewerbeschule und fertigte noch zu Schulzeiten Bastpuppen an, für deren Herstellung sie ein Patent erwarb. Diese Erfindung half der Familie durch die schweren Zeiten der Wirtschaftskrise.
Im Alter von zwölf Jahren entschied sich Adele Mennerich bewusst für Christus. Ihr geistiges Zuhause fand sie in der Freien evangelischen Gemeinde in Hamburg am Holstenwall. Auch ihre Eltern sowie ihre Schwester Olga (gest. 1972) stellten sich in den Dienst des diakonischen Werkes innerhalb der Freien evangelischen Gemeinde.
Nach der Schulentlassung 1922 besuchte Adele Mennerich bis zu ihrem 18. Lebensjahr weiterhin die Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld. Auch belegte sie an der Handelsschule einen Abendkurs für Buchführung. Als Beruf entschied sie sich für die Krankenpflege und wollte den Beruf der freien Krankenschwester ergreifen. Der Leiter der Freien evangelischen Gemeinde in Hamburg, der gleichzeitig auch Direktor des Hamburger Krankenhauses „Elim“ war, schlug ihr stattdessen vor, Diakonisse zu werden. Doch sie verneinte mit dem Argument: „Wir haben doch keinen Jungen in unserer Familie. Da ist es die Pflicht von mir und meiner Schwester, daß wir die Eltern im Alter versorgen.“ Der Leiter der Freien evangelische Gemeinde wusste Rat und so konnten Adele und ihre Schwester ihren Dienst im „Elim“ beginnen. Ihre Eltern wurden bis an ihr Lebensende versorgt als Hauseltern im Altersheim in der Frickestraße in Hamburg.
Adeles Mutter war allerdings nicht begeistert von dem Berufswunsch „Diakonisse“. „Ihr könnt auch Schwestern ohne Haube sein. Dienen könnt ihr dem Herrn überall. In ‚Elim‘ müßt ihr immer euren Vorgesetzten gehorchen. Auch das sind Menschen … und Menschen können irren. Holt euch eure Aufträge direkt von Gott! Meiner Meinung nach ist das ein noch köstlicherer Dienst, als wenn ihr in ‚Elim‘ nur immer das tun könnt, was euch befohlen wird.“ Doch die Würfel waren gefallen: 1930 begann der Dienst im Elim, ein Jahr später kam Adele unter die „Elim-Haube“. Im März 1935 machte sie ihr Krankenschwesterstaatsexamen.
Doch bald bekam sie Schwierigkeiten: ohne, dass mit ihr ein offenes Wort geführt wurde, wurde ihr vorgeworfen, nicht mehr zur Elim-Schwesterschaft zu stehen.
Als Adele von ihrer ehemaligen Mitschwester Heidi erfuhr, dass diese sich an „die Partei“ (NSDAP) wenden wolle, um diese aufzuklären „wie man in Elim mit Menschen umgeht, die Jesus nachfolgen wollen“, warnte Adele die Mutter Oberin. Dazu Adele in ihren Erinnerungen: „Es wurde eine durchwachte, durchweinte und durchbetete Nacht. Als der Morgen graute schickte sie mich ins Gästezimmer. (…) Ich hatte noch ihre Worte im Ohr: „Wenn du von diesen Dingen weißt, ist es besser, daß du nicht mehr die Elim-Haube trägst und nicht mehr zu uns gehörst.“ Wenige Tage später wurde der Rauswurf zurückgenommen unter der Bedingung, dass Adele Heidi nicht mehr sehen dürfe. Doch Adele weigerte sich mit den Worten: „Wenn Heidi zu mir nach Elim kommt, mich bittet, ihr innerlich zu helfen, dann werde ich ihr nicht die Tür weisen, sondern versuchen, ihr zu helfen.“ Und so verließ Adele Mennerich am 31. August 1936 die Diakonie Elim.
Nun begann ihre Leben als freie Schwester. Zuerst erhielt sie Arbeit im „Abendroth-Haus“ in Hamburg-Hamm. Dort wurden Prostituierte und geschlechtskranke Frauen aufgenommen. Nachdem sie dort eine Zeitlang gearbeitet hatte, sah sich Adele Mennerich nach einer neuen Tätigkeit um. Sie wollte in einem Kinderheim arbeiten. „Alle Kinder- und Kindertagesheime waren damals der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) unterstellt. Warum sollte man sich dort nicht bewerben? Ich tat es. Leider waren meine Bemühungen vergebens. Die Oberin war für längere Zeit fort, und man verwies mich an die NS-Schwesternschaft. (…) Ich ließ mich (..) von der zuständigen Oberin der Schwesternschaft überreden, am nächsten Schulungskursus für Gemeindeschwestern teilzunehmen, und fuhr ins Rudolf-Hess-Krankenhaus nach Dresden. (…) Morgens nach einem Walddauerlauf wurde mit einem Hitler-Wort die Fahne gehißt. Danach ging es zum Kaffeetrinken, das ebenfalls mit einem Führer-Wort eingeleitet wurde. (…) ich wußte kein einziges Führer-Wort.“ Adele Mennerich erhielt für einen Vortrag, den sie halten sollte, das Thema: „Meine persönliche Einstellung zum christlichen Glauben und zum Nationalsozialismus“. „Was ich im einzelnen gesagt habe, ich weiß es nicht mehr genau. Eins aber weiß ich, daß ich stark betonte, daß das tausendjährige Reich der Nationalsozialisten nichts, aber auch nicht das geringste zu tun hätte mit dem tausendjährigen Reich Jesu Christi. (…) Dann deutete ich den krassen Gegensatz an, der zwischen dem christlichen Glauben und der nationalsozialistischen Weltanschauung besteht. Ich schloß mit den Worten: ‚Das ist mein persönliches Bekenntnis zu Christus an euch alle (…) Ich bin hier fehl am Platz. Bitte lassen Sie mich gehen? Ich gehöre nicht hierher!‘“ Der politische Leiter der NS-Schwesternschule entgegnete scharf: „Das könnte Ihnen so passen, die Flucht zu ergreifen! Sie bleiben! Solche Kämpfernaturen wie Sie brauchen wir. Jeden Tag kommen Sie eine Stunde zu mir – und am Schluß des Kursus werden Sie anders reden und denken.“
Dies aber gelang nicht. Adele Mennerich konnte die NS-Schwesternschule verlassen, weil ein Bekannter von ihr, dem sie sich anvertraut hatte, ein Telegramm an sie hatte schreiben lassen, in dem es hieß, sie müsse schnell nach Hamburg kommen, ihre Mutter sei schwer erkrankt. „Keine Stunde länger trug ich die braune NS-Schwesterntracht, sondern lieferte sie unmittelbar in Hamburg ab. (…) Ja der Hölle des Nationalsozialismus war ich entronnen. Aber zwei Jahre lang verfolgte man mich, um mich umzustimmen. (…) Als man mir so nicht beikam, da ließ man mich, weit weg von Hamburg, durch Parteifunktionäre in meinem Dienst als Fürsorgerin bespitzeln und fragte heimlich die Kranken aus, die ich zu betreuen hatte. Verschiedene Male hatte ich mich in der Kreisstadt zu verantworten. Das letzte Verhör war so entsetzlich, daß ich annehmen musste: jetzt hat deine Stunde geschlagen, und du wirst abgeholt. Adele Mennerich wurde als behördliche Krankenhausfürsorgerin in Hamburger Krankenhäusern tätig. In diese Zeit fällt auch ihre Heirat. Ein ihr unbekannter Witwer, der ebenfalls Mitglied der Freien evangelischen Gemeinde war, stellte ihr einen Heiratsantrag. Die beiden lernten sich kennen, gefielen sich, und am 3. Mai 1943 wurde Hochzeit gefeiert. Doch schon bald merkte Adele, wie sie es beschreibt: „daß er als Mann nicht zu seinem Recht kam“. Eine gynäkologische Untersuchung ergab, dass Adele Schwabs Geschlechtsorgane infolge einer in der Kindheit erlittenen Rachitiserkrankung unterentwickelt waren. Als sie ihrem Mann den Befund zu Lesen gab, reagierte er: „Ich bin doch ein Mann! Soll ich mein Leben lang verzichten. Das kann und will ich nicht! Kinder wollte ich mit dir haben … Das ertrag ich nicht!“ Adele schlug die Scheidung vor, wozu es auch kam und begann wieder in ihrem alten Beruf zu arbeiten. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus war Adele Schwab noch viele Jahre als Fürsorgerin tätig, so auch auf St. Pauli.
Unter dem Pseudonym „Lexa Anders“ veröffentlichte sie in den 1960er bis 1980er Jahren eine Vielzahl von Büchern, in denen sie u. a. über ihr Leben und ihre Hinwendung zu Gott berichtet und z. B. über ihre Erlebnisse als Fürsorgerin auf St. Pauli und in Hamburgs Straßen.
Hermine Peine, geb. Kreet
19.9.1881 Hamburg – 19.8.1973 Hamburg
Bürgerschaftsabgeordnete, Mitbegründerin der AWO Hamburg
Schon vom Elternhaus her war Hermine Peine seit Kindertagen vertraut mit gewerkschaftlichen und politischen Fragen. Seit 1908 gehörte sie der SPD an und war später über zehn Jahre lang Mitglied des Parteivorstandes der Hamburger SPD.
Hermine Peine, die nach dem Besuch der Volksschule bis zu ihrer Heirat 1902 als Hausangestellte gearbeitet hatte, engagierte sich ehrenamtlich in der Sozialfürsorge.
Die Mutter von zwei Kindern war in den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg als Sozialfürsorgerin tätig und gehörte seit 1919 der Deputation der Wohlfahrtsbehörde und dem Ausschuss für die staatlichen Heimeinrichtungen an. 1920 war sie Mitbegründerin des „Hamburger Ausschusses für soziale Fürsorge“ (Arbeiterwohlfahrt/AWO). So war es nur selbstverständlich, dass die sozialen Belange auch im Vordergrund ihrer Bemühungen als SPD-Bürgerschaftsabgeordnete standen. Hermine Peine gehörte der Hamburgischen Bürgerschaft zwischen 1924 und 1933 an. Im Juli 1929 übernahm sie die Leitung des staatlichen Altersheims in Groß Borstel.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Hermine Peine politisch verfolgt. 1934 durchsuchte die Gestapo ihre Wohnung. Ein Jahr zuvor war sie am 28. Juni 1933 aus ihrem Dienst entlassen worden und war fortan arbeitslos. Drei Jahre lang lebte sie von Arbeitslosenunterstützung. Danach konnte sie sich finanziell nur dadurch über Wasser halten, indem sie Untermieter in ihrer Wohnung aufnahm und ihre Kinder sie unterstützten.
1940 begann gegen Hermine Peine ein Prozess wegen „Wehrkraftzersetzung“, der eingestellt wurde, weil die gegen sie erhobenen Vorwürfe nicht bewiesen werden konnten. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler war Hermine Peine im August 1944 als „politisch unzuverlässig“ für zehn Tage im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus engagierte sich Hermine Peine wieder in der Hamburger Arbeiterwohlfahrt und war seit 1945 deren stellvertretende Vorsitzende.
Die Britische Militärregierung setzte sie zum 1. September 1945 wieder als Leiterin des Altersheims in Groß Borstel ein. Diese Funktion hatte sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1949 inne.
Für ihr soziales Engagement wurde Hermine Peine die Bürgermeister-Stolten-Medaille verliehen.
Lied von Anne:
Es folgt nun ein Lied von Paul Abraham, das die meisten von Ihnen kennen werden. „Ja so ein ungarisches Mädel“ ebefalls aus der Operette „Victoria und ihr Husar“
Marie Groot, geb. Schär
29.4.1898 Ohe/Kr. Stormarn-20.5.1946 Hamburg
Marie Groot war verwandt mit den Inhabern der Kunsthandlung Groot am Klosterstern 6, die Henry Groot gehörte, und dem Postkarten-Großvertrieb und Verlag Martin Groot in der damaligen Königstraße 25 (Groot-Haus), der heutigen Poststraße in der Hamburger Innenstadt. Das Kunsthaus Groot in der Königstraße kaufte und verkaufte Brillanten, Gold- und Silberwaren, Orient-Teppiche und Gemälde bekannter Meister.
Unmittelbar nach Marie Groot’s Tod im Jahre 1946 erhielten die Bildhauer Karl Tuchardt (1907-1984) und O.G. Hermann Perl (1878-1967) den Auftrag, das Grabmal für die Familiengrabstätte Groot herzustellen und schufen einen lebensgroßen marmornen weiblichen Akt, mit den Händen an Schulter und Schenkel ein großes Cape haltend, das die Gestalt hinterfängt. Zu Füßen der nackten Frauengestalt sitzt ein Dackel.
Die Skulptur wird unterschiedlich interpretiert. Einige deuten sie als eine Allegorie der „Tierliebe“, zu Ehren einer Frau, die Mitgefühl für alle leidenden Wesen hatte. Als deren Stellvertreter schaut der kleine Dackel zu Füßen der weiblichen Figur aufmerksam zu ihr hinauf, während sie mit der rechten Hand schützend ihren Mantelsaum um ihn legt.
Diese Auslegung entspricht den Aussagen von Mitgliedern der Familie Groot. Sie berichten, dass es sich bei dem Dackel um Marie Groot‘s Hund Peppi handelt. Die Familie Groot schätzte Dackel als Haushunde. Ob die Skulptur Marie Groot selbst darstellen soll, ist nicht bekannt. Überhaupt ist bislang wenig über Marie Groot‘s Leben und Wirken in Erfahrung gebracht worden. Deshalb steht die Skulptur symbolisch für die vielen Frauen, denen wertschätzende Erinnerung nicht zuteil wird.
Andere interpretieren die nackte Frauengestalt mit Hund als Artemis, die Göttin der Jagd, des Waldes und des Mondes sowie die Hüterin der Frauen und Kinder. Die „Herrin der Tiere“ wurde von jungen Frauen und Hunden begleitet. Artemis schützte Frauen jeden Alters sowie Kinder beiderlei Geschlechts.
Das Umsetzen der Skulptur in den Garten der Frauen sowie entsprechende landschaftsarchitektonische Maßnahmen und die Infotafel wurden gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Kulturbehörde
Lied von Anne
Und nun noch ein Stück von Paul Abraham mit dem Titel:
„Es ist so schön am Abend bummeln zu gehen“ auch aus der Operette „Ball im Savoy“.
Zum Gewächshaus etwas
Am Schluss hören Sie nun noch ein sehr bekanntes Stück von Paul Abraham: „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ auch aus der Operette Victoria und ihr Husar, gespielt vpn Anne Wiemann mit Luftpumpe.