- Edgar S. Hasse: Moment mal: Gottes Stimme bei N-Joy, in: Welt vom 9.9.2012, unter:https://www.welt.de/print/wams/hamburg/article109106384/Moment-mal-Gottes-Stimme-bei-N-Joy.html
- 2) Rosemarie Wagner-Gehlhaar: Trotz Ruhestand: „Ich mache nicht, was ich will“. Wie füllt man leere Tage, wenn man wegen Corona-Krise oder Ruhestand viel Freizeit hat? Kirchliche Angebote im neuen Himmel & Elbe, in: Hamburger Abendblatt vom 18.6.2021, unter: https://www.abendblatt.de/hamburg/kirche/article232558031/Trotz-Ruhestand-Ich-mache-nicht-was-ich-will.html
Rosemarie Wagner-Gehlhaar
Radiopastorin
Rotenburg/Wümme
-
26.11.2025
Hamburg
Alter Niendorfer Friedhof, Grablage: Abteilung A6, Reihe 23, Nm 10-12.
Nach ihrem Studium der Germanistik und Evangelischen Theologie plus eines journalistischer Zusatzausbildung und dem Vikariat begann Rosemarie Wagner-Gehlhaar als Gemeindepastorin in den Kirchengemeinden Horneburg und Hamburg-Lokstedt zu arbeiten. Danach war sie sieben Jahre lang freiberuflich als „Denkerin und Schreiberin“ tätig.
1994 oblag ihr die Verantwortung für die Großveranstaltung „Gesamttagung Kindergottesdienst“ und 199 für die ebenfalls Großveranstaltung „Kinderkirchentag“, die beide im Evangelischen Zentrum Rissen stattfanden.
Von 1996 bis zu ihrer Pensionierung 2012 war Rosemarie Wagner-Gehlhaar als radiopastorin für die Kirche im NDR tätig. Über ihre dortige Arbeit schreibt Edgar S. Hasse: „Kaum eine Pastorin in Norddeutschland hatte so viele Zuhörer. Und kaum eine sprach mit so vielen Prominenten. Vier Minuten, zehn Sekunden lang, und manchmal mehr. Rosemarie Wagner-Gehlhaar war die evangelische Stimme von N-Joy, dem Jugendradio des Norddeutschen Rundfunks, von NDR 2 und NDR Info. Wenn es bei NDR 2 ‚Moment mal‘ hieß, meldete häufig sie sich zu Wort. Sonntags hörten sogar 615.000 Menschen im Schnitt ihren Beiträgen zu.“ 1)
Jeden Sonnabend war sie auf NDR Info mit der Sendung „was glauben Sie?“ und später "Im Anfang war das Wort. Die Bibel" zu hören. In dieser Sendung wurden bekannte Persönlichkeiten zu ihrem Glauben befragt.
Im privaten Leben gab es für Rosemarie Wagner-Gehlhaar eine Heirat, eine Scheidung und drei Kinder.
Als Rosemarie Wagner-Gehlhaar bereits im „Ruhestand“ war, machte sie sich 2021 in „Himmel & Elbe“ Gedanken über das Altsein. Sie äußerte über ihren Ruhestand: „Seit neun Jahren bin ich im Ruhestand, und so toll ist es ehrlich gesagt nicht. Die wesentlichen Termine, die ich habe, sind mittlerweile Arzttermine, auch nicht so erfüllend. Der Spruch ‚Toll, wenn man nicht mehr arbeiten muss, da kann man machen, was man will!‘ – dieser Spruch stimmt für mich nicht. Ich habe sehr gerne gearbeitet. Das tue ich nun nicht mehr, also kann ich nicht machen, was ich will. Vor Corona habe ich ab und zu Vertretungen in Kirchengemeinden gemacht. Das hat mich sehr erfüllt: Bibeltexte und unsere Welt in der Predigt zusammenbringen, Gemeindemitglieder kennenlernen, ältere Menschen zu Geburtstagen besuchen und von ihrem Leben hören. Das habe ich gern gemacht.
Anfangs habe ich Fotokurse und Yoga bei der Volkshochschule besucht, habe im Chor gesungen und bin viel Rad gefahren. Heute ist nicht so richtig viel los mit mir in meinem Ruhestand. (…)
Ich schlafe lange, dann frühstücke ich und lese lange zwei Zeitungen. Manchmal gehe ich einkaufen. Manchmal ein kleines Mittagsschläfchen. Hin und wieder verschlinge ich ein Buch. (…) Darauf hatte ich mich eigentlich gefreut: im Ruhestand lesen, nicht als Vorbereitung auf ein Interview oder auf eine Sendung – einfach so. Aber inzwischen wünsche ich mir, mit anderen meine schlauen Gedanken oder spannende Fragen wieder zu teilen!
Mir ist beim Zurückschauen Lots Frau eingefallen, eine Figur aus der Bibel. Lot und seine Familie werden aus Sodom und Gomorrha gerettet, die Städte versinken im Ascheregen. Gott will Lot und seine Familie retten. Die einzige Bedingung für die Rettung: „Dreht euch nicht um!“ Das schärft Gott ihnen ein. „Schaut nicht zurück!“ Lots Frau kann sich nicht bezähmen: Sie dreht sich um und erstarrt zur Salzsäule. Sie wird nicht gerettet, kann kein neues Leben in einer neuen Stadt beginnen.
Ist es das, was das Altwerden so schwer macht? Der stetige Blick zurück? Auf die Zeit, als die Kinder noch klein waren, die Liebe noch jung war, der Körper noch fit gewesen ist. Wenn man jung ist, sehnt man sich nach Neuem: eine eigene Wohnung, ein toller Beruf, die große Liebe – oder auch mehrere –, vielleicht eine Familie.
Veränderungen sind meist gewollt und gewünscht und freie Zeit zu wenig. Ich glaube nicht, dass ein zehnjähriger Mensch sich voller Wehmut an den ersten Schultag erinnert. Diese wehmütige Erinnerung setzt wohl erst ein, wenn nicht mehr so viel vor einem liegt. Dann ist die Gefahr groß, so wie Lots Frau sich umzudrehen – und zu erstarren. (…). Also nicht den Blick zurückwerfen, sondern nach vorne schauen.“ 2)
Literatur: